22.11.2012 21:43
Bewerten
 (0)

ROUNDUP: 'FTD' vor dem Aus - Verkaufsverhandlungen abgebrochen

    HAMBURG (dpa-AFX) - Zwölf Jahre nach dem Start steht die "Financial Times Deutschland" (FTD) vor dem Aus. Die Verlagsgruppe Gruner + Jahr brach am Donnerstag die Verkaufsverhandlungen mit einem potenziellen Investor ab, wie ein Unternehmenssprecher am Abend mitteilte. "Gruner + Jahr lag ein ernsthaftes Angebot vor, allerdings konnte der G+J Vorstand dem dort dargestellten Fortführungsszenario weder konzeptionell noch wirtschaftlich folgen." Damit sei mit einer Schließung der "FTD" zu rechnen. Am Freitagvormittag (11.00 Uhr) sollen Betriebsräte und Mitarbeiter informiert werden.

 

    Über das Schicksal der anderen Wirtschaftsmedien - darunter die Magazine "Capital", "Impulse" und "Börse Online" - will Gruner + Jahr am Freitag Einzelheiten bekanntgeben. Gewerkschaftsvertreter befürchten den Verlust von mehr als 200 Stellen. Bei den Wirtschaftstiteln arbeiten rund 330 Menschen.

 

    Der G+J-Aufsichtsrat hatte nach Verlagsangaben den Vorstand ermächtigt, einen Verkauf, eine Teilschließung oder Schließung der Wirtschaftsmedien vorzunehmen. Das Gremium wird von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geführt, darin ist auch die Hamburger Verlegerfamilie Jahr vertreten. G+J-Mehrheitseigener ist mit 74,9 Prozent Bertelsmann, die Jahrs halten eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.

 

    Die montags bis freitags erscheinende Zeitung war erstmals im Jahr 2000 erschienen - im damaligen Internetboom mit einer Vielzahl von Firmengründungen und Börsengängen, die kräftig beworben wurden. Werbegelder sind neben den Vertriebserlösen Haupteinnahmequelle der Branche. Allerdings hat die "FTD" bisher rote Zahlen geschrieben.

 

    Das lachsfarbene Blatt sorgte mit seinem Erscheinen für Aufsehen und mehr Wettbewerb in der deutschen Medienlandschaft. Bis dahin gab es nur eine tägliche Wirtschaftszeitung, das "Handelsblatt". Dessen Chefredakteur Gabor Steingart hatte den Hamburger Blattmachern noch am Donnerstag prominent auf der Titelseite seine Anerkennung ausgesprochen.

 

    Zugleich plädierte er dafür, mit den Gratis-Angeboten im Internet Schluss zu machen: "Es wird keine Rettung für die Zeitung geben, wenn wir mit dieser Umsonst-Kultur nicht brechen." Darüber müsse auch mit jüngeren Lesern, "auch wenn die sich selbst User nennen", gesprochen werden. Weil die Digital-Generation weniger Zeitungen und Zeitschriften kauft, gehen bei vielen Titeln die Auflagen zurück.

 

    Die Branche war im November bereits durch den Insolvenzantrag der "Frankfurter Rundschau" geschockt worden. Außerdem verschwindet das Stadtmagazin "Prinz" im Dezember aus den Kiosken und präsentiert sich dann nur noch im Internet.

 

    Gruner + Jahr hatte die "FTD" mit dem britischen Verlag Pearson ("Financial Times") aus der Taufe gehoben und Anfang 2008 auch dessen 50-Prozent-Anteil übernommen. Dabei wurden die weitere Nutzung der Marke sowie eine redaktionelle Kooperation mit dem früheren Mutterblatt "FT" vereinbart. Der Verlag Gruner + Jahr, der auch Magazine wie "Geo", "Gala", "Stern", "Brigitte" und "Neon" herausgibt, gehört mit einem Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro (2011) zu den größten in Europa./bsp/DP/he

 

Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Anzeige

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- MorphoSys-Aktie und Roche-Aktie fallen kräftig -- US-Börsen in der Gewinnzone -- GfK-Konsumklima auf höchstem Stand seit acht Jahren

BayernLB verklagt Ecclestone. Euro gibt leicht nach. Studio Babelsberg erwartet für 2014 Millionenverlust. Sartorius verkauft Sparte. Ölpreise deutlich gestiegen. Verdi ruft an vier Amazon-Standorten zu Streiks bis Heiligabend auf. Allianz stimmt Vergleich nach Amoklauf von Winnenden zu. Facebook will mehr über Datenschutz informieren.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Welche Unternehmen sind am attraktivsten für Informatiker?

Diese Flughäfen werden hoch frequentiert

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

So viel erhalten die Deutschen

Aktien-Profiteure der Cannabis-Legalisierung in den USA

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

Welche sind die reichsten Amerikaner unter 40 Jahren?

Wenn Zukunft Gegenwart wird

mehr Top Rankings

Umfrage

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich mit Haut und Haar für das Freihandelsabkommen mit den USA stark machen. Was halten Sie von TTIP?