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29.09.2012 13:35

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ROUNDUP: Daimlers erste Vorstandsfrau - 'Korrupte Märkte sind nicht stabil'

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    STUTTGART (dpa-AFX) - Daimlers erste Vorstandsfrau sieht das Wirtschaften des Autoriesen nach dessen Schmiergeldskandal inzwischen stärker im Einklang mit Gesetzen und Moral. "Wir haben in den anderthalb Jahren sehr viel bewegt und ich bin äußerst zufrieden, was wir auf die Beine gestellt haben", sagte Christine Hohmann-Dennhardt der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in einer positiveren Stimmung, als ich sie zu Beginn meiner Arbeit erlebte."

 

    Die frühere Bundesverfassungsrichterin und SPD-Ministerin leitet seit Mitte Februar 2011 das neue Daimler-Vorstandsressort Recht und Integrität - und wacht darüber, dass sich Mitarbeiter an Gesetze und Spielregeln halten. Der Dax (DAX)-Konzern hatte sich 2010 schuldig bekannt, über zehn Jahre hinweg in mindestens 22 Ländern Regierungsbeamte für lukrative Aufträge bestochen zu haben. Schmiergeld floss unter anderem in China, Russland, Ägypten, Griechenland und der Türkei.

 

    Hohmann-Dennhardt sieht den Autobauer auf einem guten Weg zu einer globalen Geschäftskultur, die Profit nachhaltiger mit Moral und Anstand verzahnt. Schwerwiegende Verstöße seien selten. "In der letzten Zeit waren es sehr wenige. Diese haben wir auch selbst schnell entdeckt. In diesem Jahr waren es vielleicht zwei oder drei", sagte Daimlers erste Vorstandsfrau.

 

    Die Arbeit ihres Teams sei für den Erfolg des Dax-Konzerns von zentraler Bedeutung. "Es ist klar, dass größere Verstöße sich schwer auf die Reputation eines Unternehmens auswirken können", berichtete Hohmann-Dennhardt. Studien zeigten, dass für Kundenentscheidungen die Sympathie zur Marke sehr wichtig sei. "Man schätzt, dass die Reputation etwa 30 Prozent ausmacht im Hinblick auf den Produktkauf."

 

    Ihre Organisation habe in der Zentrale 91 Mitarbeiter und ein Netzwerk von gut 80 sogenannten Compliance-Managern. Bei den Querschnittsaufgaben helfen zudem Kollegen anderer Ressorts. "Wir haben unsere Compliance-Abteilung neu aufgestellt, sie anders strukturiert, neue Stellen besetzt. Der Ausbau ist insgesamt vollzogen." Daimlers Regelwerke seien überarbeitet, ebenso die Geschäftspartnerüberprüfung und die Risikobewertung von Märkten.

 

    Ein Vetorecht für künftige Markteintritte habe sie aber nicht. "Das hängt von unserer gemeinsamen Einschätzung im Vorstand ab. Dass Compliance und Recht hierbei eine Rolle spielen, ist klar. Aber das ist nicht der einzige Faktor." Zu den Fehlern aus der Vergangenheit, die es in ähnlicher Form etwa auch bei Siemens gab, fand die Juristin klare Worte: "Bei Korruption begeben Sie sich in Abhängigkeiten. Das ist eine spiegelglatte Fläche, wo Sie ganz schnell einbrechen können. Ökonomisch ist das keine gute, nachhaltige Situation. Also ist es unter solchen Gesichtspunkten auch für Unternehmen wichtig, dass sie bekämpft wird." Zudem seien korrupte Märkte nun einmal nicht stabil.

 

    Im Kampf gegen Auswüchse dieser Art verteidigte Hohmann-Dennhardt das Hinweisgebersystem BPO, über das Vorwürfe auch anonym eingereicht werden können. "Schwere Anschuldigungen sind in der Minderheit, es gibt weltweit im Monat unter zehn", erklärte sie. Vieles erweise sich dabei auch nicht als stichhaltig. "Das Ergebnis ist ungefähr 50:50. Zur Hälfte hat man etwas gefunden und zur anderen Hälfte nicht."

 

    Diese Werte zeigten, wie sensibel die Überprüfung sein müsse und wie wichtig die Rehabilitation sei, falls nichts vorliege. "Wenn wir Untersuchungen aufnehmen, wenn wir einer Sache nachgehen, dann nur, wenn wir konkrete Hinweise haben", betonte sie. "Wir ermitteln nicht ins Blaue hinein, nur weil jemand sagt: Ich glaube, der hat Dreck am Stecken."/loh/DP/zb

 

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