MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Münchner Lastwagenbauer
MAN hat eine Lösung für die von einer Schmiergeldaffäre erschütterte Ex-Tochter Ferrostaal gefunden. MAN kauft die Beteiligung von 70 Prozent vom Haupteigner IPIC zurück, wie MAN am Montag in München mitteilte. Im Anschluss soll das gesamte Unternehmen Ferrostaal unmittelbar in die Hände der Beteiligungsgesellschaft MPC Gruppe übergehen. MAN halte anschließend keine Anteile mehr am Essener Industriedienstleister.
An der Börse wurde die Einigung positiv aufgenommen. Die MAN-Papiere notierten im frühen Handel mit 3,57 Prozent im Plus bei 57,97 Euro.
MAN ZAHLT 350 MILLIONEN EURO - BEKOMMT 160 MILLIONEN EURO
Für den Rückkauf der Anteile zahlt MAN an IPIC, einem Staatsfonds aus Abu Dhabi, 350 Millionen Euro. Die MPC Gruppe übernehme ihrerseits Ferrostaal zu einem Kaufpreis von bis zu 160 Millionen Euro. Mit der Einigung seien sämtliche Ansprüche zwischen MAN und IPIC abgegolten. Die Transaktion soll nach Freigabe der Wettbewerbsbehörden vollzogen werden.
MAN-Finanzvorstand Frank Lutz, der das Unternehmen im Aufsichtsrat von Ferrostaal vertritt, sagte: "Wir freuen uns sehr, dass wir die Gespräche mit IPIC in versöhnlicher Weise beenden konnten mit einem Ergebnis, das für alle Beteiligten akzeptabel ist. Wir haben den Weg für einen erfolgreichen Neustart der Ferrostaal bereitet." Auch IPIC-Chef Khadem Al Qubaisi zeigte sich versöhnlich: "Diese Vergleichsvereinbarung ist das Ergebnis einer sehr guten Zusammenarbeit der beiden Anteilseigner und ermöglicht IPIC und MAN, ihre Unstimmigkeiten endgültig beiseite zu legen."
STREIT GEHT SEIT MONATEN
IPIC und MAN hatten sich über Monate darüber gestritten, wer die Folgen der Korruptionsaffäre bei Ferrostaal zu tragen hat. Das Golf-Emirat drang auf eine Rückabwicklung des Geschäfts, da die unsauberen Machenschaften erst nach dem Mehrheitserwerb aufgedeckt wurden, aber unter der alleinigen Eigentümerschaft von MAN geschahen. MAN hätte dagegen am liebsten auch seine Restbeteiligung von 30 Prozent an IPIC abgegeben. Ein Vergleichsangebot von MAN hatte IPIC im Frühjahr abgelehnt.
Ferrostaal ist vor allem im Anlagenbau stark und wickelt für deutsche Unternehmen Geschäfte im Ausland ab. Die Schmiergeldvorwürfe drehen sich unter anderem um U-Boot-Geschäfte mit Griechenland. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Ferrostaal mit 5.373 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 90 Millionen Euro. Für dieses Jahr wird laut Medienberichten erstmals seit Jahrzehnten ein Verlust erwartet. Das "Handelsblatt" (HB/Montag) beziffert den erwarteten Fehlbetrag auf 60 Millionen Euro. Die Hamburger Finanzinvestor MPC Gruppe ist den Angaben zufolge bislang in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Schiffe und Schiffsbau sowie Rohstoff- und Maschinenhandel tätig.
ZUNEHMENDE BELASTUNG
Die ungeklärte Eigentümerfrage hatte die Geschäfte von Ferrostaal in den vergangenen Monaten zunehmend belastet. Die Banken verlangten höhere Sicherheiten für die bei dem Geschäftsmodell des Unternehmens unverzichtbaren Kredite. IPIC hatte sich im Oktober bereiterklärt, Garantien für auslaufende Kreditlinien zu übernehmen. Im Oktober hatte Ferrostaal auch ein Bußgeld der Staatsanwaltschaft München über 149 Millionen Euro akzeptiert, gegen das die Ermittlungen eingestellt werden sollen.
Laut dem "Handelsblatt" ist damit auch eine Hürde bei der geplanten Lastwagen-Allianz aus MAN und Scania unter dem VW-Dach aus dem Weg geräumt. VW werde nun schnell Fakten schaffen, schreibt das Blatt. In einem ersten Schritt wollten VW und MAN ein Konkurrenz-Modell zum Transporter Sprinter von Daimler entwickeln. Daimler baut den Sprinter bislang in einer Partnerschaft mit Volkswagen. Unter dem VW-Logo wird das Modell als Crafter verkauft. IPIC hatte versucht, Volkswagen bei der Lösung des Konflikts ins Spiel zu bringen, nachdem die Wolfsburger im Sommer die Mehrheit bei MAN übernommen hatten./dct/fn/wiz