HAMBURG (dpa-AFX) - Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Solarunternehmens
Conergy hat Klage gegen ehemalige Vorstände des Unternehmens eingereicht. Gegen Hans-Martin Rüter, Heiko Piossek, Christian Langen und Albert Edelmann sei am Donnerstag Schadenersatzklage in Höhe von 268 Millionen Euro beim Landgericht Hamburg eingereicht worden, teilte das Unternehmen am Freitag auf der Hauptversammlung mit. Den ehemaligen Vorstandsmitgliedern wird unter anderem vorgeworfen, existenzgefährdende Risiken eingegangen zu sein. Conergy war 2007 in eine schwere Krise geschlittert und stand kurz vor der Pleite.
Ex-Vorstandschef Rüter wies die in der Klage erhobenen Vorwürfe als "substanzlos und nicht haltbar" zurück. In einem Rechtsgutachten im Auftrag des ehemaligen Vorstands seien keine Pflichtverletzungen festgestellt worden. Selbst ein Gutachten des Aufsichtsrats habe die meisten Punkte als nicht durchsetzbar oder rechtlich zweifelhaft bewertet, sagte Rüter.
Aktionärsschützer begrüßten die Klage. Sie sei "ein gutes Signal zur endgültigen Aufarbeitung der erheblichen Managementfehler der Vergangenheit", heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vom Freitag.
Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Februar 2011 war ein Refinanzierungspaket mit einer Kapitalerhöhung von rund 190 Millionen Euro beschlossen worden. Dadurch konnte Conergy nach eigenen Angaben seinen Schuldenberg und die Zinslasten deutlich senken und das Eigenkapital erhöhen.
Unternehmensgründer Hans-Martin Rüter war bis Ende 2007 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Heiko Piossek Finanzvorstand, Christian Langen und Albert Edelmann Vertriebsvorstände. Im ersten Halbjahr 2011 verbuchte das Unternehmen einen Verlust nach Steuern von 41 Millionen Euro. Die Solarbranche leidet unter einer schwachen Nachfrage, Überkapazitäten und einem massiven Preisdruck durch die Konkurrenz aus Asien.
"Der Preisdruck hat sich in den vergangenen Monaten weiter erhöht", sagte Vorstand Sebastian Biedenkopf. Die Preisrückgänge könnten aber derzeit noch nicht vollständig durch niedrigere Einkaufspreise ausgeglichen werden. Eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2011 wollte er aber nicht abgegeben.
Bei der Suche nach einem neuem Vorstandsvorsitzenden vermeldete Conergy unterdessen Fortschritte. Der Aufsichtsrat habe in den vergangenen Monaten Gespräche mit diversen Kandidaten geführt und sei zuversichtlich, "zeitnah zu einem Abschluss zu kommen", sagte Aufsichtsratschef Norbert Schmelzle. Conergy ist bereits Herbst 2010 ohne Vorstandschef. Damals war Dieter Ammer vom Chefposten in den Aufsichtsrat gewechselt./bas/DP/he