DÜSSELDORF/ESSEN (dpa-AFX) - Die beiden größten deutschen Energieversorger Eon und
RWE kommen bei ihrem Ausstieg aus der Atomenergie voran. Die Konzerne haben ihre britische Nukleartochter Horizon verkauft, wie beide am Dienstag mitteilten. Neuer Besitzer von Horizon Nuclear Power wird für insgesamt rund 696 Millionen Pfund (866 Mio Euro) der japanische Industriekonzern
Hitachi. Eon und RWE hielten jeweils die Hälfte an dem Gemeinschaftsunternehmen. Die
Aktien reagierten uneinheitlich.
Eon und RWE wollten mit dem Joint Venture 2009 von dem angekündigten Investitionsprogramm der britischen Regierung profitieren. Dieses sieht Ausgaben von rund 110 Milliarden Pfund (137 Milliarden Euro) für neue Kraftwerke, bessere Stromnetze und die Reduzierung der Umweltverschmutzung vor. Horizon hatte Pläne, in Großbritannien mindestens zwei Atomkraftwerke für 15 Milliarden Pfund zu errichten. Doch angesichts hoher Schulden durch den Atomausstieg in Deutschland entschieden die Konzerne um. Der Bau von neuen Atomkraftwerken ist extrem teuer und dauert Jahre.
Die Aktienkurse der beiden Unternehmen reagierten in einem freundlichen Marktumfeld kaum, da der Verkauf erwartet worden war. Eon-Papiere verloren 0,4 Prozent, während RWE-Aktien um 0,79 Prozent zulegten. Der Dax legte gegen Mittag um 0,87 Prozent zu.
Angesichts des Atomausstiegs der Bundesregierung hatte Eon im März angekündigt, sich im britischen Markt strategisch neu ausrichten zu wollen. RWE will sich vor allem stärker auf erneuerbare Energien konzentrieren. Ende Oktober hatte RWE-Chef Peter Terium in einem Interview bekräftigt, die Essener würden aus dem Neubau von Kernkraftwerken "komplett" aussteigen. Zu dieser Ansage passt, dass RWE vor kurzem angekündigt hat, seinen Anteil von 34 Prozent an dem finnischen AKW-Konsortium Fennovaima verkaufen zu wollen, das den Bau eines Reaktors auf der Ostsee-Halbinsel Hanhikivi plant. Eon entschied sich zunächst für einen Verbleib in dem Projekt.
Bis Ende 2013 will RWE bis zu sieben Milliarden Euro aus Verkäufen von Unternehmensteilen erlösen und legt sich dafür bereits mächtig ins Zeug. Die Verkaufsliste ist lang. Kürzlich spülte der Anteilsverkauf an dem norwegischen Gas- und Ölfeld Edvard Grieg 250 Millionen Euro in die Kasse. Zur Disposition stehen darüber hinaus der tschechische Gasversorger Net4Gas und die lokalen deutschen Versorger Süwag, VSE und die Koblenzer Elektrizitätswerke.
An diesem Dienstag hat RWE verkündet, seinen Anteil an den Berliner Wasserwerken für 658 Millionen Euro an die Stadt Berlin verkauft zu haben. "Damit sind wir in unserem Disinvestitionsprogramm um über eine Milliarde Euro weitergekommen", sagte eine Sprecherin. In die sieben Milliarden Euro rechnen die Essener nicht nur Verkäufe ein, sondern auch eingesparte Investitionen./jke/rs/jha/