MÜNCHEN (dpa-AFX) - Im Bieterwettstreit um die größte bayerische Wohnungsgesellschaft GBW trennt sich die Spreu vom Weizen. Aus einer Vielzahl von Kaufofferten für die 32 000 Wohnungen wählt die BayernLB als Verkäufer derzeit die besten Gebote aus. Einem Kreis auserwählter Bieter werde Ende Januar Einblick in die Bücher gewährt, sagte ein Sprecher am Dienstag in München auf Anfrage. Bis zum Frühjahr soll der Verkauf dann über die Bühne gehen.
Die Namen der Bieter oder die Höhe der Gebote nennt die Landesbank nicht. Wegen der großen Nachfrage nach Immobilien wird über einen Kaufpreis von mehr als zwei Milliarden Euro spekuliert. Die BayernLB muss die GBW auf Druck der EU-Kommission verkaufen und den Verkaufserlös an den Freistaat Bayern zurückzahlen, der sie mit Milliardenhilfen vor dem Zusammenbruch gerettet hatte. Rund 80 000 Menschen leben zwischen Aschaffenburg und München in den Wohnungen der GBW.
Bei der Wahl des Käufers soll aber nicht nur der Preis ausschlaggebend sein. Der künftige Besitzer muss auch eine Sozialcharta zum Schutz der Mieter unterschreiben. Wenn der Käufer die Bedingungen nicht einhält, drohen hohe Vertragsstrafen. Für über 60-Jährige und Behinderte soll demnach ein lebenslanger Kündigungsschutz gelten, für alle anderen beträgt die Frist zehn Jahre.
Die Mieten dürfen insgesamt über einem Zeitraum von drei Jahren um nicht mehr als 15 Prozent steigen. Luxussanierungen sollen für die Dauer von fünf Jahren ausgeschlossen werden. Bei einem möglichen Verkauf von Wohnungen sollen zunächst die Mieter selbst ein Vorkaufsrecht bekommen, dann aber auch die Kommunen.
Mieterschutzverbänden gehen diese Vereinbarungen allerdings nicht weit genug: Sie befürchten vor allem bei einem Verkauf an einen Finanzinvestor Nachteile für die Mieter. Allein in München hält die GBW mehr als 10 000 Wohnungen. Weitere große Standorte sind Nürnberg und Erlangen mit mehr als 5 000 Wohnungen. Weitere Immobilien sind in Regensburg, Aschaffenburg, Landshut, Würzburg, Miltenberg am Main und anderen Städten.
Auch von der LBS hatte sich die BayernLB zum Jahreswechsel getrennt. Die Bausparkasse ging für rund 818 Millionen Euro an die bayerischen Sparkassen. Größtes Sorgenkind für die BayernLB bleibt ihre frühere Tochter Hypo Group Alpe Adria. Die österreichische Bank hatte im Dezember angekündigt, keine Kredite mehr an die BayernLB zurückzuzahlen, weil sie sich selbst noch in der Sanierung befinde. Auch eine Zinszahlung in Höhe von zwei Millionen Euro, die kurz vor Weihnachten fällig war, wurde bislang nicht überwiesen. Ein Mahnschreiben der BayernLB blieb ohne Folgen./dwi/DP/stw