MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der bisherige Chef der EADS-Tochter (
EADS) Airbus, Tom Enders, will die Führung des gesamten Luft- und Raumfahrtriesen in Toulouse bündeln, wenn er im Sommer an die Konzernspitze rückt. Als Folge werden Branchenkreisen zufolge mehrere Dutzend Manager vom bayerischen Standort Ottobrunn bei München in das südfranzösische Toulouse umziehen. Bislang ist die EADS-Konzernführung auf München und Paris aufgeteilt.
Die Verwaltungsteilung zwischen Deutschland und Frankreich beruht auf der Machtbalance zwischen den Eigentümern beider Länder, die seit dem Entstehen der EADS im Jahr 2000 aus der deutschen MBB/DASA und der französischen Aerospatiale besteht. Kaum hatte der Gedanke des Umzugs von einer EADS-Führungskr äfteveranstaltung in Madrid es in die Öffentlichkeit geschafft, hagelte es vor allem in Bayern Protest.
Von den 200 bis 300 Mitarbeitern des EADS-Verwaltungssitzes in Ottobrunn würden wohl "unter hundert mit der Frage konfrontiert", nach Toulouse zu wechseln, hieß es. Die südfranzösische Stadt ist Sitz von Airbus. Wenn Enders dort die Konzernführung um sich bündelt, unterstreicht er damit nach Branchenbeobachtern auch die Vormachtstellung des Flugzeugbauers im Konzern. Der bisherige EADS-Chef Louis Gallois versuchte indes in den vergangenen Jahren, EADS vom zyklischen Flugzeuggeschäft unabhängiger zu machen.
Während das Geschäft mit Zivilflugzeugen brummt, ist der Konzern in der Rüstung gerade in Europa zu sehr abhängig von den Sparplänen der Wehretats. Erwin Huber (CSU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, erinnerte Enders am Freitag daran, dass EADS "zu einem erheblichen Teil von öffentlichen Aufträgen lebt". Der Bund finanziere nicht nur "einen schönen Teil der Produktion", sondern auch der Forschung, begründete Huber seine Forderung nach einer Beibehaltung der beiden Führungszentralen in Ottobrunn und Paris. Ein Weltkonzern wie EADS mit zahlreichen Standorten könne mehrere Headquarter durchaus betriebswirtschaftlich sinnvoll organisieren.
"Wir werden um EADS mit allen Mitteln kämpfen", kündigte auch Markus Blume, Vorsitzender der CSU-Wirtschaftskommission, an. "Die Keimzelle der EADS war bayerisch, und auch heute sind viele wichtige Teilbereiche des Konzerns hier angesiedelt."
Der Standort Ottobrunn soll dem Vernehmen nach nicht infragegestellt werden. Insgesamt sind dort derzeit rund 1500 Menschen beschäftigt - etwa 900 allein für das Raumfahrtunternehmen Astrium. Insbesondere aus der bayerischen Politik dürfte Enders dennoch eine Menge Gegenwind erhalten. Aber als begeisterter Luftfahrtmanager weiß er auch, dass Flugzeuge beim Start gegen den Wind den maximalen Auftrieb haben./fin/DP/zb