ROUNDUP: Hu Jintao zu Merkel: China will Europa in der Krise helfen
Präsident Hu Jintao versicherte der Kanzlerin, China habe Vertrauen in den Euro. "Wir werden jetzt sehen, wie das in die Tat umgesetzt wird", sagte die Regierungsquelle über den möglichen Beitrag Chinas zu Bewältigung der Schuldenkrise. Chinas Führung habe sich bisher nur über den Internationalen Währungsfonds (IWF) engagieren wollen, aber in den Gesprächen mit Merkel erstmals auch den Euro-Rettungsschirm genannt, hoben Regierungskreise hervor.
Nach den Gesprächen mit der Kanzlerin sagte Wen Jiabao, China sehe sich den Rettungsschirm EFSF und seinen im Sommer geplanten Nachfolger ESM an. Staatsmedien zitierten ihn mit den Worten, China denke darüber nach, sich an den Bemühungen zur Lösung der Schuldenkrise über den Euro-Rettungsschirm "stärker zu beteiligen". Deutsche Regierungskreise wollten die Aussagen nicht bewerten, verwiesen aber darauf, dass der EU-China-Gipfel am 14. Februar in Peking Klarheit über Chinas Pläne bringen könnte.
Chinas Regierungschef wies Ängste in Europa vor einer engeren Kooperation mit China bei der Überwindung der Krise zurück. "Einige Leute sagen, das bedeutet, dass China Europa aufkaufen will", sagte Wen Jiabao bei den Wirtschaftsgesprächen. "Das ist eine Sorge, die mit der Realität nichts zu tun hat", sagte der Regierungschef. "China hat weder die Absicht noch die Fähigkeiten dazu."
Bei den Wirtschaftsgesprächen mit Spitzenvertretern deutscher und chinesischer Unternehmen warb Merkel ausdrücklich um chinesische Investitionen. "Deutschland ist ein offenes Land", sagte die Kanzlerin. "Chinesische Unternehmen sind in Deutschland willkommen." Die Kanzlerin forderte China umgekehrt zu einer weiteren Öffnung seines Marktes auf. Deutsche Unternehmen wollten in China die gleichen Bedingungen wie chinesische Unternehmen haben.
Die Kanzlerin zeigte sich zufrieden über ihre Gespräche: "China ist bereit, sich im Rahmen der allgemeinen Verantwortung für die Weltwirtschaft für einen stabilen Euro einzusetzen, wenngleich die Hauptaufgabe in den europäischen Ländern liegt." Merkel und Wen Jiabao kamen überein, "dass jedes Land in Europa seine Aufgaben erfüllen und seinen Beitrag leisten müsse".
Wen Jiabao sprach sich für eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland in der Krise aus, ließ aber offen, wie Chinas Beitrag aussehen könnte. Er mahnte die Europäer, selbst größere Anstrengungen zu unternehmen und nötige Reformen in der Haushalts- und Finanzpolitik zu verfolgen. China verfügt mit 3,18 Billionen US-Dollar über die weltgrößten Devisenreserven. Davon wird nach Schätzungen ein Viertel in Euro gehalten.
Wen Jiabao begleitete die Kanzlerin auf der zweiten Station ihrer dreitägigen Reise in Guangzhou, was Diplomaten als "besondere Geste" werteten. Beide besichtigten ein Werk der deutschen Tunnelbohrer-Firma Herrenknecht. Es gebe "eine ziemlich starke Nachfrage" für seine Maschinen, sagte der Unternehmenschef Martin Herrenknecht bei einer Zeremonie mit beiden Regierungschefs. Die Firma exportiert auch aus China heraus. "In der Finanzkrise wären wir ohne China in einer noch schlechteren Situation", sagte Herrenknecht. Die 1977 gegründete Herrenknecht AG mit Sitz im südbadischen Schwanau ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer beim Bau schwerer Tunnelvortriebstechnik./lw/du /DP/jsl


