(neu: Analysteneinschätzung, Aktienkurs, Aussage CFO)
PARIS (dpa-AFX) - Der angeschlagene Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Unterm Strich stand für das dritte Quartal ein Verlust von 182 Millionen Euro nach minus 40 Millionen Euro im Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Im zweiten Quartal hatte der Verkauf der Thales-Anteile (Phoenix) dem Netzwerkausrüster einen schmalen Gewinn beschert. Nun hofft Alcatel-Lucent auf das nächste Jahr.
Die in den Vormonaten stark gelaufene Aktie sackte bis zum Nachmittag um knapp 10,54 Prozent auf 2,572 Euro ab. Seit Jahresbeginn hatten die Titel bereits fast 80 Prozent zugelegt. Die roten Zahlen enttäuschten aber am Markt. Cheuvreux-Analyst Odon de Laporte monierte vor allem die Umsatzentwicklung: Damit habe Alcatel-Lucent weit entfernt von den Erwartungen gelegen.
Wie seine europäischen Wettbewerber leidet Alcatel-Lucent unter der Zurückhaltung der Telekom-Unternehmen, die in diesem Jahr weniger in ihre Netze investieren. Hinzu kommt die heftige Konkurrenz aus China. Die Umsätze gingen im abgelaufenen Quartal um rund neun Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zurück. Selbst der Ausbau von Mobilfunknetzen der dritten Generation macht den Rückgang von Investitionen in ältere Technik noch nicht wett. Nur beim Betrieb von Netzwerken für Telekombetreiber konnten Unternehmen wie Alcatel, LM Ericsson (Telefonaktiebolaget LM Ericsson (B)) und Nokia Siemens Networks (NSN) in jüngster Zeit wachsen.
Analysten gehen davon aus, dass die Telekomkonzerne 2010 wieder mehr Geld für ihre Netze in die Hand nehmen werden. Auch Alcatel-Lucent-Finanzchef Paul Tufano rechnet mit einer leichten Erholung. Außerdem wolle sich der Netzwerkausrüster von Randbereichen trennen. Für das Gesamtjahr rechnet Alcatel-Lucent aber nach wie vor mit einem Rückgang in der Branche von acht bis zwölf Prozent.
SPARZIELE ZU 80 PROZENT ERREICHT
Trotz des schwierigen Marktumfelds will Unternehmenschef Ben Verwaayen in diesem Jahr beim operativen Gewinn eine schwarze Null schaffen. Im abgelaufenen Quartal hatte Alcatel-Lucent dank Kosteneinsparungen das operative Minus reduzieren können. Insgesamt sollen in diesem Jahr 750 Millionen Euro eingespart werden. Davon seien bereits 80 Prozent erreicht, sagte Verwaayen.
Die Fusion von Alcatel und Lucent war bislang nicht von Erfolg gekrönt: Seit dem Zusammenschluss im November 2006 hat das Unternehmen Milliardenverluste angehäuft, seinen Vorstand komplett umgebaut und tausende Stellen gestrichen./RX/gr/stb/tw