FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag von der Fortsetzung der US-Nullzinspolitik profitiert und seine jüngst freundliche Entwicklung fortgesetzt. Neben den guten Vorgaben aus Übersee sorgte auch das überraschend aufgehellte Konsumklima in Deutschland für gute Stimmung. Der
Dax (
DAX) legte in der ersten Handelsstunde um 0,46 Prozent auf 6.451,45 Punkte zu. Am Vortag hatte es der Leitindex nach zwischenzeitlichen Verlusten wegen der nach wie vor ungeklärten Griechenland-Frage noch knapp ins Plus geschafft. Für den
MDAX (
MDAX) der mittelgroßen Werte ging es am Donnerstagmorgen um 0,49 Prozent auf 9.873,52 Punkte hoch und der Technologiewerte-Index
TecDax (
TecDAX) gewann 0,63 Prozent auf 744,00 Punkte.
Die überraschende Ankündigung der US-Notenbank Fed, den Zeitraum einer faktischen Nullzinspolitik deutlich bis Ende 2014 und damit anderthalb Jahre länger als ursprünglich erwartet auszudehnen, habe die Wall Street angetrieben, sagte Aktienhändler Chris Weston von IG Markets. Auch in Asien legten die meisten Börsen zu. "Expansiv, ultra-expansiv, Fed", betitelten die Devisenexperten der Commerzbank ihren Kommentar zur US-Zinspolitik. Helaba-Analyst Christian Schmidt sieht weiter Rückenwind für die Aktienmärkte und daher gute Chancen, dass der Dax sich noch ein Stück von der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie nach oben absetzen kann. Unterdessen werden zahlreiche neue Impulse aus der Berichtssaison dies- und jenseits des Atlantiks erwartet. Wacker Chemie machte am Morgen den Anfang. Im Verlauf werden dann vor allem noch Unternehmens- und Konjunkturzahlen aus den USA erwartet.
DEUTSCHE Börse TROTZ GEFAHR FÜR FUSIONSPLÄNE SEHR FEST
Die Aktien der Deutschen Börse zeigten sich vom drohenden Scheitern der Fusionspläne wenig beeindruckt und gewannen an der Dax-Spitze 3,36 Prozent auf 45,010 Euro. Laut "Financial Times Deutschland" (FTD) wird die EU-Kommission den geplanten Zusammenschluss des deutschen Börsenbetreibers und seines Konkurrent NYSE Euronext (NYSE Group) verbieten. Formal wird erst am 1. Februar abgestimmt. In einem Vortreffen am Dienstag hätten aber bereits 25 der insgesamt 27 Kommissare gegen den Zusammenschluss zur weltgrößten Börse votiert, berichtet das Blatt ohne Angaben von Quellen. Von Händlern hieß es, die Aussagen zu den Fusionsproblemen seien nicht neu.
Beim Stahl- und Industriekonzern ThyssenKrupp ließ Börsianern zufolge die Fortsetzung der Verhandlungen mit Konkurrent Outokumpu die Aktien um 2,60 Prozent auf 21,725 Euro steigen. Nach einer Kurszielanhebung der Commerzbank verteuerten sich die Titel von Stahlkonkurrent Salzgitter um 2,64 Prozent. Die Commerzbank-Papiere (Commerzbank) profitierten marktkonform von den Fed-Aussagen und stiegen um 0,47 Prozent auf 1,904 Euro. Für die Lufthansa-Titel (Deutsche Lufthansa) ging es um 2,03 Prozent hoch, nachdem die japanische Großbank Nomura sie hochgestuft hatte und nun eine Kaufempfehlung ausspricht.
WACKER CHEMIE FEST - 'SCHWACHE ZAHLEN SCHON VORWEGGENOMMEN'
Die Anteilsscheine von Wacker Chemie drehten nach einem schwachen Start ins Plus und gewannen zuletzt 1,04 Prozent auf 67,97 Euro. Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern enttäuschte zwar laut Börsianern mit seinen Zahlen für das Schlussquartal. Dies habe die vorherige Kursentwicklung aber schon vorweggenommen. Zudem hätten die leicht positiven Aussagen zum Jahresstart den Aktien an der charttechnischen Unterstützung bei knapp 66 Euro etwas geholfen.
Im TecDax gewannen die Nordex-Titel (Nordex) ungeachtet negativer Nachrichten gut ein Prozent an Wert. Händler verwiesen auf einen Artikel in der "Financial Times Deutschland" (FTD), dem zufolge der Windkraftenergie der Zusammenbruch ihres US-Marktes droht. So rechne der Chef der Energiesparte des US-Konzerns General Electric (GE) , Steve Bolze, nach einem kurzen Boom 2012 im kommenden Jahr mit einem "dramatischen Einbruch", da Ende des Jahres eine entscheidende Subvention ausläuft. Mit einer Verlängerung rechnet in der Branche dem Bericht zufolge kaum jemand. Diese Nachrichten seien zwar nicht positiv für die Nordex-Aktie, angesichts von Präsident Obamas Energiepolitik aber auch "keine wirkliche Überraschung", meinte ein Händler./gl/ag