MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der australische Medienmogul Rupert Murdoch will den schwer angeschlagenen Pay-TV-Sender Premiere retten. Sein Unternehmen News Corp wolle eine Kapitalerhöhung von insgesamt 450 Millionen Euro absichern, teilte Premiere am Dienstag in München mit. Die Unterstützung werde an zwei Bedingungen geknüpft. Zum einen verlangte News Corps die Zusicherung neuer Kreditlinien der Banken, zum anderen soll die Finanzaufsicht BaFin Murdoch davon befreien, den Aktionären Angebot zur Übernahme des Senders machen zu müssen. Dazu sind Investoren eigentlich verpflichtet, wenn ihre Beteiligung 30 Prozent erreicht oder übersteigt. Derzeit hält News Corp gut ein Viertel der Premiere-Anteile. Die Banken sagten laut Premiere neue Kredite von bis zu 525 Millionen Euro zu.
Den kurzfristigen Bedarf an Liquidität will Premiere in einer ersten Tranche einnehmen. Dabei soll die Zahl der Aktien um 10,2 Millionen auf 108,6 Millionen steigen. Dadurch erwartet Premiere einen Zufluss von mindestens 25 Millionen Euro. News Corp sichert das Gelingen mit einer Mindestabnahme von 7,8 Millionen Stück zu 3,19 Euro ab. Die zunächst begrenzte Menge neuer Aktien garantiert, dass Murdochs Anteil zunächst nicht über 29,9 Prozent steigt. Durch einen verbundenen Kredit soll die insgesamt einzunehmende Summe bei 50 Millionen Euro liegen.
GROSSER TEIL DER KAPITALERHÖHUNG BIS MITTE 2009
Bisherige Premiere-Aktionäre können für 11 alte Aktien 1 neue kaufen. Der Bezugspreis liegt bei mindestens 3,19 Euro, kann sich allerdings abhängig vom Aktienkurs noch erhöhen. Der endgültige Preis soll am 8. Januar festgelegt werden. Am Montag schloss das Papier mit einem Abschlag von knapp neun Prozent bei 4,26 Euro. Premiere war damit an der Börse rund 479 Millionen Euro wert. Am Dienstag veränderte sich die Aktie im frühen vorbörslichen Handel kaum.
Der wesentlich größere Teil der Kapitalerhöhung von bis zu 425 Millionen Euro soll dann im zweiten Quartal über die Bühne gehen. Davor muss Premiere sich dieses Vorhaben noch von einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigen lassen. Diese solle bis Ende März stattfinden.
HOHER VERLUST IM KOMMENDEN JAHR
Der Bundesliga-Sender Premiere war zuletzt tief in die roten Zahlen gerutscht. In diesem Jahr erwartet Premiere weiter einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 40 und 60 Millionen Euro. Wirtschaftsprüfer hätten die Sanierungsbedürftigkeit bestätigt, schrieb der Sender in seiner Mitteilung. Zugleich hätten sie aber festgestellt, dass Premiere auch auf Grundlage der neuen Finanzierung sanierungsfähig ist.
Das Unternehmen kündigte "erhebliche" Investitionen ins Programm an. Die Preis- und Angebotsstruktur solle übersichtlicher und die "Schlagkraft" des Marketings erhöht werden. So will der Sender den Umsatz im kommenden Jahr um 50 Millionen Euro steigern. 2008 soll der Erlös um rund drei Prozent auf 1,015 Milliarden Euro steigen. Wegen der anstehenden Investitionen rechnet der Sender zugleich im kommenden Jahr mit einem negativen Cash-Flow zwischen 250 und 275 Millionen Euro sowie einem "signifikanten" EBITDA-Verlust. Die Gewinnschwelle bei EBITDA und Cash-Flow solle Ende 2010 erreicht werden, hieß es. Profitabel will Premiere von 2011 an sein./nl/zb