FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Nervosität der Anleger im Zuge des EU-Gipfels hat auch am Freitag wieder für starke Kursschwankungen am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Leicht enttäuschte, aber nicht klar negative Reaktionen auf die ersten Aussagen aus Brüssel drückten den
Dax (
DAX) im frühen Geschäft in die Nähe von 5.800 Punkten, bevor er es kurz ins Plus schaffte. Nach der ersten halben Stunde büßte er aber wieder 0,19 Prozent ein auf 5.863,16 Punkte. Schon am Vortag hatte der Leitindex eine außerordentlich hohe Schwankungsbreite zwischen sehr festen und sehr schwachen Kursen verzeichnet. Die übrigen Indizes waren derweil ins Plus gedreht: Der
MDAX (
MDAX) legte 0,24 Prozent auf 8.689,56 Punkte zu und auch der
TecDax (
TecDAX) gewann 0,24 Prozent auf 676,93 Punkte.
Börsianer sprachen von einem weiter nervösen Geschäft im Zuge des laufenden EU-Gipfels. Der Markt wird demnach in der Hoffnung auf Lösungsansätze weiterhin an den Lippen der europäischen Staats- und Regierungschefs hängen. Ein Händler sagte: "Was bisher vom Gipfel kam, ist nichts wesentlich Neues und ist enttäuschend." Andere sprachen von immerhin ersten Ergebnissen. Im Fokus bleibt auch der Stresstest für Banken, der allerdings keine neuen negativen Überraschungen gebracht habe. Ein Händler sagte: "Buy the fact - das treibt den Markt wieder ins Plus." In den vergangenen Tagen sei die Unsicherheit vor dem "Show-Down" besonders groß gewesen und Anleger hätten sich zurückgehalten. Nun würden immer wieder vorsichtig erste Positionen geöffnet.
BANKEN NACH STRESSTEST UNEINHEITLICH
Nach den vermeldeten Stresstest-Ergebnissen war die Kursentwicklung im Bankensektor uneinheitlich. Titel der Deutschen Bank (Deutsche Bank) stiegen an der Dax-Spitze um 1,86 Prozent auf 28,775 Euro und die der Commerzbank schafften es nach einem schwachen Auftakt mit 1,33 Prozent ins Plus. Aktien der Aareal Bank waren dagegen mit minus 1,17 Prozent hinten im MDax zu finden. Den größten Bedarf hat mit 5,3 Milliarden Euro wie erwartet die Commerzbank: Laut Matthias Dürr von der DZ Bank wird sie weitere Maßnahmen benötigen, um die Kapitallücke rechtzeitig zu schließen. Im Falle der Deutschen Bank rechnet Dürr dagegen nicht einem weiteren Kapitalschritt: Dem deutschen Marktführer fehlen 3,2 Milliarden Euro.
Titel von Munich Re (Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft) standen mit einem Medienbericht im Fokus. Nach einem noch tieferen Auftakt lagen sie zuletzt noch mit 0,30 Prozent im Minus bei 92,72 Euro. Konzernchef Torsten Oletzky sagte gegenüber der "Börsen-Zeitung", dass ein Verlust in der Türkei und Griechenland die Tochter Ergo belaste, so dass diese ihr Ergebnisziel 2011 verfehlen werde. Ein Börsianer sagte: "Damit setzt sich der negative Nachrichtentrend bei Munich Re fort." Allerdings könnten neue Aussagen aus Brüssel auch sehr schnell wieder eine Wende bei den Titeln des Versicherers bringen, betonte er.
SIEMENS NACH ANALYSTENABSTUFUNG IM MINUS
Aktien von Siemens gaben ferner um 0,94 Prozent nach. Die US-Großbank JPMorgan hat die Titel des Elektrotechnik-Konzerns auf "Neutral" abgestuft. Seine bisherige "Overweight"-Empfehlung habe auf der Erwartung basiert, dass Siemens bezüglich des Portfolios und der Kapitalüberlassung Fortschritte mache und dies zusammen mit einer verbesserten Entwicklung im Kerngeschäft der Aktie Auftrieb gebe, schrieb Analyst Andreas Willi in einer Branchenstudie vom Freitag. Diese Kurskatalysatoren seien aber ausgeblieben und auch in den kommenden Monaten nicht unbedingt zu erwarten./tih/ag