08.07.2013 16:48
Bewerten
 (0)

ROUNDUP: EZB-Chef Draghi bekräftigt Niedrigzinsversprechen

    BRÜSSEL (dpa-AFX) - Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat das Niedrigzinsversprechen der EZB bekräftigt. Vor dem Europaparlament in Brüssel sagte Draghi am Montag, die Leitzinsen im Währungsraum blieben über einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen oder einem niedrigeren Niveau. Damit ist auch eine weitere Zinssenkung möglich. Ausschlaggebend seien gedämpfte Inflationsrisiken, die konjunkturelle Schwäche im Euroraum sowie das geringe Wachstum der Geld- und Kreditmenge.

    Am vergangenen Donnerstag hatte die EZB einen einschneidenden Wechsel in ihrer Geldpolitik vorgenommen. Anstatt sich wie bisher nicht auf einen künftigen Kurs festzulegen, hatte sie erstmals einen längerfristigen Ausblick auf ihre geldpolitische Haltung gegeben. Experten sprechen von "Forward Guidance", wie sie auch von anderen großen Notenbanken - etwa der amerikanischen Federal Reserve - betrieben wird. Obgleich es sich im Falle der EZB um eine schwächere Variante handelt, soll das Vorgehen helfen, die Zinserwartungen zu festigen und letztlich das Wachstum zu beleben.

    Trotz der Niedrigzinsansage teilt Draghi die Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS). Die "Bank der Zentralbanken" hatte unlängst vor Risiken gewarnt, falls Leitzinsen zu lange niedrig liegen. "Es ist schwer, dieser Auffassung zu widersprechen", sagte der EZB-Chef. Er schränkte jedoch ein, höhere Leitzinsen seien derzeit nicht angebracht. Angesichts der schwachen Konjunkturlage würden sie destabilisierend wirken.

    Abermals sprach Draghi die Problematik der auseinanderklaffenden Kreditmärkte im Währungsraum an. Derzeit müssen kleine und mittlere Unternehmen in vielen Krisenländern deutlich höhere Zinsen als Firmen in Kernländern zahlen. Dies sei für den Euroraum ein besonders großes Wachstumshemmnis, weil sich Mittelständer zu etwa achtzig Prozent über Bankkredite refinanzierten. Die Europäische Investitionsbank (EIB) und die EU-Kommission suchten gegenwärtig nach Lösungen.

    Draghi bekräftigte auch die Auffassung der EZB, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte im Währungsraum wachstumsfreundlich zu gestalten. Er empfahl den betroffenen Ländern Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen. Zur Stärkung des Wachstums müssten darüber hinaus wirtschaftliche Strukturen reformiert werden.

    Gefragt nach der in einigen EU-Staaten geplanten Finanztransaktionssteuer sagte Draghi, die EZB stehe der Einführung einer solchen Steuer zwar prinzipiell offen gegenüber. Allerdings habe sie auch viele unerwünschte Nebenwirkungen auf die Geldpolitik. Experten befürchten etwa, dass eine Finanztransaktionssteuer auch die Refinanzierung der Banken über bestimmte Wertpapiergeschäfte (Repos) verteuern und damit deren Geschäftslage beeinträchtigen könnte./bgf/jkr

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.

Heute im Fokus

Nach Brexit-Entscheid: DAX geht mit kräftigem Abschlag ins Wochenende -- US-Börsen massiv im Minus -- Briten stimmen für EU-Ausstieg -- Staatsanwaltschaft durchsucht Zentrale von thyssenkrupp

Erneut Warnstreiks bei Amazon in Leipzig. Lufthansa Cargo verlangt von Mitarbeitern Gehaltsverzicht. Deutsche Post verliert Finanzvorstand Rosen. Aktiencrash hat offenbar fünf Billionen Dollar vernichtet. Brexit Step-by-step: So geht's für die Briten jetzt weiter.
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Der World Wealth Report 2016
Hier ist Leben preiswert!

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welche Marke ist die teuerste?
Volatilität in Schwellenländern
Das haben die Dax-Vorstände 2015 verdient
Welches Land gewann am häufigsten die europäische Fußballkrone?
Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?
mehr Top Rankings

Umfrage

Am Donnerstag, den 23. Juni blicken die Anleger mit Spannung auf das EU-Referendum der Briten. Welchen Ausgang erwarten Sie?