20.12.2012 14:48
Bewerten
 (0)

ROUNDUP: Bahn klagt gegen Ex-Schienenkartell um ThyssenKrupp

    BERLIN/ESSEN (dpa-AFX) - Der schwer angeschlagene Industriekonzern ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Debakel beim Bau von zwei Stahlwerken in Übersee mit milliardenschweren Verlusten zerrt nun die Deutsche Bahn den Riesen vor Gericht. Der Essener Stahl- und Anlagenbauer steht im Zentrum eines Schienenkartells, gegen das das Bundeskartellamt Mitte dieses Jahres Bußgelder wegen illegaler Preisabsprachen verhängt hatte. Gegen die Schienenhersteller sei eine Schadenersatzklage erhoben worden, kündigte die Deutsche Bahn am Donnerstag in Berlin mit.

 

    Über diesen Schritt war in den vergangenen Wochen mehrfach spekuliert worden. Die Bahn sehe "sehr gute" Erfolgschancen für eine Klage. Das Gericht sei an die Entscheidungen des Bundeskartellamtes gebunden. Deshalb könne sich die Auseinandersetzung auf die Höhe des Schadensersatzes beschränken, hieß es in der Mitteilung weiter.

 

    Da sich die Unternehmen in den Gesprächen mit der Bahn bislang uneinsichtig zeigten und es zu keiner gütlichen Einigung gekommen sei, wolle die Bahn ihre Ansprüche nun gerichtlich geltend machen. "Einige haben sogar die Gespräche mit uns abgebrochen. Und das, obwohl zweifelsfrei feststeht, dass sie die Bahn geschädigt haben", erklärte Bahn-Vorstandsmitglied Gerd Becht.

 

    Da die Schieneninfrastruktur überwiegend durch Mittel des Bundes finanziert wird, vertrete die Deutsche Bahn bei dieser Klage vor allem die Interessen der Steuerzahler. Ein großer Teil des zu erwartenden Schadensersatzes werde in die öffentlichen Haushalte zurückfließen, hieß es in der Stellungnahme der Bahn.

 

    In einer ersten Reaktion sprach ThyssenKrupp dagegen von "konstruktiven" Gesprächen, die das Unternehmen im Januar 2013 fortsetzen wolle. Seit Monaten werde mit der Deutschen Bahn über einen Schadensausgleich gesprochen, und ThyssenKrupp habe auch keinen Anlass für die Klageerhebung gegeben. Eine Forderungssumme habe die Bahn bislang auch nicht genannt. Anlass der Klage seien vermutlich Verjährungsfristen gewesen.

 

    Nach dem Motto, den Ball flach halten wird bei ThyssenKrupp die Klage der Bahn offenbar heruntergespielt. Das Unternehmen kommt nämlich seit Wochen nicht mehr aus den Schlagzeilen. Vor allem das Rekordminus von 5 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr, das vor allem durch die massiven Verluste beim Bau von zwei Stahlwerken in Brasilien und den USA entstanden war, ließ den Konzern in die tiefste Krise der Firmengeschichte stürzen. Vorstandschef Heinrich Hiesinger kämpft an allen Fronten, um ThyssenKrupp wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.

 

    Vor wenigen Wochen, kurz vor der Bilanzvorlage, setzte der Aufsichtsrat den halben Vorstand vor die Tür. Dabei ging es auch um unsaubere Geschäftspraktiken, die die Manager nicht verhindert hätten. Hiesinger kündigte an, keine Toleranz mehr zu zeigen, das sei ein wichtiges Signal für die Beschäftigten und eine Lehre aus den Korruptionsfällen bei seinem früheren Arbeitgeber Siemens gewesen. Auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der wegen der Krise in die Schusslinie geriet, musste sich erklären.

 

    Welche Summen beim Streit über den Schadensausgleich in Sachen Schienenkartell im Spiel sind, ist offiziell nicht bekannt. In Medienberichten war von 750 Millionen Euro die Rede, die die Deutsche Bahn bei ThyssenKrupp, Moravia Steel, Vossloh sowie dem Ex-Eigentümer der Vossloh-Tochter Stahlberg Roensch eintreiben wolle. Das Kartell soll der Deutschen Bahn zwischen 2003 und 2008 rund 400 Millionen Euro zu viel berechnet haben.

 

    Mitte Juni 2012 hatte das Bundeskartellamt gegen die Schienenhersteller Bußgelder in Höhe von 124 Millionen Euro verhängt. In den Jahren 2001 bis 2011 hatten die Unternehmen illegal Quoten und Preise für Schienenlieferungen an die Deutsche Bahn abgesprochen. Voest Alpine, ebenfalls Mitglied des Kartells, brachte den Fall als Kronzeuge ins Rollen und kam deshalb beim Kartellamt mit einer glimpflichen Strafe davon. Der Löwenanteil des Bußgeldes entfiel auf ThyssenKrupp mit gut 100 Millionen Euro./ls/DP/rum

 

Artikel empfehlen?

Nachrichten zu ThyssenKrupp AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu ThyssenKrupp AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
24.02.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
23.02.2015ThyssenKrupp HaltenBankhaus Lampe KG
20.02.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
19.02.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
19.02.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
20.02.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
19.02.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
18.02.2015ThyssenKrupp kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
17.02.2015ThyssenKrupp OutperformMacquarie Research
16.02.2015ThyssenKrupp buyJefferies & Company Inc.
23.02.2015ThyssenKrupp HaltenBankhaus Lampe KG
16.02.2015ThyssenKrupp HoldS&P Capital IQ
16.02.2015ThyssenKrupp HoldWarburg Research
16.02.2015ThyssenKrupp NeutralCredit Suisse Group
16.02.2015ThyssenKrupp NeutralGoldman Sachs Group Inc.
24.02.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
19.02.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
13.02.2015ThyssenKrupp ReduceKepler Cheuvreux
06.02.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
05.02.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für ThyssenKrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr ThyssenKrupp AG Analysen

Heute im Fokus

DAX schließt mit neuem Allzeithoch -- US-Börsen leicht schwächer -- Apple & Co. von China boykottiert -- BASF mit Gewinnsprung -- Salzgitter, Airbus im Fokus

VW erhöht die Dividende. Tsipras besteht auf Schuldenschnitt. Porsche SE verdient deutlich mehr. Infineon begibt Anleihen. Putin kürzt Kremlbeamten Gehälter um zehn Prozent. Fiat Chrysler ruft hunderttausende Geländewagen zurück. RWE will Dea-Verkauf am Montag abschließen.

Themen in diesem Artikel

Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Diese Unternehmen haben ihre Gründer reich gemacht

Die wundersame Welt von Google

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Wissenswertes rund um die Investorenlegende

Welche Titel entwickelten sich im Jahr 2014 am besten?

Diese Artikel waren auf finanzen.net 2014 am beliebtesten

Hier ist der Schuldenstand besonders hoch

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

mehr Top Rankings

Umfrage

Viele Bundesbürger bezweifeln, dass ihre staatliche Rente im Alter zum Leben reichen wird. Wie stehen Sie zum Thema Rente?