26.04.2012 13:47
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ROUNDUP/Ein Jahr nach Japan-Tsunami: Munich Re verdient wieder ordentlich Geld

    MÜNCHEN (dpa-AFX) - Keine schlimmen Erdbeben oder Stürme: Dank ausgebliebener Katastrophen ist der weltgrößte Rückversicherer Munich Re (Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft) mit einem kräftigen Gewinn ins Jahr gestartet. Gut ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami in Japan und dem Erdbeben in Neuseeland zeigte sich Vorstandschef Nikolaus von Bomhard mit dem absehbaren Quartalsergebnis zufrieden. "Wir gehen davon aus, dass wir über 750 Millionen Euro verdient haben", sagte der Manager am Donnerstag bei der Hauptversammlung in München. Ein Jahr zuvor hatte der Dax-Konzern mit fast einer Milliarde Euro in den roten Zahlen gesteckt.

 

     Für 2012 peilt der Vorstand weiterhin ein Konzernergebnis von 2,5 Milliarden Euro an. Im Katastrophenjahr 2011 waren unter dem Strich lediglich 700 Millionen Euro hängengeblieben. Die Aktionäre sollen dennoch einer stabilen Dividende von 6,25 Euro zustimmen. Insgesamt will der Konzern damit 1,1 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausschütten.

 

KURSSPRUNG

 

    Die Munich-Re-Aktie reagierte zunächst mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Analysten hatten teils mit deutlich weniger Quartalsgewinn gerechnet. Nach einem allgemeinen Abrutschen des Dax notierte sie am frühen Nachmittag noch mit 0,09 Prozent im Plus bei 115,15 Euro.

 

    Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) lobte Vorstand und Mitarbeiter für ein passables Abschneiden im schwersten Katastrophenjahr aller Zeiten. Kritisch äußerte sie sich zum Sex-Skandal bei der Erstversicherungstochter Ergo: Deren Vertreter hatten dem Unternehmen im vergangenen Jahr mit einer Lustreise mit Prostituierten in Budapest einen schweren Imageschaden eingebrockt. "Schlimmer hätte es wohl kaum kommen können", konstatierte Bergdolt.

 

    Von Bomhard bekannte sich dennoch ausdrücklich zu der Tochter. Das Ergo-Geschäft sei wichtig für die Munich Re: Es setze dem kurvenreichen Verlauf des Rückversicherungsgeschäfts eine stabile Entwicklung entgegen.

 

ZINSTIEF QUÄLT

 

    Probleme bereitet dem Unternehmen das Zinstief an den Kapitalmärkten. Von Bomhard rechnet weiterhin nicht damit, dass es mit den Zinsen in Kürze deutlich nach oben geht. Dennoch will er nicht zu stark auf Aktien setzen: Die Aktienquote von derzeit zwei Prozent der Kapitalanlagen sei allerdings sehr niedrig. Eine Steigerung sei durchaus möglich. Zehn Prozent oder mehr könne er sich aber kaum vorstellen.

 

    Die Munich Re hat mehr als 200 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten angelegt - einen großen Teil davon für die Lebensversicherungskunden der Ergo. Angesichts des Zinstiefs wird es für Versicherer immer schwieriger, die versprochene Rendite für die Versicherungsnehmer zu erwirtschaften. "Wir gehen jetzt über die Dörfer", sagte von Bomhard. Das Unternehmen investiere in Anleihen von Schwellenländern und Unternehmen, außerdem in Immobilien und nun verstärkt in Erneuerbare Energien. Bei der Kapitalanlage gehe es nun um die "Quadratur des Kreises", sagte der Vorstandschef: Irgendwo zwischen Sicherheit, Renditeerwartung und Liquidität.

 

COSTA CONCORDIA BELASTET

 

    Im ersten Quartal blieb die Munich Re von Katastrophen weitgehend verschont. Als einziger größerer Schaden wurde bislang der Untergang des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" im Januar bekannt. Die Münchner rechneten zuletzt mit einer Belastung von 50 Millionen Euro oder knapp darüber. Das Seebeben vor Sumatra im April dürfte nach Einschätzung des Mitbewerbers Allianz keine schweren Belastungen für die Branche nach sich ziehen.

 

    Ein Jahr zuvor hatte der Tsunami in Japan bei der Munich Re mit 1,5 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. Im gesamten Jahr 2011 kosteten Naturkatastrophen das Unternehmen rund 4,5 Milliarden Euro - drei bis vier Mal so viel, wie der Rückversicherer im Schnitt pro Jahr einkalkuliert. Ihren kompletten Bericht für das erste Quartal will die Munich Re am 8. Mai vorlegen./stw/wiz

 

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