FRANKFURT (dpa-AFX) - Vor den Zinsentscheidungen in Europa ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag freundlich in den Handel gestartet. Eine späte Aufholjagd an der Wall Street stütze etwas die Kurse, sagte ein Händler. Der
Dax (
DAX) stieg im frühen Geschäft um 0,29 Prozent auf 6.170,15 Punkte. Der Index mittelgroßer Werte
MDAX (
MDAX) legte 0,70 Prozent auf 9.536,25 Punkte zu, und die Technologiewerte im
TecDax (
TecDAX) gewannen 0,88 Prozent auf 719,82 Punkte.
Marktteilnehmer warteten gespannt auf die Zinsentscheidung der EZB mit der anschließenden Pressekonferenz, die laut Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) der Hauptimpulsgeber für den Markt sein dürfte. Sollten sich die Europäer zu einer von ihm als unwahrscheinlich angesehenen Zinssenkung entschließen, dürfte das den Euro unter Druck bringen, die Börsen aber möglicherweise stützen, betonte Marktanalyst Cameron Peacock von IG Markets. Zudem dürften anstehende Anleiheauktionen in Spanien und Italien das Interesse der Börsianer auf sich ziehen.
ÜBERNAHMEFANTASIE BEI DOUGLAS
Douglas-Aktien (DOUGLAS) verbuchten im MDax ein spektakuläres Kursplus von rund einem Viertel auf 31,75 Euro. Der Handelskonzern bestätigte am Morgen eine Meldung, wonach Gespräche mit Finanzinvestoren geführt werden. Er reagierte damit auf einen Medienbericht, wonach die Gründerfamilie Kreke erwäge, das Unternehmen mit Hilfe von Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen. Aussagen zur künftigen Geschäftsentwicklung, speziell in der Buchsparte, hatten die Aktie am Vortag noch ans MDax-Ende gedrückt. Das Minus von fast 10 Prozent wird nun mehr als wett gemacht.
Im Dax setzten die Commerzbank-Papiere (Commerzbank) ihren Lauf der vergangenen beiden Tage mit einem Plus von 4,62 Prozent auf 1,358 Euro fort. Laut Händlern wirkte der Medienbericht vom Vortag weiter nach, wonach Großaktionär Allianz der Bank bei der Erfüllung der neuen Eigenkapitalregeln mit einer Anpassung seiner stillen Einlage unter die Arme greifen könnte. Titel der Deutschen Bank (Deutsche Bank) legten ferner 1,72 Prozent zu. Verwiesen wurde auf einen positiv zu wertenden Medienbericht, wonach die Verkaufspläne für Teile des Asset Managements angesichts des großen Interesses weiter vorangetrieben werden sollen.
METRO VON TESCO BELASTET
Zu den schwächsten Dax-Werten zählten dagegen Metro (METRO) mit einem Minus von 1,11 Prozent auf 28,04 Euro. Laut Händlern trübten Aussagen des Konkurrenten Tesco das Stimmungsbild für die Titel des deutschen Handelskonzerns. Das Weihnachtsgeschäft hat beim britischen Einzelhändler nicht gezündet: In einem schwierigen Umfeld habe sich das Unternehmen im Ausland zwar gut geschlagen, aber vom Verlauf auf dem Heimatmarkt zeigte sich Tesco enttäuscht.
Wacker Chemie (Wacker Chemie) zogen bei den mittelgroßen Werten um 8,29 Prozent an. Händler begründeten dies mit dem Plan der chinesischen Energiebehörde, die Solarstrom-Kapazitäten in den kommenden Jahren massiv zu erhöhen. Ein Börsianer sagte: "Dies hatte den größten wöchentlichen Sprung bei den Preisen für Polysilizium seit sechs Monaten zur Folge." Auch im TecDax verhalfen die China-Pläne den Solarwerten nach oben: Solarworld (SolarWorld) gewannen an der Indexspitze fast 9 Prozent hinzu.
SKY UND KABEL DEUTSCHLAND AM MDAX-ENDE
Am MDax-Ende büßten Kabel Deutschland nach einer Abstufung der Schweizer Großbank UBS 2,29 Prozent ein. Bei den um 2,09 Prozent nachgebenden Aktien von Sky Deutschland verwiesen Händler als Belastungsfaktor auf Medienberichte zu den Bundesliga-Rechten. Demnach könnte der Telekom-Konkurrent Vodafone beim anstehenden Wettbieten um die Internet- und Mobilfunkrechte mitmachen./tih/fat