FRANKFURT (dpa-AFX) - Die erneut aufgekochten Sorgen um Griechenland haben am deutschen Aktienmarkt am Dienstag für einen Kurseinbruch gesorgt. Der
Dax rutschte im frühen Handel um 3,61 Prozent auf 5.919,40 Punkte ab und knüpfte damit nahtlos an seinen bereits sehr schwachen Wochenauftakt an. Der
MDAX fiel um 2,75 Prozent auf 8.826,78 Punkte und der
TecDax gab 3,05 Prozent ab auf 684,17 Punkte.
Am Markt verwiesen Experten unisono auf die jüngsten Nachrichten aus Athen: Dort hat der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou ein Referendum zu den neuen Hilfszusagen der internationalen Geldgeber angekündigt. Eine Ablehnung der finanziellen Hilfen seitens Griechenland wäre aus Sicht der Bremer Landesbank "Selbstmord". Sollte die Bevölkerung gegen das im Frühjahr geplante Referendum zum neuen Hilfspaket stimmen, würde Griechenland ins Chaos gestürzt, schreibt Chef-Analyst Folker Hellmeyer. Mangels Hilfszahlung und Unterstützung der EZB drohte "der totale Kollaps" der griechischen Wirtschaft. Zudem hätte die Staatspleite weitreichende Konsequenzen für die Eurozone, das Weltfinanzsystem und die Weltwirtschaft.
BANKAKTIEN IM SOG DER UNSICHERHEIT
Die erneut aufkommenden Sorgen um Griechenland belasteten einmal mehr vor allem die Bankenwerte. Aktien von Deutscher Bank, Commerzbank und Aareal Bank gaben entsprechend zwischen knapp sieben und mehr als elf Prozent nach. Börsianer sprachen von wieder deutlich verstärkten Unsicherheit um die Eurozone. Ein Händler sagte: "Auch wegen der Sorgen um den Wert der Griechenland-Anleihen drückt das besonders stark auf die Stimmung für Banken." Hinzu kommen schlechter als erwartete Zahlen der Credit Suisse aus der Schweiz. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks brach um 4,79 Prozent ein, Versicherer mussten sogar einen Abschlag von 4,98 Prozent hinnehmen.
Deutlich abwärts ging es auch für die Aktien von Daimler , die sich um 5,22 Prozent auf 35,070 Euro verbilligten. Barclays hatte zuvor das Votum von "Equal Weight" auf "Underweight" gesenkt und das Kursziel von 45,00 auf 43,00 Euro reduziert. Die Aktie habe sich zwar bereits seit Jahresbeginn schwächer entwickelt als der Autosektor, schrieb Analystin Kristina Church in einer Studie vom Dienstag. Es gebe jedoch keinen Grund die Lücke zu schließen, bis sowohl im Lkw- als auch im Pkw-Geschäft eine positive Auftragsdynamik zusammenfallen. Bis 2013 sei eine Margenerholung wohl ausgeschlossen, was in der Zwischenzeit weiter belasten dürfte
THYSSENKRUPP BELASTET VON BERICHTEN ZU GESCHÄFTSPARTNER
Die Papiere von ThyssenKrupp gehörten mit einem Kursrutsch von knapp vier Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern. Der Stahl- und Industriegüterkonzern lässt Börsianern zufolge seine Geschäftsverbindungen zu einem Geschäftsmann in Südkorea abermals überprüfen. Dieser soll bei einem möglichen Bestechungsfall beim Friedrichshafener Motorenbauer Tognum in Asien involviert sein. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat der Konzern aus den Medien erfahren, dass gegen Herrn Chung und dessen Firma Ubmtech Ermittlungen wegen möglicher Korruptionsfälle eingeleitet worden sind. Zudem hat JPMorgan das Kursziel von 35 auf 32 Euro gesenkt, die "Overweight"-Einstufung aber beibehalten.
BASF-Aktien (BASF) konnten sich trotz guter Zahlen des niederländischen Konkurrenten DSM dem insgesamt schwachen Markttrend nicht entziehen und gaben 3,23 Prozent auf 51,47 Euro ab. Für Wacker Chemie ging es im MDax um ebenfalls deutliche 4,25 Prozent abwärts. Hier belasteten Aussagen des Konkurrenten OCI. Die Südkoreaner befürchten, dass die Polysilizium-Preise um bis zu 40 Prozent einbrechen könnten. Polysilizium wird als Rohmaterial für die Herstellung von Solarzellen verwendet. Zudem stuften weitere Analysten die Aktie ab./rum/fat