ROUNDUP/Finanzministerium: Kein weiteres Hilfsprogramm für Portugal geplant
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) war am Donnerstag beim Finanzminister-Treffen in Brüssel anscheinend ohne sein Wissen bei einem Gespräch mit seinem portugiesischen Amtskollegen Vítor Gaspar gefilmt worden. Der Fernsehsender TVI stellte ein entsprechendes Video auf seine Internet-Seite. In dem in schlechter Tonqualität wiedergegebenen Gespräch geht es um eine Anpassung der Hilfen für Portugal - wenn zuvor Entscheidungen zu Griechenland gefallen sind.
Portugal hatte mehrfach erklärt, dass es kein zweites Hilfsprogramm der Euro-Partner und des IWF benötigt. Anpassungen bei den Hilfen könnte es nach Einschätzung aus Finanzkreisen jedoch noch bei den Zinsen sowie den Laufzeiten der bisherigen Hilfskredite geben. Das Land gilt derzeit nach Griechenland als größtes Sorgenkind der Eurozone, die Renditen für portugiesische Staatsanleihen hatten zuletzt neue Höchststände erreicht. Im vergangenen Jahr schlüpfte Portugal unter den Rettungsschirm und erhielt Zusagen für Kredithilfen im Volumen von 78 Milliarden Euro.
Das Finanzministerium kritisierte das Vorgehen des Fernsehsenders scharf. Es verstoße gegen journalistische Standards, bei Auftaktbildern von Treffen private Gespräche heimlich mitzuscheiden. Die Inhalte solcher Gespräche kommentiere das Ministerium nicht.
Unterdessen fielen trotz des Dementis aus Berlin die Renditen für portugiesische Staatsanleihen deutlich. Die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen sank um 0,76 Prozentpunkte auf 11,67 Prozent. Händler sagten, die vermeintlichen Aussagen Schäubles hätten den Kursrückgang ausgelöst.
Die Renditen für portugiesische Staatsanleihen waren Ende Januar erstmals seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 über die Marke von 16 Prozent gestiegen. Zuvor hatte die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau abgesenkt. Viele Investoren mussten daraufhin portugiesische Anleihen verkaufen./sl/mi/jsl/DP/bgf


