FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einem verhaltenen Auftakt hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag moderat ins Plus gedreht. Zuletzt notierte der
Dax (
DAX) 0,19 Prozent höher bei 7.545,17 Punkten. Damit knüpfte der Leitindex an seine Vortagsentwicklung an, als er die Regierungskrise in Italien abgeschüttelt und zwischenzeitliche Verluste letztlich aufgeholt hatte. Für den
MDAX (
MDAX) ging es am Dienstag um 0,26 Prozent auf 11.929,447 Punkte hoch. Lediglich der
TecDax (
TecDAX) verlor 0,05 Prozent auf 831,31 Punkte.
Rücksetzer würden von den Anlegern bereitwillig zum Neueinstieg genutzt, hieß es am Markt. Investmentanalyst Clemens Bundschuh von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verwies indes darauf, dass der schwelende Streit um den US-Haushalt und die politische Lage in Italien weiter im Fokus der Märkte stünden. Die Anleiheexperten der Helaba erinnerten daran, dass die Risikoprämien für italienische Staatsanleihen wegen der Unsicherheiten zuletzt wieder gestiegen seien. Auch die spanischen Renditen schienen davon in Mitleidenschaft gezogen zu werden. "Vor diesem Hintergrund dürften die am Donnerstag anstehenden Auktionen beider Peripheriestaaten unter besonderer Beobachtung stehen."
Auf Unternehmensseite steht ThyssenKrupp mit der gestrichenen Dividende nach einem Milliardenverlust im Fokus. Später folgen die ZEW-Konjunkturerwartungen und am Nachmittag die US-Handelsbilanz und Großhandelsdaten.
THYSSENKRUPP SEHR SCHWACH: STREICHT DIVIDENDE
Die Aktien von ThyssenKrupp zeigten sich nach Zahlen sehr schwankungsanfällig: Nach einem schwachen Start rückten sie zuletzt um mehr als ein Prozent vor. Wegen erneuter Abschreibungen auf seine Stahlwerke in Übersee verbuchte der Industrie- und Stahlkonzern im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro und streicht erstmals in der Unternehmensgeschichte seine Dividende. Händler Andreas Lipkow vom MWB Fairtrade sagte dazu: "Der Ausflug in das amerikanische Stahlgeschäft hat sich zu einem Fass ohne Boden entwickelt. Mir stellt sich die Frage, warum erst jetzt der Abschreibungsbedarf so offenkundig zutage getreten ist und dem Management dieser Fehltritt nicht schon früher aufgefallen ist." Dagegen schrieb Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel, die Abschreibungen seien geringer als von ihm befürchtet und die verhaltenen Unternehmensziele keine Überraschung.
Angesichts der Sorgen um Italien gehörten die Bankenwerte wie schon am Vortag zu den größten Verlierern: Deutsche Bank und Commerzbank gaben jeweils um mehr als anderthalb Prozent nach. Darüber hinaus bewegten vorrangig Studien die Kurse. Die US-Bank JPMorgan stufte die Papiere der Deutschen Post (Deutsche Post) ab und empfiehlt nun eine neutrale Gewichtung, was für Kursverluste von knapp anderthalb Prozent sorgte. Die ordentlichen Geschäftsaussichten des Logistikkonzerns seien mittlerweile angemessen bewertet, begründete Analyst Christopher Combe seinen Schritt. Im MDax ging es für Tui (TUI) um gut anderthalb Prozent hoch - hier half eine Kurszielanhebung der Deutschen Bank.
Im Laufe des Vormittags will der Autobauer Volkswagen (VW) (Volkswagen St (VW)) die monatlichen Auslieferungszahlen für die Marke VW vorstellen. Später stehen noch Verkehrszahlen der Lufthansa (Deutsche Lufthansa) für den November und eine Kapitalmarktveranstaltung des Elektrokonzerns Siemens auf der Agenda./gl/rum