(Aussagen des Vorstandes, mehr Details, Aktienkurs)
PARIS (dpa-AFX) - Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis (Sanofi) stellt sich wegen der zunehmenden Konkurrenz für bisherige Kassenschlager auf einen Gewinnrückgang ein. Der Überschuss je Aktie vor Sonderposten werde im laufenden Geschäftsjahr 12 bis 15 Prozent hinter dem Vorjahr zurückbleiben, teilte die weltweite Nummer vier der Branche am Mittwoch in Paris mit. 2011 sei mit etlichen Patentabläufen ein Jahr des Übergangs gewesen, sagte Konzernchef Christopher Viehbacher bei Vorlage der Bilanz.
Mit der Tochter Genzyme, neuen Produkten und der effizienteren Forschung sei Sanofi für 2013 gut aufgestellt. Die Aktionäre können sich mit 2,65 Euro pro Aktie auf eine höhere Dividende (2010: 2,50) einstellen. 2011 würden 40 Prozent des Gewinns nach Steuern ausgeschüttet, 2013 sollen es 50 Prozent sein.
Im Vorjahr konnten die starke Nachfrage aus den Schwellenländern und das in Frankfurt-Höchst hergestellte Diabetesmittel Lantus die negativen Einbußen durch billigere Nachahmerpillen teilweise kompensieren. Lantus war mit einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro (plus 15 Prozent) das mit Abstand wichtigste Medikament für Sanofi. Bei den Mitteln gegen die Volkskrankheit Diabetes sind die Franzosen weltweit die Nummer zwei hinter der dänischen Novo Nordisk.
Mit der Übernahme von Genzyme konnte Sanofi die Auswirkungen der Patentverluste erneut abfedern. Der US-Konzern wird seit April vergangenen Jahres voll konsolidiert und hat im Vorjahr einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro beigesteuert. Sanofi hatte Genzyme für rund 15 Milliarden Euro übernommen. Die Biotech-Tochter ist auf schwer zu kopierende Medikamente gegen seltene Krankheiten spezialisiert. Die Übernahme war der größte Zukauf seit dem Kauf von Aventis 2004. Seit Viehbachers Amtsantritt Ende 2008 hat Sanofi rund 30 Milliarden Euro für Übernahmen und neue Produktrechte ausgegeben. Ende 2011 stand eine Nettoverschuldung von 9,2 Milliarden Euro einem operativen Mittelzufluss von 10,5 Milliarden Euro gegenüber. Sanofi sei finanziell gut aufgestellt, um weitere Zukäufe zu tätigen.
Dank Einsparungen und geringerer Steuern wies der Bayer-Konkurrent einen Gewinn von 5,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 5,4) aus. Vor Sonderposten war der Überschuss rückläufig und fiel um 4,6 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Damit trafen die Pariser die Erwartungen der Analysten. Der Konzernumsatz legte auch dank der Nachfrage aus den Vereinigten Staaten und den Verkaufszahlen des Krebsmittels Eloxatin, um 3,2 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro zu.
Bis zum Mittag entwickelten sich Sanofi-Titel mit einem Minus von 1,79 Prozent auf 55,52 Euro schlechter als der Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50)Index, der 0,88 Prozent im Plus lag.
Sanofi sieht sich auf gutem Weg, die Auswirkungen der Patentabläufe für wichtige Produkte wie den Gerinnungshemmer Lovenox oder das Krebsmittel Taxotere, die von Generika angegriffen werden, hinter sich zu lassen. "Wir müssen neue Wachstumstreiber finden, um in den kommenden Jahren den Umsatz- und Gewinnrückgang durch die Patentverluste auszugleichen", sagte Viehbacher. Kernbereiche wie die Diabetessparte, das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten (OTC) mit dem Allergiemittel Allegra und die Präsenz in den Schwellenländern sollen gestärkt werden. Bis 2015 soll der Anteil auf 40 Prozent steigen.
Zudem hat der Deutsch-Kanadier bereits einen weitreichenden Umbau eingeleitet und Kosten gesenkt. Künftig wollen die Franzosen Medikamente mehr als bisher mit externen Partnern und Biotech-Unternehmen entwickeln. In Höchst sollen bis Ende 2012 rund 330 Arbeitsplätze wegfallen, hatte Sanofi im November mitgeteilt. Frankfurt-Höchst soll neben Paris, Boston und Peking eines der vier Forschungszentren für Sanofi sein. Gespräche über Sozialpläne liefen derzeit an, sagte Arbeitnehmervertreter Friedhelm Conradi der dpa-AFX.
Sanofi ist mit dem Problem Patentablauf nicht alleine: Laut Branchendienst IMS Health verlieren bis 2013 Medikamente mit einem Umsatz von rund 135 Milliarden Dollar weltweit ihren lukrativen Patentschutz - das ist mehr als je zuvor. Insgesamt hat der Weltpharmamarkt einen Umsatz von fast 900 Milliarden Dollar./ep/tw/wiz