FRANKFURT/PARIS/MADRID (dpa-AFX) - Trotz neuer EU-Vorgaben und eines hohen Schuldenschnitts bei griechischen Staatsanleihen atmen die Großbanken europaweit auf. Das Damoklesschwert einer zwangsweisen Teilverstaatlichung ist nach dem EU-Gipfel erst einmal vom Tisch. Allerdings müssen sich die europäischen Großbanken bis Mitte 2012 finanziell besser aufstellen. Zudem müssen sie jetzt wesentlich mehr zur Entschuldung Griechenlands beitragen als noch Mitte Juli gedacht. Doch wenige Stunden nach dem Gipfel betonten die meisten Großbanken, dass sie ohne Staatsgeld auskommen werden. Die Banken wollen ihre Risiken zurückfahren, sich von einzelnen Geschäftsbereichen trennen und Gewinne einbehalten.
Die europäische Bankenaufsicht EBA hat europaweit einen Kapitalbedarf von 106 Milliarden Euro identifiziert. Neben den griechischen Instituten sind davon vor allem die spanischen, italienischen und französischen Häuser betroffen. Aus Spanien und Frankreich kam von den großen Häusern bereits beruhigende Signale. So wollen sowohl die spanischen Großbanken BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) und Santander (Banco Santander Central Hispano) ohne Staatsgeld auskommen und ihre Kapitalquote bis Mitte 2012 sogar auf mehr als zehn Prozent anheben - rund ein Prozentpunkt mehr als von der EU gefordert. Beide wollen dabei sogar an Dividendenzahlungen festhalten.
BANK-AKTIEN LEGEN KRÄFTIG ZU
Auch die größte französische Bank BNP Paribas beteuert, trotz des erwarteten Schuldenschnitts von 50 Prozent und des höheren Kapitalbedarfs kein frisches Geld zu benötigen. Die gleichen Signale kamen von der Commerzbank. Die ohnehin teilverstaatliche zweitgrößte deutsche Bank braucht nicht noch mehr Geld von der Regierung. "Wir haben nicht vor, öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen", sagte Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz. Die Kernkapitalquote von neun Prozent bei gleichzeitiger marktgerechter Bewertung der Staatsanleihen könne die Bank unter anderem durch den Verkauf von Finanzanlagen oder den Abbau von Krediten im Nicht-Kernbereich oder von nichtstrategischen Geschäftsfeldern sicherstellen.
Die Deutsche Bank hatte bereits am Dienstag bei der Vorlage ihrer Zahlen für das dritte Quartal signalisiert, dass sie sich gut für die neuen Regeln gerüstet fühlt. Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten gefeiert. Die Papiere europäischer Banken schossen in die Höhe. Der Branchenindex STOXX Europe 600 Banks legte am Vormittag um mehr als fünf Prozent zu. Die größten Gewinner kamen dabei aus Frankreich, die in den vergangenen Wochen mit am stärksten verloren hatten. So legte beispielsweise die BNP um knapp 12 Prozent zu. Deutsche-Bank-Aktien gewannen knapp neun Prozent - auch für die Commerzbank ging es um neun Prozent nach oben./zb/enl/tw