HAMBURG (dpa-AFX) - Die Sietas Werft in Hamburg-Neuenfelde steht wieder auf der Kippe. Der Kaufvertrag mit der niederländischen VeKa Group kann nicht unterzeichnet werden, weil ein fest geplanter Auftrag erst einmal nicht kommt, teilte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung mit. Der bereits vereinbarte Verkauf ist damit geplatzt.
Hintergrund sind die Verzögerungen bei der Energiewende. Sietas baut zur Zeit das erste Errichterschiff für Windparks in Deutschland und sollte für das ebenfalls niederländische Unternehmen Van Oord ein zweites baugleiches Schiff herstellen. Dieser Auftrag wird aber zunächst nicht erteilt, weil der Energiekonzern EnBW seine Entscheidung für den Bau des Offshore-Windparks Hohe See verschoben hat. Sietas mit rund 400 Mitarbeitern bleibt nun eine Galgenfrist bis Ende Februar, um neue Aufträge und einen Investor zu gewinnen.
"Die Sietas Werft, ihre 400 Mitarbeiter und 26 Auszubildenden befinden sich jetzt in einer sehr schwierigen Lage", sagte Brinkmann. Um den Auftrag doch noch realisieren zu können, müsste die Bundesregierung die Probleme bei der Umsetzung der Energiewende schneller aufgreifen und lösen. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) kündigte eine Bundesratsinitiative an, um Änderungen am Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu erreichen. Das solle den Ausbau der Offshore-Windenergie beschleunigen und helfen, das zukunftsfähige Know-how in den norddeutschen Zulieferunternehmen zu erhalten.
Die IG Metall Küste kritisierte die Energiepolitik der Bundesregierung. "Sietas darf nicht das Opfer einer verpatzten Energiewende werden", sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. "Dass sich der Folgeauftrag für das Errichterschiff verzögert und ein Verkauf bislang nicht möglich war, ist die Folge einer desaströsen Energiepolitik." Die IG Metall Küste sehe im Ausbau der Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee eine Jahrhundertchance für die strukturschwache Küste, aber auch für die Bundesrepublik insgesamt. "Das bislang vorherrschende Chaos bei der Energiewende geht zulasten der Beschäftigten. Sie sind die Leidtragenden", sagte Geiken./egi/DP/kja