FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag nach einem freundlichen Start weiter zugelegt. Am Markt wurde dies mit der deutschen Regierungserklärung zur Euro-Schuldenkrise begründet. Der deutsche Leitindex
Dax gewann im frühen Handel 1,81 Prozent auf 6.144,99 Punkte und ist damit auf Wochensicht auf bestem Wege, ein Plus von rund 12 Prozent zu erzielen. Entscheidend für die Richtung im Dax seien aber die am Nachmittag in den USA zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktdaten, sagte ein Händler. Der
MDAX stieg am Freitag um 1,57 Prozent auf 9.044,39 Punkte und der
TecDax rückte um 1,10 Prozent auf 703,89 Punkte vor.
"Frau Merkel hat die Erwartungen an den Euro-Gipfel Ende der nächsten Woche noch etwas hochgeschraubt", sagte Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Die Hoffnung, dass die Bundeskanzlerin auf dem EU-Gipfel mehr Lösungsansätze für die Euro-Krise auflisten werde als bisher, wachse zunehmend. "Frau Merkel muss es schaffen, gemeinsam mit ihren Amtskollegen die Finanzmärkte mit einer frohen Botschaft in die Weihnachtspause zu schicken."
Die Bundeskanzlerin hatte in ihrer Regierungserklärung an diesem Morgen unter anderem als Gipfel-Ziel genannt, dass es zu Änderungen der EU-Verträge zur Schaffung einer Fiskalunion komme. Zudem sagte sie, dass eine "Stabilitätsunion" auf der Tagesordnung stehe und sie hatte angemahnt, dass Regeln eingehalten und Verstöße geahndet werden müssen.
BANKENWERTE SEHR FEST AN DAX-SPITZE
Die Spitze im Dax nahmen die Bankenwerte ein, nachdem das "Handelsblatt" aus Kreisen über eine sich abzeichnende Einigung im Streit um den Stresstest berichtet hatte. Die europäische Bankenaufsicht EBA und die 27 nationalen Aufsichtsbehörden hätten sich geeinigt, dass der Test nicht weiter verschärft werden solle. Am 7. und 8. Dezember soll die endgültige Entscheidung fallen. Die Titel der Commerzbank stiegen um 4,80 Prozent auf 1,42 Euro, während die der Deutschen Bank (Deutsche Bank) 3,20 Prozent auf 29,55 Euro gewannen. Die Aareal-Bank-Aktien (Aareal Bank) gewannen im MDax knapp vier Prozent hinzu. Ein Händler kommentierte: "Deutschland dürfte sich damit mit seiner Forderung durchgesetzt haben, die Kapitalanforderungen für europäische Banken nicht weiter zu verschärfen." Zwar sei immer noch unklar, wie hoch der Kapitalbedarf für deutsche Banken sein werde, dennoch gebe der Bericht den Aktien positive Impulse.
Sehr fest zeigten sich auch die Titel der Autohersteller nach am Vorabend veröffentlichter US-Absatzzahlen. Vor allem Volkswagen (VW) (Volkswagen vz) sei wieder "beeindruckend erfolgreich" gewesen sowie auch die Marke Mercedes von Daimler , sagte ein Händler. Während VW ein Absatzplus von 40,7 Prozent für November gemeldet hatte, stieg der Absatz von Mercedes Benz um 55,2 Prozent. BMW meldete ein Plus von 14,8 Prozent, während Porsche einen Rückgang von 6,7 Prozent bekanntgab. Das verhalf den Daimler-Papieren zu einem Plus von 2,43 Prozent auf 34,16 Euro, BMW stiegen um 2,25 Prozent auf 56,42 Euro und VW um 2,21 Prozent auf 129,50 Euro. Porsche gewannen etwas mehr als ein Prozent hinzu.
'HB': THYSSENKRUPP HAT WEITER PROBLEME IN BRASILIEN
Die Aktien von ThyssenKrupp waren dagegen einer von nur zwei Verlierern im Dax und büßten 1,76 Prozent auf 18,67 Euro ein. Händler verwiesen vor allem auf einen Artikel im "Handelsblatt", in dem es hieß, dass es weiter Probleme beim Stahlwerk in Brasilien gibt. Für Überraschung sorgte zudem die Nachricht, dass der Stahlkonzern bereits an diesem Nachmittag zur Bilanz-Pressekonferenz lädt. Ursprünglich war sie für den kommenden Dienstag geplant. Nun gibt es Sorgen, dass der Konzern einen enttäuschenden Ausblick auf das Gesamtjahr geben könnte.
Die bevorstehende Aufnahme von ProSiebenSat.1 (ProSiebenSat1 Media vz) in den Dow Jones Global Select Dividend Index verhalf dem Papier des Medienunternehmens zu einem Plus von 3,38 Prozent auf 14,665 Euro./ck/la