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17.01.2012 15:06

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ROUNDUP: EADS-Tochter Airbus dreht nach Triumph über Boeing weiter auf

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    HAMBURG (dpa-AFX) - Der europäische Flugzeugbauer Airbus dreht nach seinem Rekordjahr 2011 die Produktion weiter auf. Airbus-Chef Tom Enders will mit höheren Auslieferungszahlen den größten Auftragsberg aller Zeiten abtragen, der schon jetzt für rund acht Jahre reicht. Die Zahl der Neuaufträge dürfte 2012 allerdings nicht einmal halb so hoch ausfallen wie im Vorjahr, wie die Führungsspitze  des Unternehmens am Dienstag in Hamburg ankündigte. Airbus-Verkaufschef John Leahy erwartet, dass Erzrivale Boeing wieder etwas aufholen kann, nachdem er sich zuletzt im Kampf um die beliebten Mittelstreckenjets den Europäern geschlagen geben musste. Unterdessen steht eine endgültige Entscheidung um die Führungsspitze der Airbus-Mutter EADS weiter aus.

 

    Die EADS-Aktie reagierte kaum auf die Nachrichten. Am frühen Nachmittag lag das Papier an der Pariser Börse unverändert bei 25,675 Euro, gehörte damit aber zu den schwächeren Werten im französischen Index CAC-40.

 

    Airbus' Höhenflug bescherte auch dem Mutterkonzern ein kräftiges Umsatzplus. "Die Erlöse liegen schön über denen des Vorjahres", sagte EADS-Chef Louis Gallois. Damals hatte EADS 45,8 Milliarden Euro umgesetzt. Mit dem Erfolg der wichtigsten Konzerntochter werde es allerdings immer schwieriger, den Umsatz zwischen Airbus und den übrigen Konzernsparten - dem Hubschrauberhersteller Eurocopter, der Rüstungssparte Cassidian und der Raumfahrttochter Astrium - auf ein Verhältnis von 50:50 einzupendeln. Die Gewinne sollen ab dem laufenden Jahr dank höherer Verkaufspreise und sinkender Kosten bei Airbus deutlich wachsen.

 

    Das abgelaufene Jahr stand für Airbus im Zeichen der Rekorde. Vor allem dank des spritsparenden Mittelstreckenfliegers A320 sammelte die wichtigste EADS-Tochter netto Aufträge für 1.419 Flugzeuge ein und übertraf damit ihren bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2007. So viele Aufträge habe noch kein Flugzeugbauer jemals in einem Jahr hereingeholt, sagte Leahy. Die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge wuchs auf den Spitzenwert von 534 Maschinen. Für 2011 peilt Airbus-Chef Enders 570 Flugzeug-Auslieferungen an. Leahy will Aufträge für 600 bis 650 Jets einsammeln.

 

    "Die A320neo ist das sich am schnellsten verkaufende Flugzeugprojekt der Luftfahrtgeschichte", sagte Leahy. Die auf Spritsparen getrimmte neue Mittelstreckenfamilie wurde im vergangenen Jahr alleine 1.226 Mal bestellt. Die modernisierte Version des Kassenschlagers A320 soll dank neuer Triebwerke und neu gestalteter Flügel 15 Prozent weniger Sprit verbrauchen.

 

    Der doppelstöckige Riesenflieger A380 wurde netto 19-mal bestellt, bei 26 Auslieferungen. Für das laufende Jahr hat sich Airbus 30 fertige Exemplare für das Modell zum Ziel gesetzt - und mindestens so viele Bestellungen. Unterdessen weckte der Flugzeugbauer Hoffnungen auf die verlängerte Variante seines doppelstöckigen Flaggschiffs A380. "Ich denke, dass die Langversion der A380 Ende des Jahrzehnts im Dienst ist", sagte Leahy. Es sei aber noch nichts entschieden.

 

    Der Erfolg der A320neo brachte Airbus einen dicken Vorsprung gegenüber Boeing ein. Der US-Flugzeugbauer hatte nur 477 Maschinen ausgeliefert. Auch mit Neuaufträgen für 805 Flugzeuge blieben die Amerikaner weit hinter den Europäern zurück. Derzeit hat Airbus Aufträge für 4.437 Flugzeuge mit einem Listenpreis-Wert von 588 Milliarden US-Dollar (464 Mrd Euro) in den Büchern. Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Rabatte im zweistelligen Prozentbereich üblich.

 

    Unterdessen musste Airbus einen im Sommer verbuchten Auftrag von American Airlines über 130 Flugzeuge auf Eis legen. Die angeschlagene Gesellschaft hat im Dezember Gläubigerschutz beantragt, Airbus hat den Auftrag vorerst aus den Büchern genommen.

 

    An dem öffentlichen Gezerre um die künftige EADS-Führungsspitze wollte der scheidende Konzernchef Gallois nicht mitwirken. "Ich will auf niemanden Druck ausüben", sagte der 67-Jährige, der EADS Mitte des Jahres verlassen will, mit Blick auf die Gespräche mit den Anteilseignern in Deutschland und Frankreich. "Wir brauchen bis Mitte April eine Entscheidung", betonte er. "Wir haben also noch Zeit."

 

    Geplant ist dem Vernehmen nach, dass Airbus-Chef Enders die Gallois' Nachfolge antritt. Die Führung von Airbus soll der Franzose Fabrice Brégier übernehmen, an der Spitze des Verwaltungsrats soll der Franzose Arnaud Lagardère dem Daimler-Manager Bodo Uebber nachfolgen. Medienberichten zufolge gibt es hinter den Kulissen allerdings Diskussionen um die Besetzung weiterer Führungspositionen./stw/wiz

 

--- Von Steffen Weyer, dpa-AFX ---

 

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