STOCKHOLM/KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Die angeschlagene skandinavische Fluggesellschaft SAS wirft sich nach neuen Verlusten der Deutschen Lufthansa (
Deutsche Lufthansa) an den Hals. Bei der größten deutschen Airline gibt man sich allerdings zurückhaltend - eine Sprecherin lehnte am Donnerstag zunächst jeglichen Kommentar ab. Im November hatte Lufthansa-Vorstandsvize Christoph Franz einen Einstieg bei SAS ausgeschlossen. "Wir können ja nicht alle Probleme der Weltluftfahrt lösen", sagte er damals. Die Lufthansa müsse erst einmal die Newcomer im Verbund sanieren und integrieren und habe selbst ihr "eigenes Päckchen zu tragen".
SCHUTZ DES KRANICHS IM AUGE
SAS-Chef Mats Jansson hatte in der Kopenhagener Wirtschaftszeitung "Børsen" (Donnerstag) die Übernahme durch einen der Marktführer in Europa als Ziel ausgegeben. "Ist man Teil eines größeren Unternehmens wie etwa Swiss in der Lufthansa, ist man besser vor den enormen Schwankungen unserer Branche geschützt", sagte Jansson in dem Interview.
Die Lufthansa lässt ihre Tochtergesellschaften im Verbund großenteils eigenständig agieren. Im vergangenen Jahr hatte sie die britische Fluglinie BMI und die österreichische AUA übernommen. Beide Airlines schrieben zuletzt Verluste und sollen nun in die Gewinnzone zurückgeführt werden, wie einige Jahre zuvor die Swiss. Außerdem hat die Lufthansa die Komplettübernahme der belgischen Brussels Airlines im Auge, an der sie bereits beteiligt ist.
SAS IN ROTEN ZAHLEN
Die teilstaatliche, in Dänemark, Norwegen und Schweden aktive SAS gilt bereits seit Jahren als Übernahmekandidat für den deutschen Branchenführer. Im vergangenen Jahr flog das Traditionsunternehmen ein Minus von 2,9 Milliarden Schwedische Kronen (286 Mio Euro) ein und muss von seinen Haupteignern mit fünf Milliarden Kronen zusätzlichem Kapital gestützt werden. Die Lufthansa kämpft nach den hohen Gewinnen der Vorjahre ebenfalls gegen Verluste und hat zuletzt einen harten Sparkurs eingeleitet. In der Passagiersparte will sie mittelfristig ein Fünftel der Stellen einsparen. Bis Ende kommenden Jahres sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.
Die Skandinavier arbeiten mit der Lufthansa bereits in der Star Alliance und bei Direktverbindungen zwischen Nordeuropa und Deutschland zusammen. Jansson sagte, die Selbstständigkeit sei für SAS "kein Ziel in sich". Das Unternehmen müsse aber erst die Rezession überstehen und "wieder in Gang kommen", ehe man mit möglichen Partnern sprechen könne.
UNTERSTÜTZUNG DER GEWERKSCHAFTEN
Auch die bisher gegen jede Übernahme durch einen größeren Konzern eingestellten Gewerkschaften stehen der Lufthansa positiv gegenüber. Der Chef der Pilotenvertretung, Mogens Holgaard, sagte in "Børsen": "Wir sind offen für eine Fusion." In dem Bericht wurde als weiterer Kandidat für eine Übernahme von SAS der Lufthansa-Konkurrent Air France-KLM genannt. Dieser gehört zum konkurrierenden Luftfahrtbündnis Skyteam, so dass SAS bei einer Übernahme durch den französisch-niederländischen Konzern auch ein Bündniswechsel bevorstünde./stw/tb/DP/tw