FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenstart deutliche Verluste verzeichnet. Der
Dax (
DAX) gab im frühen Geschäft um 1,19 Prozent auf 6.434,56 Punkte nach und fiel damit wieder unter die Marke von 6.500 Punkten zurück, die er in der Vorwoche erstmals seit August 2011 wieder überwunden hatte. Der
MDAX (
MDAX) der mittelgroßen Werte verlor 1,15 Prozent auf 9.825,77 Punkte und der Technologiewerte-Index
TecDax (
TecDAX) sank um 0,22 Prozent auf 742,92 Punkte.
Investmentanalyst Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wies am Morgen auf Griechenland als Belastungsfaktor hin. Dort habe es am Wochenende nicht die erhoffte Einigung mit privaten Investoren auf einen Schuldenschnitt gegeben. Zusätzlich sorgten sich Anleger laut Händlern um die Zustimmung Irlands zur geplanten Fiskalunion. Der Fiskalpakt ist neben dem ständigen Rettungsfonds ESM ein Kernpunkt des an diesem Montag im Fokus stehenden EU-Gipfels. Demnach ist es weiterhin unklar, ob eine Abstimmung des irischen Volkes nötig sein wird. Ein irischer Minister habe dem Volk bereits die Konsequenzen einer Ablehnung vor Augen geführt und damit für Unsicherheit gesorgt, sagten Börsianer. Nachdem Fitch die Bonität Italiens am vergangenen Freitag gesenkt hatte, dürfte eine an diesem Montag anstehende Anleihe-Auktion dort kritisch beäugt werden. Fitch hatte insgesamt fünf Euro-Länder abgestuft.
GEWINNMITNAHMEN BEI BANKEN
Am Ende des Dax (DAX) gehörten die Aktien der zuletzt besonders gefragten Finanzwerte zu den größten Verlierern. Börsianern zufolge kommt es zu weiteren Gewinnmitnahmen, zumal der bereits mehrfach erhoffte Durchbruch in der Griechenland-Frage weiter auf sich warten lässt. Schlusslicht waren die Aktien der Deutschen Bank (Deutsche Bank), die nach einem "Spiegel"-Bericht um 3,55 Prozent auf 32,32 Euro fielen. Demnach ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC gegen die größte deutsche Bank im Zusammenhang mit der Verbriefung und dem Verkauf von faulen Immobilienkrediten im Jahr 2007. Die zuletzt besonders deutlich gestiegenen Commerzbank-Titel (Commerzbank) gaben um 3,35 Prozent nach.
Auch einige Umstufungen wirkten sich im Dax kursbewegend aus: Die Experten von Morgan Stanley haben ihre Einschätzungen im Versorgersektor überarbeitet. RWE wurde demnach von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft, was den Papieren an der Dax-Spitze mit rund 0,80 Prozent ins Plus verhalf. Analyst Bobby Chada sieht eine Trendwende bevorstehen. RWE-Anteile seien unter den günstigsten der integrierten Versorger und die Dividendenrendite auf Basis der Schätzungen für 2013 liege bei über sieben Prozent. Eon wurden dagegen auf "Equal-weight" abgestuft. Sie lagen mit 1,31 Prozent im Minus.
HOCHTIEF UND KLÖCKNER IM MDAX UNTER DRUCK
Im MDax (MDAX) begaben sich die Aktien von Hochtief (HOCHTIEF) um 5,76 Prozent auf 48,09 Euro auf Talfahrt. Händler begründeten dies mit Aussagen zum Ausblick, wonach der Verlust im abgelaufenen Jahr wegen hoher Abschreibungen auf die Australien-Tochter Leighton höher als erwartet ausfallen wird. Analyst Norbert Kretlow von der Commerzbank sprach angesichts der Aussagen von einer "kleinen Gewinnwarnung" für das Jahr 2011. Die Prognose für einen operativen Gewinn im Jahr 2012 hat Hochtief allerdings bestätigt.
Am Indexende sackten Klöckner & Co (KloecknerCo) um 7,86 Prozent auf 10,785 Euro ab: Der Stahlhändler sieht in der aktuell steigenden Stahlnachfrage nur ein kurzes Zwischenhoch, wie Vorstandschef Gisbert Rühl in einem Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) sagte. "Wir richten uns darauf ein, dass die Stahlnachfrage in Europa in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent sinkt, es kann aber noch schlimmer kommen", so Rühl. Laut einem Händler hatte Klöckner zuvor ein steigendes Absatzvolumen in Aussicht gestellt habe. "Das könnte sich als zu optimistisch erweisen", so der Händler./tih/rum