FRANKFURT (dpa-AFX) - Die EU hat die angestrebte Fusion der Deutschen
Börse mit der NYSE Euronext (
NYSE Group) beendet. Knapp ein Jahr, nachdem beide Börsen ihre Pläne für den Zusammenschluss zum weltgrößten Marktbetreiber vorgestellt hatten, habe die Wettbewerbskommission nun aus Sorge vor einer Behinderung des Wettbewerbs in erheblichem Maße ihr Veto eingelegt, teilte die Deutsche Börse am Mittwoch in Frankfurt mit. Damit erlösche das Umtauschangebot der
Aktien der Deutschen Börse in die der Alpha Beta Netherlands Holding automatisch und das Umtauschangebot werde rückabgewickelt.
Deutsche Börse und NYSE Euronext hätten über ihre Terminbörsen-Töchter Eurex und Liffe zusammen rund 90 Prozent des gesamten an Börsen gehandelten Derivategeschäfts in Europa beherrscht. Das vor allem wollte wohl EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhindern. Die beiden Marktbetreiber hingegen hatten gehofft, dass in die Betrachtung auch der weitaus größere außerbörsliche Handel mit Derivaten in Europa einbezogen wird. Dann hätten die beiden Börsen nur einen Marktanteil von rund 15 Prozent auf sich vereint. Einen Verkauf von Eurex oder Liffe hatten beide Partner hingegen stets abgelehnt. Eine Fusion sei dann wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, hatte etwa der Vorstandschef der Deutschen Börse, Reto Francioni, betont.
Gegen das Nein aus Brüssel könnten die Konzerne vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. NYSE-Chef Duncan Niederauer hatte kürzlich juristische Schritte gegen ein Veto nicht ausgeschlossen.
HESSENS BÖRSENAUFSICHT HATTE AUCH ABLEHNUNG SIGNALISIERT
Neben dem der Fusion von Beginn an kritisch gegenüberstehenden EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Alumina hatte auch der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) seit geraumer Zeit "erhebliche börsenrechtliche Bedenken" geäußert und seine Ablehnung signalisiert. Sein Ministerium, das die Börsenaufsicht über den Finanzplatz Frankfurt inne hat, war insbesondere über die Weiterentwicklung des deutschen Standortes samt der damit verbundenen Arbeitsplätze besorgt.
Bei erfolgreicher Fusion wäre das neue Unternehmen über eine in Amsterdam sitzende Dachorganisation geführt und die Steuerung wichtiger Geschäftsbereiche wie des Aktienhandels oder der IT nach New York und Paris verlagert worden. Zudem wurde auch der geplante Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag kritisch gesehen. Allerdings hatte Posch stets betont, zunächst die Entscheidung der EU abwarten zu wollen.
AKTIENKURSE GEBEN NACH
Da die Nachricht vom Scheitern der Fusion nicht mehr überraschend kam, drückte sie nur mäßig auf die Aktienkurse von Deutscher Börse und NYSE Euronext. Das Papier des Frankfurter Marktbetreibers fiel nach einem freundlichen Start um 0,10 Prozent auf 44,985 Euro und verlor damit seit der offiziellen Ankündigung der Fusion Mitte Februar 2011 rund 27 Prozent, während der Dax (DAX) im selben Zeitraum um rund 13 Prozent nachgab. In Paris wurde die Aktie der NYSE Euronext am Mittwoch kurz vor der Bekanntgabe vom Handel ausgesetzt und verlor damit auf Sicht der vergangenen zwölf Monate rund ein Drittel an Wert ein.
Die nun geplatzte länderübergreifende Börsenhochzeit, die einen Börsenwert von rund 14 Milliarden Euro gehabt hätte, ist nicht die einzige, die in den vergangenen Monaten fehlschlug. Im April 2011 stoppte Australien die Übernahme der ASX durch die Börse in Singapur, im Mai 2011 drohten die US-Wettbewerbshüter mit einem Einspruch, um die Nasdaq OMX von einem feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE abzuhalten und im Juni 2011 platzte die Börsenhochzeit von London (LSE) und Toronto (TMX) mangels Unterstützung der TMX-Aktionäre./ck/wiz