TEMPE (dpa-AFX) - Der Solarbranche steht ein neuer Preiskampf bevor. Der weltgrößte Photovoltaikkonzern First Solar kündigte am Donnerstagabend an, die Preise für seine Dünnschichtanlagen in den kommenden Monaten zu senken. Damit will das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Arizona seinen Absatz trotz der kräftigen Förderkürzungen vor allem in Deutschland, dem bislang mit Abstand größten Solarmarkt, weiter steigern. Der größte chinesische Modulhersteller Suntech hatte zuletzt angekündigt, seine Preise zunächst nicht senken zu wollen.
Ein neuer Preiskampf dürfte auch die deutschen Hersteller unter Druck setzen. Bereits die erste Welle nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise Ende 2008 hatte die Margen kräftig sinken lassen und Unternehmen wie Q-Cells oder Solon (SOLON SE) in existenzbedrohende Schwierigkeiten gebracht. In diesem Jahr stabilisierten sich dank der hohen Nachfrage vor allem in Deutschland die Preise. Im kommenden Jahr rechnet die Branche mit einem deutlich Rückgang des Absatzes hierzulande, da die Einspeisevergütung für neue Anlagen zum Jahreswechsel erneut gesenkt wird und damit rund ein Drittel unter der Förderung von Ende 2008 liegt. An der Börse ging es am Freitag für die Papiere der deutschen Solarunternehmen abwärts.
Bereits im dritten Quartal standen die Gewinnmargen bei First Solar unter Druck. Das Unternehmen steigerte zwar seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 66 Prozent auf 797,9 Millionen Dollar, auch zum Vorquartal gab es ein kräftiges Plus. Allerdings schlug dabei ein im Sommer abgeschlossenes Großprojekt in Kanada mit allein 210 Millionen Dollar zu Buche. Als operativer Gewinn blieben 211,6 Millionen Dollar übrig. Das entspricht einer Marge von 26,5 Prozent, vor einem Jahr lag sie noch bei 33,9 Prozent. Unter dem Strich verdiente die Gesellschaft 176,9 Millionen Dollar, 15 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Die First-Solar-Aktien verloren trotzdem im nachbörslichen New Yorker Handel fast 7 Prozent. Auch eine Prognoseerhöhung konnte die Anleger nicht besänftigen. Die Erlöse sollen nun zwischen 2,58 und 2,61 Milliarden Dollar liegen. Bisher war First Solar von 2,5 bis 2,6 Milliarden Dollar ausgegangen. Der Gewinn je Aktie soll nun bei 7,50 bis 7,65 Dollar (bisher 7,00-7,40) liegen.
Auch wenn die Produktionskosten im abgelaufenen Quartal aufgrund der Einführung neuer Produktionsprozesse leicht um einen US-Cent auf 77 Cent pro Watt gestiegen sind, ist First Solar weltweit der absolute Kostenführer unter den Photovoltaikunternehmen. Die Dünnschichtmodule von First Solar sind allerdings umstritten. Sie basieren auf Cadmiumtellurid und sollen - so der Vorwurf der von Solarworld-Chef (SolarWorld) Frank Asbeck angeführten Gegner - gesundheitsschädlich sein. First Solar weist dies zurück.
Das Unternehmen hat sich einem starken Wachstumskurs verschrieben. Bis Ende 2012 will es über eine weltweite Produktionskapazität von 2,7 Gigawatt verfügen. Derzeit sind sind es rund 1,4 Gigawatt. Dazu baut First Solar auch seinen Standort in Frankfurt an der Oder aus./enl/stb/wiz