16.05.2013 16:53
Bewerten
 (0)

ROUNDUP: Hedgefonds werden schärfer reguliert

    BERLIN (dpa-AFX) - Die seit Jahren in der Kritik stehenden Hedgefonds und ihre Manager werden künftig EU-weit einer strengeren Kontrolle unterworfen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf billigte am Donnerstag der Bundestag in Berlin.

    Nach Angaben der Koalition dürfen diese spekulativen Fonds nicht mehr für Privatanleger aufgelegt werden. Auch ausländische Hedgefonds dürften in Deutschland nur noch an sogenannte professionelle oder semi-professionelle Anleger verkauft werden. Kleinanleger sollen so vor besonders risikoreichen Anlagen geschützt werden. Mit dem Gesetz werden zugleich weitere Schwächen in der Regulierung offener Immobilienfonds ausgeräumt.

    Nach dem Gesetz zur Umsetzung der "AIFM-Richtlinie", mit der die EU alternative Investments regulieren will, werden neben offenen Immobilienfonds und Hedgefonds auch "Private Equity Fonds" von Finanzinvestoren der Finanzaufsicht unterstehen. Verwalter müssen laut Koalition unter anderem ein Risiko- und Liquiditätsmanagement einrichten sowie umfangreiche Berichtspflichten gegenüber der Finanzaufsicht erfüllen. Fondsmanager erhalten den Angaben zufolge einen "EU-Pass" für den Vertrieb an professionelle Anleger. Für Manager von Hedgefonds gelten besondere Transparenzpflichten.

    Ein erster Entwurf von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wurde nach Protesten der Finanzwirtschaft entschärft. Ein zunächst erwogenes Verbot neuer offener Immobilienfonds ist vom Tisch. Zu ihrer Stabilisierung werden künftig aber auch Kleinanleger ihre Anteile nur noch höchstens einmal pro Jahr zurückgeben können. Für bereits gehaltene Anteile von Kleinanlegern gelten Bestandsschutzregelungen hinsichtlich der Rückgabemöglichkeiten.

    In der Finanzkrise waren zahlreiche offene Immobilienfonds in Schieflage geraten. Über diese Fonds können sich Anleger mit eher kleinen Beträgen an Immobilien beteiligen, die vermietet werden. Großanleger haben diese Fonds oft als Geldmarktersatz missbraucht und nach kurzer Zeit hohe Summen wieder abgezogen. Steigen viele Anleger aus, geraten die Fonds in Nöte. In der Finanzkrise konnten viele offene Immobilienfonds ihr Versprechen nicht halten, Anteile täglich zurückzunehmen. Etliche Fonds wurden eingefroren und inzwischen auch abgewickelt - zum Schaden oft der Kleinanleger.

    Der Hedgefonds-Manager Markus Sievers von der Firma Apano warnte vor einer Verteufelung der Fonds, die als "Heuschrecken" am Pranger stehen. Hedgefonds seien nicht grundsätzlich aggressiv oder hochspekulativ: "Dies zeigt ein Blick auf die durchschnittlich niedrigere Volatilität von Hedgefonds im Vergleich zu Aktien", erklärte Sievers. "Die Hedgefonds-Branche verfügt zudem über einen Selbstreinigungsprozess. Dieser sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Verantwortung."

    Nach Meinung des Apano-Managers überschätzen Kritiker die Bedeutung der Branche. In Deutschland gebe es so gut wie keine Hedgefonds, sagte er dpa. Das gesamte, von den etwa 10 000 Hedgefonds weltweit verwaltete Vermögen belaufe sich auf nicht einmal 2 500 Milliarden US-Dollar: "Das Volumen einzelner Fondsgesellschaften aus der klassischen Investmentwelt ist deutlich höher." Neben konservativen Anlegern zählten Pensionskassen, Versicherungen und sogar Kirchen zu den Kunden von Hedgefonds.

    Sievers verwies darauf, mit dem Gesetz werde nicht der Vertrieb von Hedgefonds in Deutschland insgesamt verboten, sondern der Verkauf deutscher Single-Hedgefonds. Anleger könnten weiter in Hedgefonds investieren - über Zertifikate, Dach-Hedgefonds und europäische Investmentfonds: "Die politische Forderung, Single-Hedgefonds zu verbieten, ist purer Wahlkampf."/sl/DP/enl

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Unterschätzte Aktienperlen
Peter Lynch wurde als Fondsmanager des Magellan Fonds zu einer Legende. Er erzielte im Zeitraum 1977 bis 1990 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29,2%. Eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Lynch setzte auf einfache und verständliche Geschäftsmodelle und bevorzugt dann, wenn sie für die meisten anderen Börsianer als langweilig erschienen. In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden drei Unternehmen vorgestellt, die solche unterschätzte Aktienperlen sein könnten.

Heute im Fokus

DAX schließt im Minus -- US-Börsen schwächer -- Türkei bringt sich als Deutsche-Bank-Käufer ins Spiel -- Commerzbank: 10.000 Stellen weg? -- Opec einigt sich auf Fördergrenze -- Air Berlin im Fokus

Tesla mit 'Autopilot'-Assistent kollidiert mit Bus. Lufthansa-Aktie schwächster DAX-Wert: Air Berlin-Deal und Ölpreisrally belasten. Deutsche Arbeitslosenquote im September leicht rückläufig. SAP investiert in neue Produkte für vernetzte Firmen. Institut: London soll Schweigen über Brexit lüften.
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Lohnt sich die Rente
Jetzt durchklicken
Das sind die reichsten Nichtakademiker in Europa
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Umfrage

Kanzlerin Merkel will der Deutschen Bank im Streit mit der US-Justiz nicht helfen. Was halten Sie von dieser Einstellung?