BONN (dpa-AFX) - Die Deutsche Telekom <DTE.ETR> hat sich mit zwei Wettbewerbern über die Vermarktung für die Zugänge zu ihrem schnellen VDSL-Netz verständigt. Die Einigung, die am Donnerstag vom Konzern verkündet wurde, wird in der Branche allerdings nicht als der große Wurf gesehen. Viel wichtiger für den Breitbandausbau seien die Verhandlungen zur Öffnung der Kabelverzweiger (KVZ), heißt es bei den Telekom-Konkurrenten. Der Zugang zu den KVZ gilt als wichtiger Baustein für den Breitbandausbau in Deutschland. Bei diesen Verhandlungen seien seit der Computermesse CeBIT im März keine wirklichen Fortschritte erzielt worden, kritisiert der Geschäftsführer des Branchenverbands VATM, Jürgen Grützner, der rund 90 kleinere Wettbewerber der Telekom vertritt.
Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich die Telekom mit Vodafone <VOD.ISE> <VOD.FSE> und der United-Internet-Tochter <UTDI.ETR> 1&1 über die Vermarktung ihres schnellen VDSL-Netz geeinigt hatte. Der Preis für die Vorleistung liege abhängig von der Laufzeit bei 25,36 Euro oder 26,28 Euro, teilten die Bonner am Donnerstag mit. Wie im März angekündigt sollen die Entgelte sinken, je mehr Kunden die Wettbewerber gewinnen. Vodafone wollte sich zu den Vertragsdetails nicht äußern. Die Verträge seien zwar unterschrieben, über Einzelheiten werde aber noch weiterverhandelt. Das auf Glasfaser basierende VDSL-Netz der Deutschen Telekom erlaubt Übertragungsraten von bis zu 50 Megabit je Sekunde. Es ist bislang in 50 deutschen Städten aufgebaut.
BRANCHE ÜBT KRITIK
Nach Meinung von Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges beweist die Einigung, dass marktwirtschaftliche Lösungen auch ohne Eingriffe des Regulierers möglich seien. Die Konkurrenz sieht das allerdings anders:
"Die Deutsche Telekom reagiert immer nur auf massivsten Druck und spielt auf Zeit", sagte VATM-Geschäfsführer Grützner. Immerhin habe der Bonner Konzern ihr VDSL-Netz erst nach zweieinhalb Jahren de facto "Regulierungsferien" für die Konkurrenz geöffnet. Neue Technologien wie VDSL werden nach der bisherigen Rechtslage nicht reguliert. Auch Vodafone-Chef Friedrich Joussen hatte am Mittwoch gesagt, er sehe die Einigung mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Zwar hätten seine Kunden den Vorteil, dass sie das schnelle Internet nutzen können. Das Monopol der Deutschen Telekom werde hierdurch aber nur zementiert.
STREIT ÜBER KABELVERZWEIGER
Vodafone würde nach den Worten von Joussen den Ausbau eines eigenen Hochgeschwindigkeitsnetzes vorziehen. Das scheitere aber immer noch daran, dass die Telekom ihre Kabelverzweiger nicht für die Konkurrenten öffnen will. Die KVZs sind der letzte Knotenpunkt auf der sogenannten letzten Meile zu Haushalten mit einem Telefonanschluss. Rund 80 Prozent dieser Anschlüsse entfallen auf die Telekom. In anderer Richtung wurden sie zum Teil mit Glasfaserleitungen bis zum Hauptverteiler verbunden und damit zu VDSL-Leitungen aufgerüstet.
Von der Telekom heißt es dazu, wie die Mitnutzung dieser Multifunktionsgehäuse funktioniere, müsse unter realen Umständen getestet werden. Bei Pilotprojekten mit Vodafone in Würzburg und Heilbronn werde geprüft, wie dies technisch funktionieren könne. Grundsätzlich werde es aber ein Platzproblem geben, wenn nicht nur Vodafone, sondern auch andere Anbieter in das Multifunktionsgehäuse wollten. Diese hätten bereits Interesse angemeldet. Die Bundesnetzagentur hatte festgelegt, dass die Telekom ihren Wettbewerbern Zugang zu den KVZ gewähren muss. Bei den Verhandlungen geht es nun um die Rahmenbedingungen wie Preise und technische Voraussetzungen. Sollten sich Telekom und Wettbewerber nicht einigen, könnten sich diese noch einmal an den Regulierer wenden./gr/stw/he