BOCHUM/KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Der Maschinenbauer GEA <G1A.ETR> kommt weiterhin glimpflich durch die Wirtschaftskrise. Während die Branche von Monat zu Monat sinkende Bestellungen beklagt, haben sich die Bochumer nach einem Abrutschen zu Jahresbeginn gefangen - und schüren bereits die Hoffnung auf eine baldige Besserung. Der Markt sei aber weiterhin volatil, mahnte Finanzchef Helmut Schmale am Montagabend auf einer Analystenveranstaltung in Kopenhagen zur Zurückhaltung. Die
Aktie entwickelte sich am Dienstag bis zum frühen Nachmittag dann auch nur leicht besser als der
MDAX <MDAX.ETR>.
Von Januar bis Mai sind die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent zurückgegangen. Um diesen Wert waren die Order bereits im ersten Quartal zurückgegangen, womit GEA schon damals besser abgeschnitten hatte als die meisten Wettbewerber. Im zuletzt berichteten Monat April hatte der gesamte deutsche Maschinenbau mit einem Bestellminus von 58 Prozent den größten Einbruch aller Zeiten erlebt. Der Branchenverband VDMA wollte jüngst auch noch kein Wiederanziehen der Nachfrage ausmachen.
HOFFEN AUF ZWEITES HALBJAHR
Die von GEA-Finanzchef Schmale in Kopenhagen vorgelegten Zahlen stimmen dagegen zuversichtlicher. Für das laufende Jahr rechnet er mit einem Rückgang des gesamten für das Unternehmen relevanten Marktes von 12 bis 14 Prozent. "Das würde augenscheinlich eine Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr bedeuten", schlussfolgerte Equinet-Analyst Holger Schmidt unter dem Eindruck der weit schlechteren ersten fünf Monate. Im kommenden Jahr kalkuliert der GEA-Vorstand dann im besten Falle mit einem Wiederanziehen des Marktes um 11 Prozent.
GEA liefert hauptsächlich Maschinen für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, einer Branche die als vergleichsweise krisenfest gilt. Bei GEA selbst kam zu Jahresbeginn stabilisierend ein deutlich verbessertes Servicegeschäft hinzu. Dieses war nach erstmals bekanntgegebenen Zahlen im ersten Quartal noch um 18 Prozent gewachsen. Insgesamt war der Umsatz dagegen um 6,5 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro gefallen, der Überschuss halbierte sich beinahe auf 28,8 Millionen Euro.
KONZERNGESELLSCHAFTEN HALBIEREN
Eine Wende hatte Konzernchef Jürg Oleas vor wenigen Tagen indes noch nicht ausmachen wollen. Entsprechend sah er den Umsatz 2009 weiter unter dem von 2008 liegen und die Marge leiden. Mit einem Stellenabbau versucht GEA, die Auswirkungen der Flaute akut abzufedern. Hinzu kommt auf mittlere Sicht der Wunsch, das Konglomerat zu verschlanken. Von den zuletzt knapp 300 Konzerngesellschaften sollen durch Zusammenlegungen am Ende nur noch halb so viele übrig bleiben. Das, so hofft Finanzchef Schmale, senkt nicht nur die Kosten, sondern belebt auch die Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns und schafft ein besseres Bild nach Außen./das/wiz