LONDON (dpa-AFX) - Mit einer "Entschuldigung an die Nation" versucht der Medienkonzern von Rupert Murdoch das im Abhörskandal verlorene Vertrauen der Briten zurückzugewinnen. Gleichzeitig verteidigte Murdoch das Vorgehen seines Unternehmens in der Krise, die "extrem gut gehandhabt" worden sei, wie er dem "Wall Street Journal" sagte. Dennoch hat die US-Bundespolizei FBI Vorermittlungen aufgenommen. Sie will herausfinden, ob Murdochs Journalisten auch in den USA Mailboxen abgehört und Polizisten bestochen haben.
Der Europa-Chef des Medienkonzerns News Corp., James Murdoch, kündigte an, Anzeigen in allen Wochenendausgaben der landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens zu schalten. "Das Unternehmen hat Fehler gemacht", räumte er in einer Notiz an seine Mitarbeiter ein. "Wir werden uns bei der Nation entschuldigen, für das, was passiert ist." Die Anzeigenkunden sollen in gesonderten Briefen über das Krisenmanagement informiert worden. Die Murdoch-Zeitungen haben seit Beginn der Krise vor knapp zwei Wochen laut Medien-Analyse massiv an Anzeigenaufkommen und Auflage verloren.
Die Vorstandsvorsitzende von Murdochs britischer Zeitungsholding News International, Rebekah Brooks, trat unter großem öffentlichen Druck zurück. Politiker aller Parteien, darunter Premierminister David Cameron, bezeichneten den Rücktritt als richtigen Schritt. Für die mitregierenden Liberaldemokraten und die Labour-Opposition kam er "zu spät". Ihren Posten übernimmt der bisherige Sky-Italia-Chef Tom Mockridge. Brooks sagte, sie empfinde "ein tiefes Gefühl der Verantwortung für die Menschen, die wir verletzt haben".
Die 43-Jährige gilt als enge Vertraute von Rupert Murdoch. Ihr wurden auch enge Kontakte zu Premier Cameron nachgesagt. Sie war bis 2003 Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Skandalzeitung "News of the World" und wechselte dann zum Murdoch-Boulevardblatt "The Sun", ehe Murdoch sie 2009 zur Verlagsmanagerin machte. In Brooks Zeit fällt auch das Abhören der Mobil-Mailbox des Entführungsopfers Milly Dowler. "News of the World"-Reporter sollen die Mailbox der 13-Jährigen manipuliert und damit die Hoffnungen der Eltern und die Ermittlungen der Polizei in die Irre geleitet haben.
In seinem Interview mit dem "Wall Street Journal" - einem der journalistischen Aushängeschilder seines Konzerns - beendete Rupert Murdoch Spekulationen, wonach er sich von seinem britischen Zeitungsgeschäft trennen könnte. Solche Berichte bezeichnete er als "puren Müll". Seinen Sohn James verteidigte er gegen Vorwürfe, dieser habe zu spät eingegriffen. "Ich denke, er hat in dem Moment so rasch gehandelt wie er konnte", sagte der 80 Jahre alte Medienzar der US-Zeitung. Die Abhöraffäre habe in seinem Konzern bisher "keine Schäden hinterlassen, die nicht repariert werden könnten".
Wegen illegaler Abhörmethoden und der Bestechung von Polizisten musste Murdoch sein sonntäglich erscheinendes Boulevardblatt "News of the World" einstellen. Seine Pläne, für rund acht Milliarden Pfund (9,1 Milliarden Euro) die restlichen 61 Prozent an dem britischen Fernsehkonzern British Sky Broadcasting (BSKYB) (BOeWE SYSTEC)zu übernehmen, musste er auf massiven Druck der Politik ebenfalls fallen lassen. Die Aktienkurse von BSkyB, an dem Murdoch bisher 39 Prozent hält, und des Gesamtkonzerns News Corp. sanken drastisch.
Rupert Murdoch, sein Sohn James und Rebekah Brooks werden am kommenden Dienstag vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der Abhöraffäre aussagen. Dabei wird erwartet, dass Murdoch Anschuldigungen zurückweisen wird. Unter anderem hatte der frühere britische Premierminister Gordon Brown den gesamten Verlag News International als "kriminell" bezeichnet. Brown liege "komplett falsch" sagte Murdoch dem "Wall Street Journal" und fügte hinzu, die Browns seien "immer Freunde von uns" gewesen./dm/das/DP/she