BERLIN (dpa-AFX) - Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer <BAY.ETR> und das US-Biotechnologie-Unternehmen Genzyme <GENZ.NAS> <GEZ.FSE> haben eine strategische Vereinbarungen über Krebsprodukte und eine Entwicklungspartnerschaf t bei Multipler Sklerose (MS) getroffen. Den potenziellen Umfang der Vereinbarungen bezifferte Bayer mit bis zu 2,8 Milliarden US-Dollar (rund 2,06 Mrd Euro). Wie Bayer am Dienstag mitteilte fokussierten die Leverkusener ihr Krebsgeschäft und übertragen Blutkrebspräparate an Genzyme. Allein dafür erhalte Bayer von Genzyme umsatzabhängige Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren bis zu 650 Millionen US-Dollar (rund 480 Millionen Euro). Die frei werdenden Ressourcen sollen zur Fokussierung auf das Bayer-Krebshauptprodukt Nexavar und Entwicklungsprojekte genutzt werden. Damit verbessere sich die Rentabilität des Geschäftsbereichs deutlich.
Bayer gibt insgesamt drei Produkte mit vergleichsweise geringen Umsätzen von 220 Millionen Euro ab. Dazu gehört die Lizenz für die weltweite Vermarktung von Alemtuzumab für die Behandlung der chronischen B-Zell-Leukämie (Campath und MabCampath). Weitere Bestandteile seien die exklusiven weltweiten Vermarktungsrechte für das Immuntherapie-Medikament Leukine und das Krebs-Präparat Fludara in allen jetzigen und künftigen Indikationen. Die Transaktion bedürfe noch der behördlichen Zustimmung. Dieses Verfahren könnte bis zum Ende des zweiten Quartals 2009 abgeschlossen sein.
MS-ENTWICKLUNGSKOOPERATION WIRD FORTGESETZT
Die bestehende Entwicklungskooperation bei dem Wirkstoff Alemtuzumab gegen Multiple Sklerose (MS) werde fortgesetzt, hieß es. Die Lizenz für die weltweite Vermarktung nach Zulassung gehe an Genzyme zurück. Bayer erhalte im Gegenzug bei erfolgreichem Abschluss des Entwicklungsprogramms und der Zulassung die Option auf Co-Promotionsrechte weltweit für das Präparat in dieser Indikation, die das Unternehmen wahrnehmen werde. Hinzu kommen den Angaben zufolge für bis zu zehn Jahre Lizenzgebühren von 20 bis 35 Prozent des Umsatzes, maximal jedoch 1,25 Milliarden Dollar (rund 920 Mio Euro). Darüber hinaus erhalte Bayer umsatzabhängige Meilensteinzahlungen nach 2020, es sei denn Genzyme löse die Verpflichtung gegen eine Zahlung von 625 bis 900 Millionen Dollar (rund 460 bis 660 Mio Euro) ab.
"Die Vereinbarungen bedeuten sowohl für Bayer als auch Genzyme eine Verbesserung der jeweiligen strategischen Position", sagte Bayer-Gesundheitschef Arthur Higgins laut Mitteilung. Für Bayer erhöhe sich die Rentabilität für zwei der wichtigsten Geschäftsbereiche - Onkologie und MS - signifikant. Gleichzeitig bestätige Bayer das Engagement auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose. Bayer und Genzyme seien durch diese Vereinbarung besser aufgestellt, um gemeinsam das Potenzial von Alemtuzumab in der Onkologie und bei MS voll auszuschöpfen.
RUND 330 ARBEITSPLÄTZE BETROFFEN
Die Übertragung der Produkte schließe nach erfolgter Abnahme durch die US-Arzneimittelbehörde FDA auch die neue Produktionsstätte für Leukine in Seattle (USA) ein. Die Fludara-Produktionsstätten in Berlin und Garbagnate (Italien) sollen den Angaben zufolge das Medikament künftig im Lohnauftrag für Genzyme herstellen. Etwa 330 Arbeitsplätze im Bayer-Konzern seien weltweit von der Transaktion betroffen, davon etwa 250 in den USA und etwa 20 in Europa. Bayer und Genzyme arbeiten gemeinsam an einem Konzept, um betroffenen Mitarbeitern neue Positionen anzubieten. Am Finanzmarkt war die Reaktion negativ. Die Aktien büßten in einem freundlichen Marktumfeld 1,32 Prozent auf 35,77 Euro ein. Der Dax legte zeitgleich um 1,64 Prozent auf 4.054,46 Punkte zu./jha/wiz