08.01.2013 16:56
Bewerten
(0)

ROUNDUP: EU-Sozialbericht zeichnet Europa in düsteren Farben

    BRÜSSEL/LUXEMBURG (dpa-AFX) - Die nördlichen Euroländer hängen den Süden zunehmend ab - die soziale Lage wird immer schwieriger. Die EU-Kommission zeigt sich in ihrem aktuellen Bericht besorgt. "Nach fünf Jahren Wirtschaftskrise ist die Rezession zurückgekehrt, die Arbeitslosigkeit hat Höhen erreicht, wie wir sie seit fast zwei Dekaden nicht mehr gesehen haben", erklärte EU-Sozialkommissar Laszlo Andor bei der Vorstellung des Sozialberichts am Dienstag in Brüssel. "Auch die soziale Situation hat sich verschlechtert."

 

    Die jüngsten Arbeitslosenzahlen geben ihm Recht: 18,8 Millionen Menschen waren im November in den 17 Ländern der Eurozone arbeitslos, meldete die EU-Statistikbehörde Eurostat. Das sind 11,8 Prozent und 0,1 Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Zum Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosenzahl um mehr als 2,01 Millionen. Deutschland gehörte mit 5,4 Prozent dabei zu den Ländern mit der niedrigsten Arbeitslosenquote.

 

    Die Sozialsysteme würden dabei zunehmend strapaziert, warnte die EU-Kommission. "Nach einigen Jahren Dauerkrise sind die meisten nationalen Sozialsysteme kaum noch in der Lage, die Einkünfte der Haushalte gegen die Folgen der Krise zu schützen", stellte Andor fest. Bei zunehmend klammeren Staatskassen seien auch die Mittel etwa für das Arbeitslosengeld immer knapper geworden - mit negativen Folgen für die Portemonnaies der Bürger und damit für den privaten Konsum.

 

    Sorgen bereiten vor allem die Krisenländer Griechenland und Spanien. Hier war laut Eurostat im November mehr als jeder Vierte ohne Job. Und die Zahlen kletterten rasant: In Griechenland stieg die Quote zwischen September 2011 und September 2012 um 7,1 Prozentpunkte. Aktuellere Zahlen lagen für Griechenland nicht vor.

 

    Im ebenfalls gebeutelten Zypern legte die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um 4,5 Prozentpunkte zu, auf 14 Prozent im November. In Spanien lag der Anstieg bei 3,6 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Länder im Süden der Eurozone drohten zunehmend den Anschluss an den Norden zu verlieren, warnte Andor.

 

    Immer mehr Arbeitslose haben dabei Probleme, eine neue Beschäftigung zu finden. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist im Laufe der Wirtschaftskrise weiter gestiegen. Während 2009 noch 33 Prozent aller Arbeitslosen ein Jahr oder länger ohne Beschäftigung blieben, waren es 2011 insgesamt 42,5 Prozent. Dies liege auch an falschen Qualifikationen, sagte Andor: "In einigen Ländern, besonders in Süd- und Osteuropa, passen Fähigkeiten und Jobs nicht gut zusammen - und dies hat sich verschlechtert."

 

    Auch das Armutsrisiko hat weiter zugenommen. Als von Armut bedroht versteht die EU-Kommission Menschen, die Schwierigkeiten haben, grundlegende Lebenshaltungskosten zu decken, die wenig arbeiten oder deren verfügbares Haushaltseinkommen nicht mehr als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Besonders in Ost- und Südeuropa trifft dies viele Menschen, in Bulgarien gar jeden Zweiten.

 

    Wer einmal von Armut bedroht ist, hat insbesondere in Griechenland oder Malta Probleme, sich wieder aufzurappeln. In Spanien dagegen ist die Gefahr des materiellen Abstiegs groß, aber auch die Chancen wieder aufzusteigen.

 

    Im Kampf gegen Krise und Armut empfiehlt der Sozialkommissar eine Steuerverschiebung weg von der Arbeit - dies soll Jobs schaffen helfen. Außerdem bezog Andor eindeutig Stellung für gesetzliche Mindestlöhne und verkniff sich auch einen Seitenhieb nicht: In Ländern wie Deutschland sei das Risiko hoch, trotz Arbeit arm zu werden.

 

    Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßte, dass die EU-Kommission die "soziale Schieflage Europas" thematisiere. "Dieser bislang blinde Fleck der EU-Krisenpolitik schafft enormen sozialen Sprengstoff und reißt alte Gräben auf. Sichtbar wird ein neues Nord-Süd-Gefälle, ein Zustand, den wir überwunden glaubten", teilte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach mit.

 

    Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in der Europäischen Union insgesamt ist übrigens ein wenig besser als die Lage in der Eurozone. 26,1 Millionen Menschen waren im November in allen 27 EU-Ländern ohne Job, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,7 Prozent./hrz/DP/jsl

 

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

SAP - Digitalisierung ist eine Goldgrube!

Das Softwarehaus aus Walldorf dominiert den globalen Markt für Unternehmenssoftware. Selbst das innovative Silicon Valley kann den Deutschen nicht das Wasser reichen. Das hat mittlerweile auch die Wall Street erkannt. Der DAX-Titel befindet sich auf Rekordjagd. Immer mehr US-Investoren springen auf. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, wie die Digitalisierung die Aktie antreibt und warum SAP für Trader und Investoren interessant ist.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX kaum bewegt -- Dow stabil -- Gotham City plant weitere Berichte zu AURELIUS -- Conti wächst stärker als erwartet -- Linde mit gutem Jahresstart -- Air Berlin, Deutschen Bank, Amazon im Fokus

US-Wirtschaft startet schwächer als erwartet ins Jahr. Apple arbeitet offenbar an digitalem Geld-Transfer und Prepaid-Kreditkarte. Exxon profitiert von steigenden Ölpreisen. Elon Musk trifft chinesischen Vize-Premier. Zinshoffnung liefert Banken Rückenwind. GM-Aktie steigt: Gewinn um mehr als ein Drittel gesteigert.

Top-Rankings

KW 17: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 17: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 16: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Metropolen der Superreichen
In diesen Städten leben die meisten Milliardäre
Utopische Summen
Die teuersten Fußballtransfers der Saison 2016/17
Verdienst der DAX-Chefs
Das verdienten die DAX-Bosse 2016
Das Vermögen dieser Milliardäre ist seit der Trump-Wahl am stärksten gewachsen
Wer profitierte am stärksten?
Das sind die exotischsten Börsenplätze der Welt
Klein aber oho?
mehr Top Rankings

Umfrage

Nach hundert Tagen im Amt istTrump der unbeliebteste US-Präsident der modernen Geschichte. Sind Sie mit Donald Trump zufrieden?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
UBS AGA12DFH
Paragon AG555869
AB InBev SA-NV (Anheuser-Busch InBev)A2ASUV
INDUS AG620010
Deutsche Cannabis AGA0BVVK
Vinci S.A.867475
QIAGEN N.V.A2DKCH
HHLA AG (Hamburger Hafen und Logistik)A0S848
LION E-Mobility AGA1JG3H
Piraeus Bank SAA2ABDY
Deutsche Bank AG514000
Samsung888322
Bechtle AG515870
Daimler AG710000
PUMA SE696960