LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Chemiekonzern
BASF gibt den Markt für Pflanzenbiotechnologie in Europa wegen mangelnder Akzeptanz auf und verlagert dessen Zentrale. In weiten Teilen Europas fehle immer noch die Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker, begründete BASF-Vorstand Stefan Marcinowski am Montag den Schritt. Daher sei es aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, in Produkte, die für die Kommerzialisierung ausschließlich in diesem Markt vorgesehen seien, weiter zu investieren. Die BASF werde sich deshalb auf die Märkte in Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren. Der Konzern bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Wirtschaftswoche" vom Wochenende. In der Summe sollen in Europa 140 Stellen abgebaut werden.
Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science werde von Limburgerhof (Deutschland) nach Raleigh (North Carolina, USA) verlegt, hieß es. Gleichzeitig solle die Forschung in Nordamerika, Gent und Berlin gestärkt werden. BASF sei davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist. Allerdings werde nun die Entwicklung und Kommerzialisierung aller Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet seien, gestoppt. Die bereits eingeleiteten Zulassungsprozesse würden weitergeführt.
Außerhalb von medizinischen Anwendungen sind Gen-Produkte in Europa oft umstritten. Die skeptische Haltung in der Bevölkerung spiegelte sich auch in der Politik. BASF erhielt die Anbaugenehmigung der Gen-Kartoffel Amflora für industrielle Anwendungen erst nach einem jahrelangen Streit 2010. BASF hatte schon mehrfach mit einem Abzug aus Europa gedroht. Große unternehmerische Hoffnungen hatte der Konzern aber auf dieses Geschäft in Europa zuletzt wohl ohnehin nicht mehr gesetzt. Am Finanzmarkt legten BASF-Aktien in einem etwas festeren Umfeld um 0,26 Prozent auf 57,77 Euro zu.
Am Standort Limburgerhof sollen von derzeit 157 nur elf Stellen erhalten bleiben, die sich etwa um Regulierungsfragen in Europa kümmern. Die Pflanzenschutz-Aktivitäten in Limburgerhof seien von den Maßnahmen nicht betroffen, hieß es. Die Standorte in Gatersleben (Deutschland) und Svalöv (Schweden) sollen laut BASF geschlossen werden. In Gatersleben arbeiten derzeit 57 und in Schweden sechs Mitarbeiter. Insgesamt sollen 123 Positionen von Limburgerhof und Gatersleben an andere Standorte der BASF Plant Science, hauptsächlich nach Raleigh, verlagert und in den kommenden zwei Jahren 78 Positionen abgebaut werden./jha/fn/wiz