MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re (
Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft) will seine Aktionäre nach dem Katastrophenjahr 2011 bei Laune halten. Die
Dividende wird trotz eines Gewinneinbruchs nicht gekürzt, und schon bald sollen unter dem Strich wieder Milliarden stehen. Im vergangenen Jahr brach der Gewinn wegen der Erdbeben in Japan und Neuseeland, der Tornadoserie in den USA, der Überschwemmungen in Australien und Thailand nach vorläufigen Zahlen um mehr als zwei Drittel auf 710 Millionen Euro ein, wie der Dax-Konzern (
DAX) am Donnerstag in München mitteilte.
Für die geplante Dividende von 6,25 Euro je Aktie geht die Munich Re an die Reserven: Insgesamt will sie mit 1,1 Milliarden Euro mehr ausschütten, als sie im Katastrophenjahr verdient hat. Dennoch sieht sich der Konzern bestens kapitalisiert: Das Eigenkapital wuchs selbst im Katastrophenjahr um ein Prozent auf 23,3 Milliarden Euro. Aktie legte leicht zu. Nach einem anfänglichen Kurssprung lag das Papier zuletzt noch mit 0,15 Prozent im Plus bei 101,70 Euro und damit in der Mitte des Dax (DAX). Analysten lobten die stabile Dividende und den Ausblick.
ERWARTUNGEN ÜBERTROFFEN - STEUEREFFEKT
Unter dem Strich übertraf der Konzern die Erwartungen der Branchenexperten. Dies lag jedoch auch an einem Steuerertrag von 550 Millionen Euro, der den Großteil des Jahresgewinns ausmachte. "Ein Jahr wie 2011 haben wir noch nicht erlebt - extreme Belastungen durch Naturkatastrophen und dazu die Finanzkrise", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. "Man kann nach so einem Jahr nicht zufrieden sein." Als Ziel für 2012 nannte er einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro als "passende Größenordnung". Das wäre so viel wie im Jahr 2010.
War es nicht genug, dass die Hochwasserkatastrophe in Thailand bei den Münchnern im vierten Quartal mit einer halben Milliarde Euro zu Buche schlug, korrigierte das Unternehmen auch noch die Schadenbelastung aus den Erdbeben in Neuseeland nach oben. Statt 1,1 Milliarden Euro hat die Munich Re nun voraussichtlich mit 1,5 Milliarden Euro zu begleichen - ebenso viel wie für die Folgen von Erdbeben und Tsunami in Japan.
TEUERSTES KATASTROPHENJAHR
Für die Versicherungsbranche war das Naturkatastrophenjahr 2011 nach Berechnungen der Munich Re das teuerste aller Zeiten. Die versicherten Schäden von 105 Milliarden US-Dollar (80 Mrd Euro) übertrafen sogar den Wert aus dem Hurrikan-Jahr 2005 mit den Wirbelstürmen Katrina, Wilma und Rita. Bei der Munich Re reichten die Beitragseinnahmen in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung daher nicht aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 113,6 Prozent weit über der kritischen 100-Prozent-Marke.
Besser lief es bei der Erstversicherungstochter Ergo. Hier blieb die kombinierte Schaden-Kosten-Quote mit 97,8 Prozent im unkritischen Bereich. Ihren Gewinn konnte Ergo trotz der Skandale um eine Vertreterveranstaltung mit Prostituierten in Budapest und Fehler bei Riester-Renten um ein Zehntel steigern.
SCHULDENKRISE BELASTET
Teuer kam die Munich Re und ihre Kunden die griechische Schuldenkrise zu stehen. Im Gesamtjahr 2011 summierten sich die Abschreibungen auf die Anleihen des Schuldenstaats nun auf 1,2 Milliarden Euro. Jetzt stehen sie noch mit rund 400 Millionen Euro in den Büchern, das entspricht 23 Prozent des Nennwerts. Ihren Bestand an italienischen Staatspapieren fuhr die Munich Re im vierten Quartal um mehr als ein Drittel auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Finanzchef Schneider erwartet allerdings, dass sich Italien nach den eingeleiteten Reformen fängt.
Bei der wichtigen Vertragserneuerung im Januar konnte die Munich Re in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung Preiserhöhungen von rund zwei Prozent durchsetzen. "Wir können mit der Erneuerung in diesem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zufrieden sein", sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. Auch wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt müsse das Prämienniveau steigen. Im Januar stand rund die Hälfte der Verträge zur Erneuerung an. Durch ein gutes Neugeschäft, nachgebesserte Altverträge und höhere Preise legt das Beitragsvolumen um 2,6 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro zu.
HÖHERE ERWARTUNGEN
Für die weiteren Vertragserneuerungen in diesem Jahr schürten Jeworrek und Schneider höhere Erwartungen. In mehreren Regionen, die 2011 von Katastrophen schwer getroffen wurden, stünden die Vertragsabschlüsse erst im April und Juli an. Dort seien daher deutlichere Preissteigerungen zu erwarten./stw/zb/wiz