23.01.2013 12:20
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ROUNDUP/Doch keine Fusion: Tui will nicht für Tui Travel bieten

    HANNOVER/CRAWLEY (dpa-AFX) - Atempause im Verwirrspiel um die Zukunft des Tui-Konzerns (TUI): Die Dachgesellschaft von Europas größter Tourismusgruppe will vorerst keinen Zusammenschluss mit ihrer britischen Veranstaltertochter Tui Travel anleiern. Man werde kein Angebot für den mächtigen Ableger aus Crawley bei London vorlegen, teilte die Tui AG am Mittwoch in Hannover mit. Bei den Briten ist das wichtige Reiseveranstaltergeschäft gebündelt. Die einzelnen Landesgesellschaften im Kernmarkt des Unternehmens werden ebenfalls von ihnen gesteuert.

 

    Die Aktien beider Unternehmen reagierten mit einem Kursrutsch auf die Nachrichten. Die Papiere der Tui AG rutschten bis zur Mittagszeit um 6,16 Prozent auf 7,447 Euro an das MDax-Ende (MDAX). In London büßten die Titel von Tui Travel 4,69 Prozent auf 278,40 Pence ein und bildeten damit das Schlusslicht im FTSE 100 .

 

    Ein Analyst zeigte sich vom Scheitern der Gespräche wenig überrascht. "Das erstaunt nicht, da die Tochter deutlich mehr wert ist als die Mutter", sagte der Experte. Tui gehören nur rund 56 Prozent der Tui-Travel-Aktien. Die britische Tochter betreibt 95 Prozent des Geschäfts im Gesamtkonzern. Dem Analysten zufolge verliert die Tui-Aktie nun, weil die Hoffnung auf eine geschickte Tauschtransaktion gescheitert ist, die eine Wertsteigerung für den Mutterkonzern gebracht hätte. Die Tui-Travel-Aktie verliere hingegen, da in Großbritannien die Hoffnung auf ein lukratives Übernahmeangebot geplatzt sei.

 

    Mitte Januar war bekanntgeworden, dass Tui und Tui Travel über eine Fusion sprechen. Darüber war seit längerem spekuliert worden - unklar blieb jedoch immer, wer wen schlucken könnte. Nach Berichten über einen angeblichen Vorstoß der Briten hatten diese erklärt, dass umgekehrt die Konzernmutter das Gespräch über einen Aktientausch suche. Die britische Übernahmebehörde forderte Tui daraufhin auf, bis zur Hauptversammlung am 13. Februar entweder ein Angebot für Tui Travel abzugeben oder zu erklären, dass sie dies nicht beabsichtigt.

 

    Nachdem der Druck auf beide Seiten zuletzt auch aus der Belegschaft gestiegen war, winkten die Niedersachsen bei den Übernahmeplänen nun vorzeitig ab. "Diese Entscheidung basiert auf der Einschätzung, dass eine aktienbasierte Transaktion auf dem gegenwärtigen Austauschverhältnis nicht den Interessen der Tui-Aktionäre entspricht", heißt es offiziell. Zu den Anteilsverhältnissen, die Großaktionäre wie der russische Milliardär Alexej Mordaschow in einem neu aufgestellten, fusionierten Konzern gehalten hätten, wurden keine Angaben gemacht.

 

    Der Stahltycoon hatte sein Aktienpaket 2011 auf über ein Viertel aufgestockt, hinter den Kulissen soll er auf mehr Gewinn im Tourismusgeschäft dringen. In der derzeitigen Architektur sehen aber auch einige Branchenbeobachter Reibungsverluste zwischen Hannover und Crawley. Tui-Aufsichtsratschef Klaus Mangold hatte sich dafür ausgesprochen, die Struktur von der Zentrale aus umzubauen.

 

    Seit einiger Zeit wurde vermutet, dass Tui die restlichen knapp 44 Prozent an Tui Travel kaufen könnte. Bislang ist die Mutter Tui AG für die Hotel- und Kreuzfahrtsparte zuständig, das Kerngeschäft einschließlich des deutschen Veranstaltergeschäfts und der hiesigen Fluglinie Tuifly steuert aber Tui-Travel-Chef Peter Long.

 

    Tui Travel war 2007 aus der Fusion der Tui-Veranstaltersparte mit dem Konkurrenten First Choice entstanden. Der Tui AG, zu der auch die verbliebene Beteiligung an der Container-Reederei Hapag-Lloyd gehört, fehlte für eine Komplettübernahme lange Zeit das Geld. Auch wenn das Management in Hannover jetzt einen Rückzieher machte, dürfte das komplizierte Verhältnis zu Tui Travel nicht so rasch von der Agenda rücken. Die Zentrale erklärte, man werde "Wertpotenziale und Nutzen innerhalb der Tui-Gruppe zugunsten aller Aktionäre der Tui AG heben".

 

    Unter den Mitarbeitern waren Befürchtungen laut geworden, die Briten könnten Einschnitte durchboxen, falls sie am Ende den Ton angeben. "Wirtschaftliche Interessen müssen bei einer Neuausrichtung der Tui auf einer Ebene mit Standort- und Beschäftigungssicherung diskutiert werden", mahnte Betriebsratschef Frank Jakobi, der auch im Aufsichtsrat der Tui AG sitzt. Man werde die Tui "nicht kampflos den Interessen der Anteilseigner und des Kapitalmarktes überlassen"./jap/stw/stk

 

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