FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Abstufung des US-Kreditratings hat am Montag doch noch für die befürchtete Flucht aus Aktienwerten gesorgt. Der zunächst noch freundlich in den Handel gestartete
Dax (
DAX) drehte relativ schnell ins Minus, beschleunigte im Tagesverlauf seine Verluste und unterbot am Nachmittag erstmals seit Anfang September 2010 wieder klar die Marke von 6.000 Punkten. Am Ende sackte der Leitindex um 5,02 Prozent auf 5.923,27 Punkte ab, hatte sein Tief aber zuvor bei 5.911 Punkten markiert. Der
MDAX (
MDAX) stürzte um 6,52 Prozent auf 8.539,42 Punkte ab. Der
TecDax (
TecDAX) ging mit 5,33 Prozent auf 679,51 Punkte in die Knie.
Angesichts der von der Ratingagentur S&P abgestuften Kreditwürdigkeit der USA trennten sich viele Anleger weiterhin von ihren riskanten Anlagen, der Goldpreis dagegen setzte zu einer rasanten Rekordjagd an. Zuvor hatten sich Börsianer noch recht unbeeindruckt von der S&P-Entscheidung gezeigt. Ein schwacher Handelsauftakt an der Wall Street setzte den deutschen Leitindex dann aber doch noch deutlich unter Druck. Dafür verantwortlich gemacht wurde neben dem US-Rating auch eine zusätzliche Abstufung von Kreditgebern, die mit der US-Regierung in Verbindung stehen. Demnach hat S&P die beiden mit staatlichen Geldern geretteten Baufinanzierer Fannie Mae (Federal National Mortgage Association (Fannie Mae)) und Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage) abgestuft.
VERSICHERUNGSBRANCHE HÄLT SICH VERGLEICHSWEISE GUT
Aktien aus der Versicherungsbranche hielten sich angesichts der kräftigen Verluste vergleichsweise gut, was Börsianer mit der beruhigenden Wirkung der signalisierten Anleihenkäufe der EZB begründeten. Die lange Zeit im Plus liegenden Aktien des Rückversicherers Munich Re (Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft) fielen am Ende aber dennoch um 1,86 Prozent auf 91,07 Euro, waren damit aber hinter den 0,44 Prozent leichteren Aktien der Deutschen Börse <63DU.ETR>zweitbester Dax-Wert. Allianz-Titel (Allianz) hielten sich mit minus 2,65 Prozent ebenfalls besser als der Markt.
Doch nicht alle Versicherer konnten sich der vergleichsweise stabilen Branchenentwicklung anschließen. Kräftig um 8,86 Prozent auf 29,405 Euro abwärts ging es nach Zahlen für die im MDax notierten Titel von Hannover Rück (Hannover Rueckversicherung). Eine dicke Steuergutschrift hatte im ersten Halbjahr die Katastrophenlasten abfedern können, Händler kritisierten jedoch eine enttäuschende operative Entwicklung.
ZYKLISCHE WERTE UNTER DEN GRÖSSTEN DAX-VERLIERERN
Im Dax landeten zyklische Industrie-, Technologie- und Bankenwerte ganz unten auf der Kursliste. Aktien von ThyssenKrupp sackten nach einer Abstufung von Cheuvreux um 9,57 Prozent auf 22,245 Euro ab und waren damit das Schlusslicht. BMW-Papiere (BMW) standen dem in einem insgesamt kräftig unter Druck stehenden Autosektor nur wenig nach und büßten fast 9 Prozent ein. Aktien von Infineon (Infineon Technologies) und der Commerzbank sackten ferner um 8,3 und 8,5 Prozent ab.
Die 5,60 Prozent leichteren RWE-Titel (RWE) schlossen auf ihrem Tagestief von 30,69 Euro und gingen so auf ihrem tiefsten Stand seit siebeneinhalb Jahren aus dem Handel. Der Energieversorger hatte wegen der Belastungen durch den Atomausstieg seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt, sich gleichzeitig aber optimistischer für 2013 gezeigt. Zudem will RWE mit dem Verkauf eigener Aktien und einer Kapitalerhöhung 2,5 Milliarden Euro einnehmen.
BÖRSEN IN EUROPA UND DEN USA MASSIV UNTER DRUCK
Der Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50) gab um 3,23 Prozent auf 2286,91 Punkte nach. Der FTSE 100 in London erlitt ähnlich kräftige Einbußen wie der europäische Leitindex, der Cac 40 (CAC 40) in Paris sackte dagegen noch etwas deutlicher um 4,7 Prozent ab. In New York gab der Leitindex Dow Jones Industrial (Dow Jones) zum europäischen Handelsschluss um fast 2,6 Prozent nach.
Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,15 (Freitag: 2,11) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,34 Prozent auf 127,41 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,81 Prozent auf 133,43 Punkte. Der Kurs des Euro (Dollarkurs) fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4225 (1,4155) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7030 (0,7065) Euro./tih/he
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---