HAMBURG (dpa-AFX) - Der Hamburger Hafenbetreiber HHLA hält an seiner Prognose für das laufende Jahr fest. "Das Jahr 2009 ist durch eine tiefgreifende weltweite Rezession gekennzeichnet, die von einem Rückgang des weltweiten Containerumschlags begleitet wird", sagte Klaus-Dieter Peters am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens. "Zudem bleibe es bei den starken Einbrüchen in den für die HHLA besonders bedeutsamen Fahrgebieten Asien-Europa sowie dem Verkehr mit Mittel- und Osteuropa." Daher stellt die HHLA weiterhin einen zweistelligen prozentualen Mengenrückgang sowie Umsatz, Ergebnis und Rendite unterhalb der Vorjahreswerte in Aussicht. Dank der Kostenkur und der Investitionsstreckung peilt die HHLA jedoch ein deutlich positives operatives Ergebnis an.
Den Finanzierungsbedarf will Peters weitgehend aus Barliquidität und dem operativen Cashflow decken. "Sobald wir im Laufe des Jahres ein klareres Bild von der Entwicklung unseres wirtschaftlichen Umfeldes erhalten, werden wir unsere Prognose weiter präzisieren." Die Dividendenpolitik einer hohen, ergebnisorientierten Ausschüttungsquote will Peters beibehalten.
BISHERIGE WACHSTUMSMÄRKTE ZIEHEN DIE HHLA HERUNTER
Der nie dagewesene Handelseinbruch im zweiten Halbjahr 2008 hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres fortgesetzt. Gerade diejenigen Märkte, die in den letzten Jahren das Wachstum getragen hatten, verzeichneten jetzt überdurchschnittliche Einbrüche (Zubringerverkehre im Ostseeraum, Überseeverkehre mit Fernost, Hinterlandverkehre mit Mittel- und Osteuropa). Dabei schlägt wegfallender Handel bei der HHLA doppelt zu Buche - in der Schifffahrt und im Weitertransport auf der Schiene.
In der zweiten Jahreshälfte will die HHLA mit flexiblen Arbeitszeiten, dem Verzicht auf Fremdfirmen gegensteuern. Zum 1. Juli werden die Hamburger Kurzarbeit einführen. Wie viele Mitarbeiter davon betroffen sind, ist allerdings noch nicht bekannt. Auch bei den Investitionen tritt das Unternehmen auf die Bremse. Investitionen in langfristiges Wachstum und zur Effizienzsteigerung werden fortgeführt, Ausgaben zur Kapazitätssteigerung dagegen gestreckt und verschoben. Von den für die Jahre 2009 bis 2012 geplanten Investitionen von 1,2 Milliarden Euro könnte die Hälfte in spätere Zeiträume verschoben werden, hieß es.
INVESTITIONEN ZURÜCKGESCHRAUBT
2008 hatte die HHLA die Investitionen von ursprünglich geplanten mehr als 300 Millionen Euro deutlich zurückgeschraubt. Mit 259 Millionen wurde noch immer ein Drittel mehr investiert als ein Jahr zuvor. Davon gingen knapp zwei Drittel in das Containergeschäft, weitere 22 Prozent in die Bahnverbindungen von den Terminals ins Hinterland. In erster Linie konzentrierte sich die HHLA auf den Bau neuer Containerbrücken auf dem traditionsreichen Burchardkai. Zudem wurden die Lagerplätze für die Container ausgebaut und ein neuer Containerbahnhof in Betrieb genommen.
Die HHLA setzt auf die vertikale Verkettung ihrer Dienstleistungen entlang der Transportkette zwischen der Kaikante im Überseehafen und Ziel und Quelle der Warenströme im europäischen Hinterland. Dabei kümmert sich die HHLA auch um Zollabwicklung, Lagerung und die Kommissionierung.
Ziel der Warenströme ist aber nicht nur die Ferne. Rund ein Viertel des Containerverkehrs hat ihr Ziel in Hamburg. Der Rest wird weitergeleitet über Straße, Schiene und Seeweg über die Ostsee. Osteuropa ist ein Hauptziel des Containerverkehrs. Die HHLA stellt direkt auf ihren Hafen-Terminals Züge mit bis zu 90 Containern zusammen und setzt sie auf die Schiene nach Prag. Jede Woche fahren über 100 Züge zwischen Hamburg und Prag mit HHLA-eigenen Wagons. Insgesamt beliefert der Hafen ein Hinterland in dem 400 Millionen Menschen leben.
Der Hamburger Hafen lebt in erster Linie vom Handel mit Asien. Dabei laufen die Waren im Hafen ein und werden von dort nach Skandinavien weiter verschifft oder mit der Bahn nach Osteuropa und Russland geleitet./fn/wiz