MAILAND (dpa-AFX) - Ungeachtet der Katastrophe in Japan bleibt der italienische Energiekonzern
Enel auf Atom-Kurs. Das Unternehmen kündigte am Dienstag bei der Vorlage seiner Jahresbilanz in Mailand an, einen Teil seiner bis 2015 vorgesehenen Investitionen von 31 Milliarden Euro wie geplant in sein Kernkraftprogramm stecken zu wollen. Enel hat sich mit dem französischen Atomkonzern Electricite de France (EdF)
) für gemeinsame Atomprojekte in Italien verbündet.
Italien hatte 1987 nach einer Volksabstimmung seine Atomkraftwerke abgeschaltet, danach aber Strom aus den Atomländern Frankreich und der Schweiz importieren müssen. Die Regierung von Silvio Berlusconi forciert seit längerem den Wiedereinstieg. Im Juni sollen die Italiener darüber entscheiden. Angesichts der dramatischen Entwicklung in Japan sind die Chancen der Atomkraftanhänger allerdings deutlich gestiegen, zumal in Italien auch die Gefahr von Erdbeben besteht.
Enel als größter italienischer Stromkonzern kommt bislang auf eine im Vergleich zu seinen europäischen Konkurrenten geringe Atomquote. Lediglich 14,2 Prozent des von Enel erzeugten Stroms kommt aus Kernkraftwerken. Der Konzern ist derzeit an elf Atomanlagen in Spanien und der Slowakei beteiligt. Fest geplant ist der Ausbau in der Slowakei, wo Enel seine Atomkapazität für 2,7 Milliarden Euro von derzeit 1.800 um fast 900 Megawatt erhöhen will. In Italien dagegen ist vieles noch unsicher, etwa die Standortfrage.
Der Konzern rechnet im Gegensatz zu seinen deutschen Konkurrenten Eon und RWE in den nächsten Jahren mit kräftigen Gewinnsteigerungen. So soll der um Sondereffekte bereinigte Überschuss von 4,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bis 2015 auf 5,8 Milliarden Euro steigen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen will der Konzern von 17,4 Milliarden Euro 2010 auf 20 Milliarden Euro 2015 steigern. In diesem Jahr erwartet Enel nach dem Zuwachs von 6,8 Prozent 2010 aber zunächst eine Stagnation. Die deutschen Energiekonzerne rechnen in den kommenden Jahren vor allem wegen politischer Einschnitte mit Gewinnrückgängen bis 2013.
Einen Schwerpunkt will Enel in den kommenden Jahren auf den Abbau von Verbindlichkeiten legen. Nach der milliardenschweren Übernahme des spanischen Versorgers Endesa war die Schuldenlast 2009 auf mehr als 50 Milliarden Euro gestiegen. Auch dank des Börsengangs der Ökostrom-Tochter gelang es dem Konzern im vergangenen Jahr, seine Verbindlichkeiten um fast 12 Prozent auf knapp 45 Milliarden Euro zu drücken. Gelingen soll der weitere Schuldenabbau künftig weniger durch Beteiligungsverkäufe als durch den Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft.
An ihrer Dividendenpolitik wollen die Italiener festhalten. Sie schütten rund 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns aus. Für 2010 zahlt Enel 28 Cent je Aktie, im Jahr davor waren es nach dem krisenbedingten Gewinnrückgang nur 25 Cent./enl/nmu/tw