MÜNCHEN (dpa-AFX) - Bei den Anteilseignern des pleitebedrohten Holzverarbeiters
Pfleiderer wächst der Widerstand gegen das geplante Sanierungskonzept. Zahlreiche Kleinaktionäre kündigten am Donnerstag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in München an, gegen den Plan zu stimmen, der die Übernahme der Kontrolle über das Unternehmen durch Banken und Hedgefonds vorsieht. Die Chancen für eine Zustimmung galten bis zum frühen Abend als knapp. Den Ausschlag sollte das Verhalten des Großaktionärs One Equity Partners (OEP) mit rund 23 Prozent Anteil sowie weitere Anleger mit größeren Aktienpaketen geben.
"Jede geordnete Insolvenz muss besser sein", sagte Jochen Knoesel, Vorstand des Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie. Auch mit Rücksicht auf die insgesamt 5000 Mitarbeiter, davon 800 am Stammsitz in Neumarkt in der Oberpfalz, sei ein Insolvenzverfahren besser als "ein Vorgehen nach dem Willen der Heuschrecken". Applaus erhielten sämtliche Redner, die Beraterkosten von rund 50 Millionen Euro kritisierten und Vorstandschef Hans Overdiek zum Rücktritt aufriefen.
Nach den Sanierungsplänen soll der Anteil der Aktionäre am Konzern auf 0,8 Prozent sinken. Erst nach einer geplanten Kapitalerhöhung sollen sie für 5,11 Euro je Aktie neue Papiere erwerben können. Am Donnerstagnachmittag waren Pfleiderer-Aktien 45 Cent wert. Vor allem die vom Vorstand vorangetriebene USA-Expansion kurz vor der dortigen Subprime-Krise hatte das Unternehmen in den Abgrund gerissen.
Von den anwesenden Aktionären, die 47 Prozent des Kapitals repräsentierten, war die Zustimmung von 75 Prozent nötig. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) enschied sich, mit "Nein" zu stimmen. Sie vertrat Aktionäre mit rund 145 000 Anteilsscheinen. Der Umzugsunternehmer und Pfleiderer-Aktionär Klaus Zapf, der in der Vergangenheit mit Klagen gegen Aktiengesellschaften für Aufsehen sorgte, und andere Redner befürchteten, dass die Hedgefonds die Firma zerschlagen und die Teile meistbietend verkaufen könnten. "Es kann ja nicht sein, dass wir Hegde-Fonds sponsern", sagte Zapf.
Ein Nein der Aktionäre würde aber nicht automatisch das Aus für Pfleiderer bedeuten. Für den Fall gäbe es zunächst weitere Verhandlungen mit Banken über Kreditlinien und als letzten Ausweg einen Insolvenzantrag. Ein Insolvenzverwalter würde dann nach einem geeigneten Konzept und möglichen Investoren suchen - der Betrieb würde zumindest vorläufig aufrechterhalten.
Laut vorliegendem Konzept sollen die US-Sparte sowie die im Allgäu ansässige Tochter Thermopal verkauft werden. Nach Auskunft des für die Restrukturierung engagierten Vorstands Hans-Joachim Ziems gibt es für die US-Werke bereits Interessenten. Der Verkauf von Thermopal mit rund 450 Mitarbeiter soll laut Ziems einen Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbetrag bringen.
Die Verschuldung des Unternehmens beträgt derzeit das 20-fache des für 2011 erwarteten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Banken und Hedgefonds hatten im Vorfeld auf Forderungen in Höhe von 380 Millionen Euro verzichtet und weitere Kredite in Aussicht gestellt. Anleger einer so genannten Hybridanleihe hatten Pfleiderer im Juni 330 Millionen erlassen. Nach einer Klage vor dem Landgericht in Frankfurt am Main ist dieser Beschluss allerdings noch nicht rechtsgültig./fin/DP/enl