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28.05.2009 16:36

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ROUNDUP/Kreise: Noch keine Investmentbank mit Ratiopharm-Verkauf beauftragt

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    FRANKFURT (dpa-AFX) - Für den in Kürze startenden Verkaufsprozess des Ulmer Arzneimittelherstellers Ratiopharm ist Finanzkreisen zufolge noch keine Investmentbank beauftragt worden. "Über die Vergabe des Mandates ist noch nicht entschieden", sagte eine mit dem Prozess vertraute Person am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mit einer Entscheidung werde jedoch in wenigen Tagen gerechnet. Unter den Banken zählen die Deutsche Bank <DBK.ETR> sowie die Royal Bank of Scotland (RBS) <RBS.ISE> <RYS.FSE> zu den Favoriten. Als Interessenten für Ratiopharm werden der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis <PSAN.PSE> <SNW.ETR> und der weltgrößte Generikahersteller Teva Pharmaceuticals <TEVA.NAS> <TEV.ETR> neben zwei Finanzinvestoren genannt.

    Bis Anfang 2011 soll Familienerbe Ludwig Merckle nach Aussagen aus den Kreisen Kredite in Höhe von rund acht Milliarden Euro an die Banken zurückzahlen. VEM, die Vermögensverwaltung der Merckle-Gruppe wollte die Zahl nicht kommentieren. Das Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG liege nun komplett vor und bescheinige den wichtigsten Unternehmen der Merckle-Gruppe (Ratiopharm, HeidelbergCement und dem Pharmagroßhändler Phoenix) Sanierungsfähigkeit, sagte die Quelle weiter.

SANIERUNGSKREDIT AUF GUTEM WEG  

    Der Restrukturierungsprozess des Firmenreiches von Adolf Merckle kommt weiter voran und die für Ende Mai geplante Umwandlung des Überbrückungskredites in einen Sanierungskredit sei auf gutem Weg. Die Firmengruppe hatte im Januar mit ihren Gläubigern um die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland einen Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro vereinbart, um einen finanziellen Engpass abzuwenden. Mit dem Abschluss des Ratiopharm-Verkaufs wird nach Aussagen der VEM-Sprecherin nach derzeitigem Stand nicht vor dem Frühjahr 2010 gerechnet. Ratiopharm dürfte bei einem Verkauf Bankenkreisen zufolge rund 3,5 Milliarden Euro einbringen. 2008 hatte die Gesellschaft einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Nach Einschätzung von Branchenkennern sind die Zeiten vorbei, in denen das 2,5 bis 3-fache des Umsatzes für Generikafirmen bezahlt wurde.

    Ludwig Merckle, der älteste Sohn des verstorbenen Firmenpatriarchen Adolf Merckle, hatte im Mai als Alleinerbe alle wesentlichen Beteiligungen der Familie übernommen. Er wurde damit zum Herrscher über einen Konzern mit mehr als 90.000 Beschäftigten und fast 40 Milliarden Euro Umsatz. Ludwigs Bruder Philipp Merckle, der vorübergehend einmal den Pharmahändler Ratiopharm führte, hatte sich bereits vor Monaten von der Geschäftspolitik seines Vaters distanziert.

    Auf Druck der Kreditgeber musste Ludwig Merckle bereits im Januar aus der Geschäftsführung der VEM ausscheiden. Mit dem erfahrenen Kölner Wirtschaftsjuristen Klaus Hubert Görg und dessen Partner Martin Stockhausen kümmern sich seit Februar zwei Treuhänder um den Verkauf und die Sanierung von Ratiopharm. Der frühere KPMG-Chef Harald Wiedmann wurde damals als Treuhänder für den Pharmagroßhändler Phoenix eingesetzt.

INTERESSENTEN FÜR ALLE TEILE DES MERCKLE-IMPERIUMS

    "Es gibt für alle Unternehmensteile Interessenten aus der Branche wie auch Finanzinvestoren", sagte eine weitere Quelle. Der Chef der britischen Firma Alliance Boots, Stefano Pessina, hatte kürzlich im Gespräch mit dem "Handelsblatt" Interesse an Phoenix angemeldet. Eine Offerte habe Alliance Boots aber noch nicht abgegeben. Der Mannheimer Pharmagroßhändler wies 2008/2009 (31. Januar) einen Umsatz von 22,6 Milliarden Euro aus. Allerdings standen auch noch etwa vier Milliarden Euro Finanzschulden in der Bilanz. Die VEM Vermögensverwaltung hatte Anfang Mai einen Bericht zurückgewiesen, wonach der "zeitnahe Verkauf" von Phoenix schon beschlossene Sache sei. Der Kompromiss zur Rettung der Merckle-Unternehmen sieht bislang lediglich den Verkauf des Pharmaunternehmens Ratiopharm vor. Allerdings gilt es unter Beobachtern als sicher, dass zur Tilgung der Schulden neben Ratiopharm auch weitere Teile des Firmenimperiums versilbert werden müssen.

    Vertreter der Unternehmerfamilie Merckle und mehr als 30 Banken hatten sich nach monatelangen Verhandlungen darauf geeinigt, dass Ratiopharm veräußert wird, um die Verbindlichkeiten der Merckle-Gruppe von rund 5 Milliarden Euro zu verringern. Die Merckle-Gruppe war Ende 2008 auch durch die Folgen der Finanzkrise und umfangreiche, überwiegend kreditfinanzierte Engagements von Adolf Merckle in eine Schieflage geraten. Merckle hatte sich im Januar das Leben genommen, kurz vor seinem Tod aber noch den Kompromiss mit den Banken für die Rettung seiner Unternehmen in die Wege geleitet./ep/wiz

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