MÜNCHEN/ROSENHEIM (dpa-AFX) - Im Siemens-Schmiergeldskandal <SIE.ETR> hat die Polizei in Bayern den früheren Chef der griechischen Siemens- Landesgesellschaft festgenommen. Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Michael Christoforakos habe bei seiner Festnahme am frühen Donnerstagmorgen in einem Privatanwesen in Stephanskirchen bei Rosenheim keinen Widerstand geleistet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Der 56-Jährige wurde nach Angaben seiner Anwälte noch am selben Tag in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, nachdem ihm in Rosenheim der internationale Haftbefehl eröffnet worden war. Das Oberlandesgericht München wird nun über seine Auslieferung an Griechenland entscheiden.
Die griechische Justiz wirft Christoforakos Korruption und Geldwäsche vor und hatte die Auslieferung beantragt. Er soll Mitarbeiter der griechischen Telefongesellschaft O.T.E. bestochen haben. Er und ein anderer griechischer Ex-Manager von Siemens, nach dem weiter gefahndet wird, hatten sich nach Deutschland abgesetzt. Das Verschwinden der beiden Männer hatte in Griechenland für großes Aufsehen gesorgt.
Nach deutschem Recht seien die Vorwürfe gegen ihren Mandanten inzwischen verjährt, erklärten die beiden Rechtsanwälte von Christoforakos, Stefan Kursawe und Daniel Peter. In Griechenland drohe dem Mann, der neben der griechischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Anwälte haben aber noch weitergehende Befürchtungen und erheben auch schwere Vorwürfe gegen die griechische Justiz. "An diesem Fall hängen Dutzende griechische Spitzenpolitiker, die kein Interesse an einem Geständnis haben", erklärte Kursawe.
Peter geht davon aus, dass Christoforakos Firmengelder an politische Parteien in Griechenland spendete. "Dies könnte zum Problem für Politiker werden", erläuterte der Rechtsanwalt bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Rosenheim. Schließlich seien Ende September Nationalratswahlen in dem Land. "Ich fürchte um das Leben meines Mandanten, sobald dieser griechischen Boden betritt", ergänzte Kursawe.
Beide Anwälte übten massive Kritik am Vorgehen sowohl der griechischen Justizbehörden als auch der Polizei in Bayern. Sie vermuten, dass aus Griechenland verdeckte Ermittler nach Deutschland geschickt worden seien, um ihren Mandanten aufzuspüren. Auch Privatdekektive seien eingeschaltet gewesen. Am Donnerstagmorgen hätten 14 schwer bewaffnete und vermummte Beamte eines Spezialeinsatzkommandos das Haus von Freunden des früheren Siemens- Griechenland-Chefs gestürmt und den 56-Jährigen festgenommen. "Das war keine schöne Sache", sagte Peter.
Nach Überzeugung der beiden Anwälte ist das Auslieferungsbegehren der griechischen Justiz unzulässig. Christoforakos sei deutscher Staatsbürger, habe in Deutschland seinen zentralen Aufenthaltsort, hier studiert und sei nur wegen seiner griechischen Wurzeln 1996 von Siemens dorthin entsandt worden, um Siemens Griechenland als Vorstandsvorsitzender zu führen. Die griechische Justiz behauptet nach Überzeugung der beiden Juristen fälschlich, Christoforakos sei bereits im Jahr 2008 als Beschuldigter vernommen worden, doch habe es sich um Zeugenvernehmungen gehandelt, erklärte Kursawe. Vielmehr sei er erst ab April 2009 als Beschuldigter vernommen worden. "Damit ist die Verjährung nach deutschem Recht eingetreten."
Die Generalstaatsanwaltschaft will die Akten in den kommenden Tagen dem Oberlandesgericht München vorlegen, das über den Erlass eines Auslieferungsbefehls und die Zulässigkeit der Auflieferung zu entscheiden habe. "Es ist derzeit nicht absehbar, bis wann mit einer Gerichtsentscheidung zu rechnen ist", erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Alfons Obermeier. /cs/pw/DP/sb