STUTTGART (dpa-AFX) - Der Autokonzern Daimler hat zu Jahresbeginn trotz hoher Kosten für die geplante Aufholjagd auf seine Konkurrenten
BMW und Audi einen Gewinnzuwachs erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auch dank des schwächeren Euros um fünf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen am Freitag in Stuttgart mitteilte. Damit übertraf es die Erwartungen von Analysten, die mit einem kleinen Rückgang gerechnet hatten. Der Umsatz kletterte dank neuerlicher Rekordabsätze um 9 Prozent auf gut 27 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben mit 1,42 Milliarden Euro sogar ein Fünftel mehr übrig. Dabei profitierte Daimler von niedrigeren Zinsen und Steuern.
An der Börse ging es für die Daimler-Aktie trotz des überraschenden Gewinnzuwachses zum Handelsauftakt um gut drei Prozent nach unten, im Laufe des Vormittags konnte das Papier aber einen Teil der Verluste wieder wettmachen. Händler begründeten die Zurückhaltung damit, dass die Aktie an den vergangenen drei Tagen bereits in Erwartung guter Quartalszahlen um 8 Prozent geklettert war. Zudem hatten die glänzenden Zahlen von Volkswagen (Volkswagen vz) am Vortag Hoffnungen auf eine noch besseres Ergebnis gemacht.
ZETSCHE: LIEGEN IM PLAN
"Wir liegen im Plan, sowohl unsere Ziele in diesem Jahr als auch unsere mittelfristigen Ziele zu erreichen", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Absatz und Umsatz sollen 2012 dank der hohen Nachfrage in Nordamerika und den Schwellenländern neue Rekorde erreichen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aus dem laufenden Geschäft soll aber wegen hoher Investitionen bei rund 9 Milliarden Euro stagnieren. Bis Ende dieses Jahrzehnts will Zetsche Daimler wieder zur Nummer eins in allen seinen Märkten machen. Mit seiner Vorzeigemarke Mercedes-Benz fährt der Konzern seit Jahren dem Konkurrenten BMW und inzwischen auch Audi hinterher.
Mit zehn neuen Modellen bis 2015 will Zetsche das Steuer herumreißen. Das kostet zunächst aber Geld: Insgesamt will der Konzern in diesem und im kommenden Jahr 10,9 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken, weitere 10,6 Milliarden Euro sind für den Ausbau der Werke vorgesehen. So ging der operative Gewinn der Autosparte trotz Rekordverkäufen um 3 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro zurück. Die Marge sackte von 9,3 Prozent im Vorjahr auf 8,4 Prozent ab. Audi und BMW kommen auf satt zweistellige Werte. 2013 sollen es auch bei Mercedes wieder 10 Prozent sein.
ÜBERGANGSJAHR
Finanzvorstand Bodo Uebber betonte, dass 2012 ein Übergangsjahr für den Konzern sei. Neben den Kosten für den Produktionsanlauf im neuen ungarischen Daimler-Werk belasteten im ersten Quartal auch Rabatte in China. Diese seien aber nur für eine Übergangszeit im Januar und Februar gewährt worden, sagte Uebber. Inzwischen befänden sich die Preis auf dem wichtigen chinesischen Markt wieder auf Normalniveau.
Ein kräftiges Absatzplus verbuchte dank hoher Nachfrage aus Nordamerika und Asien auch die Lastwagensparte. Allerdings ging der operative Gewinn um 7 Prozent zurück. Das führte der Konzern auf die Kosten durch die Einführung des neuen Actros-Modells sowie auf den schwierigen Markt in Lateinamerika zurück.
PROBLEME BEI BUSSEN
Zunehmend Probleme bereitet die Bussparte. Im für dieses Geschäft traditionell schwachen ersten Vierteljahr verdreifachte sich der operative Verlust von 33 auf 103 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 12 Prozent zurück. Die Schwaben haben der Sparte ein Sparprogramm verordnet und trennen sich in Nordamerika vom Geschäft mit den Stadtbussen. Dagegen steuerte der Daimler-Anteil am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS 133 Millionen Euro zum Konzern-EBIT bei, 80 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Angesichts des jüngsten Wirbels um angebliche Ausstiegspläne des größten Einzelaktionärs Abu Dhabi mühte sich Finanzchef Uebber, die Wogen zu glätten. Es gebe keine Hinweise auf eine Abkehr des Scheichtums, das über seinen Staatsfonds Aabar rund neun Prozent von Daimler kontrolliert. Laut Medienberichten sollen die Scheichs unzufrieden sein, dass es bei Daimler nicht so rund läuft wie etwa bei Audi oder BMW. Uebber ging darauf nicht ein./enl/loh/stb