FRANKFURT (dpa-AFX) - Gewinnmitnahmen aus Nervosität vor einer Griechenland-Lösung haben die deutschen Aktienindizes am Dienstag belastet. Der
Dax (
DAX) gab am Morgen 0,58 Prozent auf 6.399,44 Punkte ab. In den vergangenen sechs Handelstagen hatte der deutsche Leitindex in der Spitze mehr als fünf Prozent zugelegt und bei 6.460 Punkten den höchsten Stand seit Anfang August markiert. Der
MDAX (
MDAX) verlor zuletzt 0,69 Prozent auf 9.784,52 Punkte und der
TecDax (
TecDAX) sackte mit einbrechenden Q-Cells-Aktien am Ende um 1,01 Prozent auf 741,36 Punkte ab.
Investoren würden immer nervöser wegen Griechenland und hinzu kämen Sorgen über möglichen neuen Hilfsbedarf für Portugal, was zunächst das Tempo des Anstiegs an den Börsen drosseln dürfte, sagte Stratege Stan Shamu von IG Markets. Die Anleger warteten auf die Einigung über einen Schuldenschnitt für Griechenland. Unterdessen verständigten sich die Minister auf den Vertrag für den ständigen Rettungsschirm ESM, der ein Jahr früher startet als ursprünglich geplant und einen Umfang von 500 Milliarden Euro hat. Ein Händler verweist trotz der positiven technischen Lage der US-Indizes auf charttechnische Widerstände an den europäischen Märkten, so dass die Kurse absackten. Gute Konjunkturdaten stützten den Dax aber dann am Morgen etwas.
SIEMENS NACH ZAHLEN AM DAX-ENDE
Händlern zufolge bindet die laufende Berichtssaison zunehmend die Aufmerksamkeit der Börsianer. Am Nachmittag dürfte eine ganze Flut von Zahlen aus den USA dem Markt nochmal Impulse geben. Aber auch hierzulande sorgt erst einmal Siemens mit seinen Zahlen für Bewegung. Händler reagierten verhalten auf die Quartalszahlen des Industriekonzerns. Umsatz und Ergebnis seien klar hinter den durchschnittlichen Marktschätzungen zurückgeblieben, kommentierte einer der Börsianer. Lediglich die Sparte Healthcare habe die Erwartungen erfüllt. Zudem klingt der Ausblick des Elektrokonzerns zu optimistisch. Die Papiere rutschten am Dax-Ende um 3,32 Prozent ab.
Uneinheitlich war das Bild bei auch anhaltend im Fokus stehenden Banktiteln. Commerzbank sprangen um weitere 2,06 Prozent auf 1,985 Euro an. Der "Short-Squeeze" der vergangenen Tage gehe weiter, sagte ein Börsianer. Dabei werden Anleger, die zuvor über Leerverkäufe auf weiter fallende Notierungen gesetzt hatten, im Zuge der steigenden Kurse zu Deckungskäufen gezwungen. Zuletzt hatten die Banken europaweit zu den Favoriten gezählt und der Stoxx Europe 600 Banks legte in den vergangenen drei Handelstagen auch in Hoffnung auf Griechenland und auf eine Erleichterung der Kapitalregeln über zehn Prozent zu. Nun gebe es hier leichte Gewinnmitnahmen - Deutsche Bank büßten 3,06 Prozent ein.
SOFTWARE LEIDEN, Q-CELLS BRECHEN EIN
Aktien der Software AG (Software) sackten im TecDax um 3,93 Prozent ab. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller hat die Eckdaten für das vierte Quartal bestätigt und einen weiteren Umsatzrückgang im Stammgeschäft mit Großrechnersoftware angekündigt. Börsianer stellten aber vor allem darauf ab, dass sich "die Datenbanksparte ETS weiter im Rückwärtsgang befindet".
Die Anteile an Q-Cells brachen indes um 20,68 Prozent auf 0,395 Euro ein. Der Solarkonzern befindet sich in extremer finanzieller Not. Die Papiere markierten ein neues Rekordtief bei 0,382 Euro./fat/ag