WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Quandt-Erbin Susanne Klatten ist überraschend beim Kohlenstoff-Spezialisten SGL eingestiegen. Über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion hat sie sich knapp acht Prozent an den Wiesbadenern gesichert und will die Beteiligung ausbauen. Eine Sperrminorität strebt die Gesellschaft nicht an. "Wir werden definitiv unter der Schwelle von 25 Prozent bleiben", sagte ein Sprecher von Klattens Firma am Montag. Es gehe um ein langfristiges nachhaltiges Investment, betonte er. SGL-Vorstandschef Robert Koehler begrüßte den neuen "Ankerinvestor", von dem er sich etwas mehr Stabilität für die
Aktie in den turbulenten Börsenzeiten erhofft.
An der Börse sorgte der Einstieg der Milliardärin für Begeisterung. Das Papier sprang am Montag um bis zu 22 Prozent auf 20,80 Euro und setzte sich klar an die Spitze des MDAX . Den kräftigen Sprung führten die Marktteilnehmer vor allem darauf zurück, dass der Schritt völlig unerwartet gekommen sei. Zudem stützt die Phantasie einer Mehrheitsübernahme, obwohl dieser Schritt vom SKion-Sprecher klar ausgeschlossen wurde.
STRATEGISCHES INVESTMENT
SKion übernimmt zunächst 7,92 Prozent der SGL-Anteile, das entspricht 5,124 Millionen Aktien. Die Aufstockung auf knapp unter 25 Prozent soll möglichst zeitnah erfolgen. Dazu hat sich SKion bereits Positionen über derivative Kapitalmarktinstrumente - so genannte "Cash Settled Swaps" - aufgebaut. Damit hat die Beteiligungsgesellschaft zwar noch keinen rechtlichen Anspruch auf die SGL-Aktien, der Schritt sichert ihr aber einen bestimmten Kurs. Ähnlich ging Porsche bei der Aufstockung seiner VW-Beteiligung vor.
Der SKion-Sprecher sagte, es handele sich um ein strategisches Investment. "Wir sind von der Wachstumsstrategie des Unternehmens überzeugt." SGL sei ein sehr forschungsstarkes und innovatives Unternehmen und passe gut in das Portfolio von SKion.
SGL BEGRÜSST EINSTIEG VON SKION SGL-Chef Koehler begrüßte den Einstieg von SKion. "Aufgrund der hohen Volatilität der Aktienmärkte ist es seit geraumer Zeit unsere Strategie gewesen, langfristig orientierte Investoren zu gewinnen." Der Maschinenbauer Voith und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) halten bereits jeweils knapp über fünf Prozent an SGL. Koehler betonte, SKion stehe für wertorientierte und langfristige Investitionen in führende Technologie- und Industrieunternehmen. Die Beteiligungsgesellschaft der Milliardärin und BMW-Erbin Klatten hat in jüngster Zeit vor allem durch die angestrebte Komplettübernahme von ALTANA von sich Reden gemacht. Mittlerweile hält SKion knapp 90 Prozent an dem Spezialchemiekonzern. Zudem ist Klatten mit rund 20 Prozent an dem Windkraftanlagen-Hersteller Nordex beteiligt. Susanne Klatten gilt als reichste Frau Deutschlands. Mit gerade 20 Jahren erbte sie nach dem Tod ihres Vaters Herbert Quandt 1982 große Aktienpakete an BMW und an ALTANA./sb/nl/zb