27.12.2012 14:17
Bewerten
 (0)

ROUNDUP/Altersvorsorge: Schlechte Beratung kostet Verbraucher Milliarden

    BERLIN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Wahl der richtigen Altersvorsorge gleicht einer Studie zufolge einer Lotterie. Denn Verbraucher verlieren jedes Jahr Milliarden - weil sie schlecht oder sachlich falsch beraten werden und weil die komplexen Produkte für sie oft undurchschaubar sind, schreibt der Bamberger Finanzwissenschaftler Andreas Oehler in einem Gutachten, das von der Grünen-Bundestagfraktion in Auftrag gegeben worden war.

 

    Die "Berliner Zeitung" und "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstag) hatten über die Studie berichtet. Demnach erleiden Verbraucher jedes Jahr in der Altersvorsorge und bei Verbraucherfinanzen einen Gesamtschaden von mindestens 50 Milliarden Euro. Dieser Wert sei noch konservativ geschätzt, betonte Oehler. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wies dies zurück.

 

    Allein Kunden, die einen Riester-Vertrag, eine Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung abgeschlossen haben, verlieren dem Gutachten zufolge bis zu 17 Milliarden Euro pro Jahr. Sie seien beim Abschluss nicht ausreichend über Risiken, Ertragsaussichten, Zinssätze und Gebühren informiert worden, kritisiert der Finanzwissenschaftler, der dem Verwaltungsrat der Stiftung Warentest vorsitzt.

 

    Der GDV betonte, dass die Untersuchung auf vielen falschen Annahmen basiere. "Diese Zahlen sind falsch", sagte der Vorsitzende der GDV-Hauptgeschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth. Das Gutachten sei auch keineswegs repräsentativ: "Die Oehler-Studie stützt seine Untersuchung auf gerade einmal 1115 gekündigte Verträge aus den vergangenen zehn Jahren." Dabei handele es sich ausschließlich um Beschwerdefälle: "Insgesamt gibt es in Deutschland über 90 Millionen Lebens- und Rentenversicherungsverträge."

 

    Die angebotenen Riester-Produkte müssten "ähnlich transparent, verständlich, kostengünstig und leistungsstark" sein wie das staatliche System, fordert Oehler. Schließlich sollten betriebliche und private Altersvorsorge das sinkende Niveau der gesetzlichen Renten ausgleichen. Da dies oft nicht der Fall sei, benötigten Verbraucher für den Abschluss eines guten Vorsorgevertrages mehr Glück als Verstand.

 

    Gerade bei Riester-Produkten komme hinzu, dass die Kosten für die Kunden beim Abschluss oft nicht nachvollziehbar seien. In seiner Studie zitiert Oehler eine Analyse der Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale: "Bei Kosten und Gebühren von Riester-Verträgen langen die Anbieter besonders gern zu."

 

    Finanzjurist Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW will Riester-Produkte zwar nicht per se verteufeln. Er betonte aber, dass bei fondsgebundenen Versicherungen der Vermittler, die Versicherungsgesellschaft und die Kapitalanlagegesellschaft Geld abzwackten: "Die staatliche Zulage wird aufgefressen."

 

    Für den Verbraucherschützer sind Oehlers Zahlen "erschreckend, aber absolut nachvollziehbar". In den meisten Fällen habe der Verbraucher, der fürs Alter vorsorgen will, schon verloren, weil er bei der Bank oder Versicherung nicht etwa einem Berater, sondern in erster Linie einem Verkäufer gegenüber sitze. Und der wolle seine Produkte verkaufen - möglichst solche mit hoher Provision.

 

    Das meiste Geld wird der Studie zufolge im Bereich des grauen Kapitalmarkts verbrannt, also etwa mit geschlossenen Fonds oder stillen Beteiligungen. Aber auch bei Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen zahlen Kunden oft drauf - weil sie ihre Verträge vorzeitig kündigen. Den allergrößten Teil der Stornierungen führt der Experte auf eine irreführende oder unvollständige Verbraucherberatung bei Vertragsabschluss zurück.

 

    Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch, sagte der "Berliner Zeitung": "Der deutsche Steuerzahler buttert jährlich Milliarden in die private Altersvorsorge. Das soll die Rentnerinnen und Rentnern reich machen, nicht die Banken und Versicherungsmakler." Verantwortlich hierfür sei die Bundesregierung. Maisch forderte, überhöhte Gebühren und Provisionen dürften nicht länger an der Rente der Sparer zehren./hqs/rad/DP/jkr

 

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Familienunternehmen: Rendite und Sicherheit!

Zwischen Eigentümern und Managern eines Unternehmens besteht häufig ein Interessenskonflikt hinsichtlich kurz- und langfristiger Ziele. Familien- und eigentümergeführte Unternehmen haben solche Konflikte meist nicht. Für Aktionäre sind solche Unternehmen daher meist eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche drei Familienunternehmen einen näheren Blick wert sind.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX geht tief im Minus ins Wochenende -- Dow Jones leicht im Plus -- BASF-Aktie fällt trotz höherem Quartalsergebnis -- Rocket Internet, NVIDIA, Nordex im Fokus

Griechischer Zentralbankchef Stournaras dringt auf Einigung mit Gläubigern. VW-Führungsspitze verdient künftig weniger. Risse in Triebwerken des Bundeswehr-Pannenfliegers A400M. Kongress-Rede Trumps birgt Sprengkraft für die Börsen. ProSiebenSat.1-Aktien fallen - Analyst will klarere Digitalstrategie. Bitcoin erreicht neues Rekordhoch. Warum die Deutschen einfach keine Lust auf Aktien haben. RBS verliert seit 2008 rund 58 Milliarden Pfund.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die Top-Positionen von Warren Buffett
Jetzt durchklicken
Jetzt durchklicken
Welche Airline schneidet am besten ab?
Jetzt durchklicken
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken
Diese 10 Aktien kann sich nicht jeder Investor leisten
Jetzt durchklicken
mehr Top Rankings

Umfrage

Welche Wertpapiere besitzen Sie?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Nordex AGA0D655
BASFBASF11
Daimler AG710000
Volkswagen AG Vz. (VW AG)766403
Deutsche Bank AG514000
CommerzbankCBK100
Apple Inc.865985
BayerBAY001
Deutsche Telekom AG555750
BMW AG519000
TeslaA1CX3T
Allianz840400
E.ON SEENAG99
ProSiebenSat.1 Media SEPSM777
NVIDIA Corp.918422