NECKARSULM (dpa-AFX) - Der IT-Dienstleister Bechtle hat im zweiten Quartal allen Konjunktursorgen getrotzt und befindet sich weiter auf dem Weg zu einem neuen Rekordjahr. Das Unternehmen übertraf beim Gewinn sogar die Erwartungen der Analysten. Dabei gilt das Geschäft als sehr konjunktursensibel, sparen die zumeist mittelständischen Unternehmenskunden doch in einer Schwächephase zuerst an der IT. "Von einer konjunkturellen Eintrübung haben wir noch nichts gespürt", sagte Vorstandschef Ralf Klenk am Donnerstag in Neckarsulm. "Wir liegen erneut über den Wachstumsraten des gesamten IT-Markts." Vorbörslich kletterte die
Aktie um über 2 Prozent.
Der Umsatz war binnen eines Jahres um 8 Prozent auf 345 Millionen Euro gestiegen. Das Vorsteuerergebnis verbesserte sich um 25 Prozent auf 11,5 Millionen Euro, das Ergebnis nach Steuern gestützt von der Unternehmenssteuerreform sogar um 46 Prozent auf 8,4 Millionen Euro. Bechtle beliefert seit 25 Jahren die öffentliche Hand sowie Unternehmen mit Computern und Zubehör. Daneben betreibt das Unternehmen 54 Systemhäuser in Deutschland und der Schweiz, die den Service anbieten. Vor einem Monat war Bechtle zudem über den Zukauf eines Wiener Systemhauses in den österreichischen Markt eingestiegen und will dort mittelfristig vier bis fünf Standorte betreiben.
PERSONALAUFSTOCKUNG KOSTET MARGE
Mit den Systemhäusern setzte Bechtle von April bis Juni mit 220 Millionen Euro 7 Prozent mehr um. Die operative Gewinnmarge stieg von 2,1 auf 3,3 Prozent. Dies sei vor allem den deutschen Dependancen geschuldet, hieß es, die bei den sogenannten Managed Services zulegen konnten. Dabei handelt es sich um komplexe IT-Dienstleistungen, die Bechtle im Auftrag seiner Kunden übernimmt.
Der Umsatz in der Handelssparte stieg um 8 Prozent auf 124 Millionen Euro, die operative Gewinnmarge ging jedoch von 4,1 auf 3,0 Prozent zurück. Grund für den Knick war der angestoßene Ausbau des Geschäfts, für den Bechtle neue Mitarbeiter eingestellt hatte. Der Vorstand hatte jüngst unter anderem eine neue Management-Ebene eingezogen, um die operative stärker von der strategischen Führung zu trennen. Die höheren Personalkosten hatten bereits das Ergebnis im ersten Quartal belastet. Die Mitarbeiterzahl stieg binnen Jahresfrist von 4.080 auf 4.250.
WEITER AUF WEG ZU NEUEM REKORDJAHR
Bechtle plant trotz der Belastung weiter mit einem neuen Rekordjahr. Der Vorstand will 2008 den Umsatz auf mindestens 1,5 Milliarden Euro und das Vorsteuerergebnis auf circa 60 Millionen Euro hochschrauben - allerdings dürften sich dafür die "konjunkturellen Rahmenparameter für den IT-Markt im zweiten Halbjahr 2008 nicht verschlechtern". 2010 soll der Umsatz dann bei 2 Milliarden Euro und 2020 bei 5 Milliarden Euro liegen. "Die momentane wirtschaftliche Entwicklung beobachten wir sehr genau, lassen uns aber von dem langsam spürbaren Konjunkturpessimismus nicht anstecken oder gar lähmen", sagte Klenk.
Bereits seit langem ist es sein Ziel, in allen deutschsprachigen Ländern mit den Systemhäusern vertreten zu sein. Die Versandhandels-Sparte ist nach der fast vollständigen Abdeckung Europas gerade auf dem Sprung nach Südamerika und nach Asien. Frühestens ab dem Jahr 2010 will Bechtle zudem ins Geschäft mit der Finanzierung von Computersystemen einsteigen. Zuletzt erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 1,4 Milliarden Euro ein Vorsteuerergebnis von 59 Millionen Euro./das/sk