AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der angeschlagene niederländische Finanzkonzern ING <INGA.ASX> <INN.FSE> hat einen überraschend positiven Jahresauftakt gemeldet. Für das erste Quartal kündigte der designierte Konzernchef Jan Hommen am Donnerstag in einer Telefonkonferenz deutlich bessere Ergebnisse an als im Schlussquartal 2008, das Experten allerdings als "desaströs" bezeichnet hatten. Außerdem sagte Hommen, der im laufenden Monat offiziell Vorstandschef der Bank werden soll, dass die ING künftig offen für eine Zusammenarbeit mit seinen Wettbewerbern beim Management der Vermögensverwaltung sei. Der Finanzkonzern soll so von einer zu erwartenden Konsolidierung der Finanzmärkte profitieren können.
In ersten Reaktionen zeigten sich Analysten übereinstimmend positiv überrascht vom guten Jahresstart der ING. Allerdings wollten die Experten ohne Kenntnis von konkreten Geschäftszahlen keine genauere Bewertung zum Geschäftsverlauf der ING abgeben. Die Börse reagierte mit starken Kursgewinnen auf die Aussagen zum Jahresauftakt der ING. Die Aktien des Finanzkonzerns standen gegen Mittag an der Spitze der Gewinner im Eurostoxx 50 <SX5E.DJX>, dem Index der führenden europäischen Werte. Zuletzt legten sie 10,71 Prozent auf 5,82 Euro zu.
VERKAUF VON GESCHÄFTSBEREICHEN GEPLANT
Trotz der besseren Ergebnisse zu Beginn des Jahres setzt das ING-Management aber weiter auf einen Konzernumbau zur Sanierung des angeschlagenen Unternehmens. Die ING plant den Verkauf von milliardenschweren Geschäftsbereichen. Demnach sollen Randsparten im Wert von sechs bis acht Milliarden Euro angeboten werden, sobald die Marktbedingungen das zuließen, teilte das Unternehmen weiter mit.
Außerdem sollen Versicherungs- und Bankgeschäft den Angaben zufolge unter dem Konzerndach getrennt geführt werden. Im Versicherungsgeschäft wolle sich das Unternehmen künftig auf Lebens- und Rentenversicherungen konzentrieren. Die Sparte ING Direct, zu der auch die deutsche Tochtergesellschaft ING-DiBa gehört, soll ihre Position als führende Direktbank ausbauen.
Der vom niederländischen Staat mit zehn Milliarden Euro gestützte Finanzkonzern war im vierten Quartal 2008 wegen der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Aufgrund großer Abschreibungen stand in der Bilanz für die Monaten Oktober bis Dezember ein Minus von 3,7 Milliarden Euro./jkr/stb/stw