BONN (dpa-AFX) - Die Deutsche Telekom hat nach Angaben aus Kreisen einen neuen Partner für ihre Geschäftskundentochter T-Systems ins Visier genommen. Derzeit werde mit dem amerikanischen IT-Dienstleister Cognizant über eine Kooperation verhandelt, erfuhr dpa-AFX am Donnerstag aus dem Konzernumfeld. Die Kreise bestätigten damit einen Bericht der "Computerwoche". Alternativ laufen die Gespräche mit dem indischen IT-Konzern Tata Consultancy Services weiter, allerdings sei eine Einigung mit Cognizant wahrscheinlicher.
Über eine Kooperation für den Bereich SI will die Telekom ihre Kosten senken, da künftig Arbeiten preisgünstig in Indien und anderen Niedriglohnländern erbracht werden sollen. Der neue Vorstandschef von T-Systems, Reinhard Clemens, will im März bekanntgegeben, mit wem die Sparte kooperieren will. Alternative zu Cognizant und Tata habe er noch die kanadische CGI-Gruppe in der Hinterhand, wie es in den Kreisen hieß. Ein Telekom-Sprecher betonte, dass Gespräche mit verschiedenen Parteien geführt werden. Namen nannte er nicht.
Der seit Dezember amtierende T-Systems-Chef will seine Pläne für die Geschäftskundensparte am kommenden Mittwoch im Aufsichtsrat der Telekom präsentieren. Allerdings sei offen, ob die obersten Konzernaufseher über den Abschluss einer Kooperation beraten könnten, hieß es im Konzernumfeld. Denkbar sei, dass sich die Gespräche mit Cognizant noch weiter hinzögen. Hinzu komme, dass der Arbeitgeberseite mit dem Rückzug von Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel ein wichtiger Fürsprecher fehlt. Der frühere Post-Chef legt seinen Posten bei der Telekom voraussichtlich in der kommenden Woche nieder.
Die Suche nach einem Partner für T-Systems erhält mit Cognizant erneut eine Wendung. Vorstandschef René Obermann hatte vor einem Jahr angekündigt, die Konzerntochter in eine Partnerschaft einzubringen. Nach einer eingehenden Analyse war dann die Kooperation auf den Bereich Systemintegration (SI) mit seinen rund 18.000 Programmierern und IT-Spezialisten eingegrenzt worden. Nach einer Vielzahl von Gesprächen wurde Ende Januar exklusiv mit Tata Consultancy verhandelt. Die Verhandlungen gestalteten sich aber schwierig, da die Inder Bedenken wegen der hohen Lohnkosten hatten.
Clemens hoffe nun auf einen Abschluss mit Cognizant. Das Unternehmen verfügt neben dem US-Markt über eine starke Stellung in Indien. Cognizant kam im vergangenen Jahr auf einen Überschuss von 350 Millionen US-Dollar und einen Umsatz von 2,14 Milliarden Dollar - ein Zuwachs von 50 Prozent. Ende 2007 beschäftigte die Gesellschaft 55.000 Mitarbeiter, deren Zahl bis zum Jahresende auf bis zu 75.000 erhöht werden soll./mur/wiz